Lackierung und Weathering

Für die Lackierung hatte ich mir das Braun-Grün-Tarnschema ausgeguckt, das auch auf der Verpackung zu sehen ist. Und natürlich soll der Flieger auch wieder ordentlich verwittert aussehen – ich mag dieses fabrikneue Zeug nämlich nicht!

Zu einem verwitterten Flieger gehören zunächst einmal etliche Lackabplatzer. Diese kann man recht gut mit einem feinen Pinsel und ein wenig Aluminiumfarbe simulieren. Ich wollte allerdings einmal neue Wege gehen und „echte“ Lackabplatzer simulieren. Hierzu verpasste ich dem Modell zunächst einmal eine Grundierung in Hellgrau (Tamiya Himmel-Grau XF-19). Danach sersäbelte ich ein Stück Maskierfolie in ca. 4583 einzelne Brösel. Diese klebte ich in die Nähe von Blechstößen – eben dort, wo später die Lackabplatzer sein sollten. Ungefähr exakt so:


Maskierfolie an den Tragflächen, um nachträglich Lackabplatzer zu simulieren. Scheißidee! Maskierfolie, um Lackabplatzer zu simulieren. Scheißidee!

Danach folgte das Pre-Shading, um die Konturen ein wenig zu betonen. Dazu habe ich alle Blechstöße und Kanten mit schwarzer Farbe besprüht. Bei solchen Geschichten sollte man den Airbrush mit einer feinen Spitze bestücken und eine ruhige Hand haben – ist immer blöd, wenn die Linien zu breit werden. Meine Frau fragte mich anschließend, ob Spider-Man das Modell überfallen hätte …

Preshading an allen Blechstößen.

Dann nahm ich mir die Unterseite vor. Laut Bauanleitung sollte eine Mischung aus 80% Matt Weiß 5 und 20% Seegrün 48 verwendet werden. Ich habe stattdessen Tamiya Matt Weiß XF-2 und Tamiya Tiefgrün XF-26 verwendet. Damit das Pre-Shading nicht für die Füße war, habe ich die Mischung anschließend gut verdünnt, um dem Farbauftrag ein klein wenig Transparenz zu verleihen. Funktionierte recht gut:

Grundfarbe an der Rumpfunterseite.>

Gemeinsam mit dem Pre-Shading gab das schon einen hübschen Effekt. Doch das war nur der erste Streich. Schließlich wollte ich den Ausbleichungseffekt noch ein wenig „vertiefen“.

Um den Lack ausgebleicht darzustellen, kippte ich einen guten Schluck Tamiya Matt Weiß XF-2 zu meiner angemischten Farbe und hellte sie so ein Stück weit auf. Das verdünnte ich dann – und zwar richtig extrem: 1 Teil Farbe auf 10 Teile Isopropanol. Mit diesem Zeug sprühte ich dann Wolkenstrukturen auf das Modell – und zwar immer abseits der Blechstöße, zur Flächenmitte hin:


Highlighting und Filtering an der Rumpfunterseite Highlighting und Filtering an der Rumpfunterseite.

Als letzte Farbschicht kam dann noch ein wenig Überblendung mit Tamiya Matt Schwarz XF-1 und Tamiya Matt Weiß XF-2 an die Reihe. Mit dem Weiß konzentrierte ich mich dabei eher auf die Vorderseiten der Tragflächen und des Leitwerks, während ich mit dem Schwarz die hinteren Kanten und einige markante Blechstöße bearbeitete. Und dann bekam die gesamte Unterseite einen Überzug mit W5-Bodenglanz:

Highlighting und Filtering an der Rumpfunterseite.

Weiter ging es mit der Oberseite!

Zuerst musste ein wenig abgeklebt werden, denn es sollte keine „vernebelten“ Farbübergänge zur Unterseite geben. Danach ging es los mit Tamiya Matt-Erde XF-52, der helleren der beiden Farben – ebenfalls ziemlich stark verdünnt, um das Pre-Shading zu erhalten:


Grundlackierung der Rumpfoberseite. Grundlackierung der Rumpfoberseite.

Natürlich habe ich auch das Braun ein wenig ausgebleicht: Farbe mit Tamiya Matt Weiß XF-2 aufgehellt, ordentlich verdünnt und in den Airbrush mit feiner Düse geladen. Feuer frei!

Highlighting fließt direkt in die Grundlackierung ein.

Weiter ging es mit dem Beschuss mit grüner Farbe. Um scharfe Abgrenzungen zu erhalten, habe ich ordentlich abgeklebt. Der Maskierfilm ging dabei gleich Quadratmeterweise drauf! Und natürlich kamen dann auch hier die Ausbleichungseffekte mit aufgehellter Farbe zum Einsatz. Diese Technik bezeichnet man übrigens als „Highlighting“:


Fertiges Tarnschema über dem Preshading. Highlighting und Filtering, direkt in das Tarnschema integriert.

Fertiges Tarnschema über dem Preshading.

Und auch diese Lackschicht bekam zuerst einmal einen Überzug mit W5-Bodenglanz. Zumindest roch danach die Bude wieder … na ja, irgendwie sauber.

Weiter ging es mit den Abzeichen. Natürlich hätte ich die mitgelieferten Abziehbilder benutzen können, doch diese erwiesen sich als extrem brüchig. Besser war es, hier den Zirkel zu schwingen und einige Sprühschablonen anzufertigen:

Sprühschablone für das Hoheitsabzeichen.

Das Ganze dann mit etwas abgetönter blauer Farbe übersprüht und anschließend mit etwas aufgehellter Farbe verwittert …


Aufsprühen des Hoheitsabzeichens. Auch das Hoheitsabzeichen wird durch Highlighting gealtert.

… und schließlich noch mit einem roten Punkt in der Mitte versehen (den ich vor lauter „Weathering-Geilheit“ beinahe pink gesprüht hätte). Dann die restlichen Aufkleber drauf und einige Kennungen noch mit Sprühschablonen erstellt …


Nur die Kokarden an den Rumpfseiten werden mit Decals realisiert, weil das Zentrieren der Kreise extrem schwierig ist. Das Hoheitsabzeichen am Seitenleitwerk - aufgesprüht, weil das Decal schlappmachte.

… und schon ist der Bursche fertig für den nächsten „Verwitterungsschritt“:

Alle Hoheitsabzeichen und Kennzeichnungen werden aufgesprüht.

Allerdings muss ich einräumen, dass nicht alles so glatt gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Falls es noch nicht aufgefallen ist: Die kleine Trikolore auf der Dämpfungsflosse des Seitenruders sieht ziemlich missraten aus. Ist sie auch – sollte nämlich eigentlich ein Abziehbild sein. Das hatte sich unter dem Einfluss von Mr. Mark Softer allerdings in ein Wellenbad verwandelt. Ich habe es runtergekratzt, so gut es ging, und dann einfach mit einer Schablone übersprüht. Nicht schön … aber es trägt irgendwie zum Verwitterungseffekt bei.

Der Rest ist schnell erzählt, denn das Prozedere haben wir schon an der Unterseite durch: Mit schwarzer und weißer Farbe habe ich noch einige Highlights bzw. Abtönungen gesetzt – und dann kam die umfassende Behandlung mit Pastellkreide. Wie das funktioniert, kennt Ihr ja schon aus dem Baubericht zur F-16 (wenn nicht: lesen!).

Was allerdings überhaupt nicht funktioniert hat: Die „Lackabplatzungen“. Als ich die Maskierfilmbrösel abzog, sah der Flieger einfach nur noch grotesk scheiße aus! Also habe ich diese Flecken kurzerhand übersprüht – und schon wieder einen guten Effekt erzielt, denn die Flecken fügten sich nahtlos in das bisherige Weathering ein. Mann, wären doch nur alle meine Irrtümer so korrekt …

Ich musste allerdings noch an etlichen Stellen nachbessern – teils mit durchwachsenem Erfolg. Eins steht fest: Wenn ich noch einmal mit neuen Lackiertechniken experimentiere, dann nehme ich dafür irgendwelchen Bastelschrott, statt am „lebenden Objekt“ zu arbeiten. Und etwas mehr Sorgfalt wäre auch nicht übel …

So steht der Kollege schließlich auf eigenen Beinen vor mir:

Noch einige abschließende Handgriffe und eine gute Schicht Klarlack – dann ist der Bursche fertig (und ja, ich habe die Fahrwerksklappen noch nachlackiert – dieses Grün war doch ein wenig zu heftig).

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