Die Nutzlasten und die Tragflächen

Als ich das Modell zum ersten Mal anging, dachte ich mir, ich fange einfach mal mit den Nutzlasten an. Tanks, Raketchen, Bömbchen – alles, was unter dem Rumpf und den Tragflächen so herumhängt. Genau das sind nämlich die Sachen, auf die ich später überhaupt keinen Bock mehr habe – also wollte ich sie diesmal gleich am Anfang wegmachen.

Selbstredend ist das fürchterlich daneben gegangen. Da hatte ich versucht, Klebenähte mit dem Messer wegzuschleifen, was nur in den seltensten Fällen funktioniert – und wenn, dann nur, wenn man mit extrem viel Gefühl rangeht.

Bei meinem zweiten Anlauf ging ich schon etwas ruhiger an die Geschichte heran.

Angefangen habe ich mit den Zusatztanks. Unter jeder Tragfläche hängt einer dieser Burschen. Und was auf den ersten Blick wie eine dicke, fette Zigarre aussieht, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als ein ziemlicher Tummelplatz für feine Detail.

Dieses Ding einfach nur grob zu lackieren und anschließend von unten an die Tragfläche zu pappen wäre also einem Sakrileg gleichgekommen. Deswegen habe ich mir vorgenommen, jeden einzelnen Tank wie einen kleinen, separaten Modellbausatz zu behandeln und dementsprechend auch zu lackieren.

Mit der Befestigung musste ich mir einiges einfallen lassen, denn dummerweise waren mir mehrere Kleinteile abhanden gekommen, mit deren Hilfe ich den Tank hätte anpappen können. Hier eine kleine Fotoshow, wie ich es schlussendlich gehandhabt habe:

Selbst gebaute Halterungen - die Originale hatten sich ins Nirvana verabschiedet.

Bei der Lackierung habe ich auf bewährte Techniken zurückgegriffen: Highlighting und Filtering. Außerdem habe ich ein mit Wasserfarben ein wenig geferkelt. Hierzu habe ich ordentlich Wasser auf die schwarze Farbe geträufelt und einen Schuss Spülmittel dazu gegeben. Das killt die Oberflächenspannung und lässt die Farbe anständig in alle Ritzen hinein laufen.

Hier noch einige Eindrücke von den fertigen Tanks:

Danach kamen die Sidewinder-Raketen an die Reihe – wie sich später herausstellen sollte, sind das neben den Maschinenkanonen die einzigen Waffen, die dieser Tornado mit sich führt.

Zu den Tanks gehört noch jeweils eine Sidewinder-Rakete. Hier die Rohversion ...

Allzu viel Spektakel kann man mit den Raketen nicht machen. Revell hat schon gleich eine Reihe Decals beigelegt, mit denen man die farbigen Markierungen umsetzen kann. Ich musste die Dinger allerdings noch einmal komplett auseinander montieren. Keine Ahnung, welche Form der Bewegungslegasthenie mich beim ersten Versuch geritten hatte, aber ich hatte die Teile so übel zusammengekleistert, dass die Ränder teilweise gut einen Millimeter Überstand hatten. Offenbar hatte ich mit dem Gedanken gespielt, einen unbewaffneten Tornado zu bauen. Oder ich war ganz einfach nur besoffen …
 
 
 

Die fertige Nutzlast - Pylon mit Zusatztank, Sidewinder-Rail und Rakete. Das Rail wurde mit 5-Minuten-Epoxidharz angeklebt.

Danach ging es mit den Überraschungen los. Teil 1: Die Defensivwaffen.

Unter den Tragflächen hängen noch zwei Geräte, bei denen es sich – dem Aussehen nach – eigentlich nur um hochgefährliche Waffen handeln konnte. Irgendwelche James-Bond-Stealth-Missiles, die wahrscheinlich in der Lage waren, unbemerkt und lautlos bis in Gadafis Wohnzimmer zu fliegen und dort dann ebenso lautlos und unbemerkt zu explodieren, wobei nur alle Haustiere getötet werden, was Gadafi vor lauter Gram in den Suizid treibt.

Dachte ich.

Wie sich dann herausstellte, handelt es sich bei diesen beiden Geräten um die Verteidigungsmaßnahmen, die der Tornado mit sich führt!

AN/ALQ-184 ECM-Pod (rechts) und BOZ Düppelmaterial-/Täuschkörperwerfer (links - wo sonst?).

Bei der Befestigung der beiden Teile musste ich erneut auf die Zahnstocher-Technik zurückgreifen. Außerdem galt es, hier und dort noch ein wenig an den Details zu feilen.

Und dann kam der größte Kracher.

Für die Aufhängungen unter dem Rumpf konnte man wählen zwischen einer Reihe von Bomben, einem Recce-Pod oder einem großen Gerät, das ich nicht recht zuordnen konnte. In jedem Fall sah das Ding hochinteressant aus. Was mit so vielen Details daherkommt, das muss einfach eine gemeingefährliche, hochentwickelte Waffe sein – dachte ich (an diesem Punkt waren wir weiter oben schon einmal).

In jedem Fall schusterte ich das Ding zusammen, spachtelte und lackierte wie ein Weltmeister. Und dann guckte ich, was das wohl sein könnte. Ich hatte schon die Befürchtung, irgendein Scherzbold hätte dem Bausatz eine Atombombe beigefügt. Zeitweise spielte ich schon mit dem Gedanken, ein kleines Decal für die Aufschrift „So long, Gadafi“ herzustellen und auf das Gerät zu pappen. Irgendwann fand ich aber dann ein Bild von diesem Ding, das sich – völlig unverhofft – als Luftbetankungsgerät herausstellte!

Na, das hätte vielleicht ein Hallo gegeben, mit einer fetzigen Aufschrift drauf!

Und hier die fertigen Nutzlasten:

Die gesamte Nutzlast des Tornado - nun kann die Arbeit an den Tragflächen beginnen.

(Und ich nehme es vorweg: Das Luftbetankungsgerät passt nicht an sein Rail – aber ich habe es trotzdem festgepappt!)

Bevor ich dann mit irgendetwas weitermachen konnte, musste ich zunächst die Tragflächen vorlackieren, dann montieren und anschließend verschleifen und fertig lackieren. Dieser Aufriss war leider nötig, denn mit angehängten Nutzlasten kommt man nur noch extrem schwer an die Tragflächenunterseite heran. Diesen Schmurks wollte ich mir doch gerne ersparen.

Die Unterseiten der Tragflächen werden zuerst lackiert.

Die fertigen Tragflächen mit den angehängten Nutzlasten.

Dann ging es mit dem Fahrwerk weiter …

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