1/32 Matchbox Westland Lysander Mk I/III

Das Coverartwork

Das Coverartwork.


 
 
Aus der Oldie-Ecke:
 
 

1/32 Matchbox Westland
 
Lysander Mk I/III


 
 

Hersteller: Matchbox
Erscheinungsjahr: 1978 (soweit für mich zu ermitteln)
Hersteller-Bestellnummer: PK-504
Länge: 291 Millimeter
Spannweite/Breite: 476 Millimeter
Anzahl der Bauteile: 133 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 50 Euro (Gebrauchtmarkt, Stand Januar 2014)

 
 

Eine kleine Geschichtsstunde vorab:

 
 
Die erste Lizzie hob am 15. Juni 1936 – also genau 75 Jahre vor dem Verfassen dieser Bausatzvorstellung – zum Jungfernflug ab. Bereits drei Monate später wurden die ersten Maschinen in Serie gefertigt. Leider ging es nicht ohne Kinderkrankheiten ab, doch schlussendlich wurde die Lizzie in ihrer dritten Baureihe schließlich das, was der Fieseler Storch für die Luftwaffe war: Ein STOL, mit dem sich prächtig Agenten absetzen ließen.

Der britische SAS nutzte die Lizzie gerne für Undercover-Einsätze im besetzten Frankreich. Dabei entwickelte sich das kleine, dicke Flugzeug zu einem echten Allrounder. Es konnte in einem völlig unvorbereiteten Kartoffelacker starten und landen, war recht gut bewaffnet und konnte sogar den einen oder anderen Luftsieg für sich verbuchen. Darüber hinaus war es reif für den Unauffälligkeitspreis, denn es wurde gerne vom Feind übersehen. Bei mehr als 400 geflogenen Einsätzen gingen lediglich zwei Maschinen verloren. 1946 wurde Lizzie dann schließlich in Rente geschickt. Noch heute exisiteren einige flugfähige Exemplare, mit denen allerdings keine Agenten mehr abgesetzt werden – und schon gar nicht auf dem Mount Everest. Auch nicht auf der Zugspitze – obwohl ich dafür meine Hand nicht ins Feuer legen möchte.

Die gängigste Baureihe, Mk III, wurde von einem Bristol Mercury XX Sternmotor mit 870 PS angetrieben und brachte es damit auf eine Höchstgeschwindigkeit von 366 km/h. Das war zwar nicht rekordverdächtig, doch es handelte sich ja auch schließlich nicht um ein Rennflugzeug. Die Dienstgipfelhöhe lag bei 6555 Metern. Damit hätte man also keinen Agenten auf dem Mount Everest absetzen können. Doch was hätte ein Agent auch schon auf dem Mount Everest tun sollen, außer schwer zu atmen und erbärmlich zu frieren? Immerhin gab es aber vier 7,7-Millimeter-Maschinengewehre, mit denen sich die Lizzie verteidigen konnte. Die Mk I-Version konnte sogar bis zu sechs kleine Bomben mitnehmen und damit einigen Schaden anrichten.
 
 

Der Baukasten:

 
 
Mit dieser Bausatzvorstellung möchte ich eine leicht geänderte Gangart im Gegensatz zu den bisherigen Vorstellungen einschlagen. Ich werde deswegen hier weniger Text verschleudern und stattdessen eher auf die Bilder setzen. Wer zu den einzelnen Fotos mehr wissen möchte, der sollte diese einfach anklicken. Dann gibt es ergänzende Texte zu lesen.

Nach dem ersten Öffnen ...

Nach dem ersten Öffnen ...

Bei einem Baukasten, der im Jahr 1983 abgepackt wurde (obwohl die Form schon 1978 auf den Markt gebracht wurde), kann ich heute natürlich nicht mehr nachvollziehen, ob die einzelnen Gießäste jemals in Plastiktüten verpackt gewesen waren oder nicht. Ich tippe mal auf ein „Nein“, denn zu dieser Zeit waren solche Verpackungen, die heute längst Gang und Gäbe sind, noch echter Luxus!

Aus dem Kasten linsen neben einer Menge Papier zunächst einmal Gießäste in drei Farben hervor, was zur Zeit der Bausatzproduktion noch absolut „in“ war. Weswegen diese Farben – und zwar ausgerechnet diese Farben – gewählt worden waren, erschließt sich mir nicht. Kann aber auch egal sein, denn schlussendlich wird ja ohnehin alles überlackiert.

Eine Seitenansicht des Baukastens.

Eine Seitenansicht des Baukastens.

Die unterschiedlichen Bemalungsschemata

Überblick über die Bemalungsschemata.


 
 

Die Papiere:

 
 
Dieser Bausatz kann mit einer ziemlich außergewöhnlichen Bauanleitung aufwarten. Zunächst einmal sind Bau- und Bemalungsanleitung voneinander getrennt. Außerdem handelt es sich bei der Bauanleitung selbst diesmal um zwei separate Faltblätter. Hier ein Überblick (und daran denken: Hinter jedem Foto verbirgt sich noch ein ergänzender Text, falls man mehr wissen möchte):

Decals gibt es auch. Für diese Zeit ein Luxus: Es sind sogar einige Wartungshinweise zu finden. Allerdings machen die Abziehbilder einen ziemlich fertigen Eindruck. Wenn es ganz schlecht läuft, dann komme ich nicht umhin, selbst etwas zu drucken.

Die Decals.

Die Decals.


 
 

Die Bauteile:

 
 
Nun aber an’s Eingemachte! Sehen wir uns die einzelnen Gießäste einmal genauer an. Wer die erläuternden Worte zwischen den Bildern vermisst, der sollte einfach einmal auf die Bilder selbst klicken. Das macht „Aha!“ im Kopf.

Der erste Gießast.

Der erste Gießast.


 
Der zweite Gießast.

Der zweite Gießast.


 
Der dritte Gießast.

Der dritte Gießast.


 
Der vierte Gießast.

Der vierte Gießast.


 
Der fünfte Gießast.

Der fünfte Gießast.


 
Die Klarsichtteile.

Die Klarsichtteile.


 
 

Die Details:

 
 
Man wagt es kaum zu glauben, doch selbst bei einem solchen Oldtimer von einem Bausatz gibt es richtige Details zu sehen. Auch hier verbergen sich einige Erläuterungen hinter den Bildern (ich erwähne es immer wieder, bevor am Ende irgendein Knaller in irgendeinem Forum schreibt: „Der Hening is vileicht ein Dep. Der hat nur Bilter un sons nix. Is aba gut, weil ich les eh net.“).


 
 

Ein kleines Fazit:

 
 
Ich werde hier nicht so tun, als sei dieser Bausatz Neuland für mich. Ganz im Gegenteil: Das hier ist mindestens schon die dritte Lizzie, die im Lauf der Jahrzehnte auf meiner Schlachtbank landet. Als kleiner Dopsch wusste ich diesen Bausatz aber natürlich nicht richtig zu würdigen. Mir kam es seinerzeit nur darauf an, das Ding zusammenzukleben und dann damit zu spielen – was natürlich mit kapitalem Bruch endete. Und ich erinnere mich sehr gut, dass ich jedesmal an der Montage der Tragflächen nahezu verzweifelte, weil die Dinger nicht so schnell halten wollten, wie ich es gerne gehabt hätte.

Nun wird sich der eine oder andere Leser fragen, weswegen ich überhaupt noch einmal mit einer so alten Kamelle daher komme. Ganz einfach: Weil ich das Ding habe – und weil es der Baukasten verdient hat, hier noch einmal gewürdigt zu werden!

Matchbox stand eigentlich schon immer für sehr gute, passgenaue Modelle. Leider erreichten aber nicht alle Bausätze eine hohe Detailgenauigkeit. Wenn ich beispielsweise an die 1/72 Revell Consolidated PB4 „Privateer“ denke, dann steigen meine Nackenhaare so sehr in die Höhe, dass ich aussehe wie der Glöckner persönlich. Der Lysander hingegen gehört zu den wirklich guten Bausätzen und protzt mit feinen Strukturen, die für die damalige Zeit sicherlich schon über dem Standard lagen – insbesondere in dieser Preisklasse.

Dennoch wird beim Zusammenbau noch einige Detailarbeit notwendig sein. Ein schönes Armaturenbrett allein (das sogar bis auf den „Danger“-Schriftzug dem Original nachempfunden ist) genügt leider nicht. Hier und dort werde ich also Strippen ziehen und Teile dazu bosseln. Einen Detailsatz für diesen Oldtimer sucht man leider vergebens, doch wofür hat man zwei Hände (links) und einigen Einfallsreichtum?

Die Bausätze sind inzwischen sehr rar geworden. Mit etwas Glück lässt sich noch eine Lizzie in einer Tauschbörse oder bei einem Auktionshaus finden. Hier und dort taucht auch die von Revell vertriebene Form auf. Wer einen Baukasten findet, der sollte daher nicht lange fackeln und zugreifen, sonst sind die Dinger alle. Und wer vielleicht mit der Hoffnung spielt, ich könnte meinen verkaufen: No way, man!
 
 

That’s all, folks!

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