1/32 Revell Dornier Do 27 „Grzimek“ Serengeti Version

1/32 Revell Dornier Do 27
 
„Grzimek“ Serengeti Version

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 1989
Hersteller-Bestellnummer: 04745
Länge: 298 Millimeter
Spannweite: 370 Millimeter
Bauteile: 106
Kaufpreis: 7,99 Euro (Modellbaufachhandel, Stand Januar 2012)

Do 27, „Serengeti darf nicht sterben“ und der Herr mit dem komischen Namen …

Zum Flugzeug selbst gibt es nicht sonderlich viel zu erzählen. Nach dem Erstflug im Jahr 1956 ging die Maschine in Serie. Insgesamt 628 Stück wurden in verschiedenen Ausführungen gebaut und sowohl militärisch als auch Zivil genutzt. Als Besonderheit dieser kleinen Vielzweckmaschine wird die Fähigkeit, mit kurzen Start- und Landebahnen (sog. STOL-Fähigkeit) hervorgehoben.

Interessant ist jedoch, was es mit dieser speziellen „Serengeti Version“ auf sich hat: Prof. Bernhard Grzimek (1909 – 1987), der berühmte Tierforscher und -filmer, benutzte diese Maschine, um Tiere aus der Luft zu beobachten und zu filmen. Viele Luftaufnahmen zu seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ (1959 mit dem Oscar ausgezeichnet!) entstanden aus diesem Flugzeug. Leider kollidierte die Maschine im Jahr 1959 mit einem Altweltgeier (es muss ein gewaltiges Vieh gewesen sein!), geriet in eine nicht mehr zu korrigierende Seitenlage und stürzte ab. Michael Grzimek, der Sohn des Professors, kam bei diesem Absturz leider ums Leben.

Die Do 27 ist bestückt mit einem Lycoming GO-480 B1A6 Boxermotor mit 270 PS. Dieses Triebwerk bringt sie auf eine Geschwindigkeit von maximal 248 km/h und eine Dienstgipfelhöhe von 3500 Metern. Ein Pilot genügt, um das Flugzeug zu pilotieren. Zusätzlich können noch bis zu 5 Passagiere Platz nehmen, was die Do 27 zu einem beliebten Absetzflugzeug für Fallschirmspringer macht. Interessanterweise ist die Maschine auch in der Lage, mit einer Geschwindigkeit von nur 60 km/h ihre Höhe zu halten. Für den Start benötigt sie eine Rollstrecke von nur 155 Metern.

Der Baukasten darf nicht sterben!

Im Regal des Modellbauhändlers tat der Baukasten mit seinen kompakten Abmessungen (367 mm x 235 mm x 60 mm) zunächst alles, um von mir übersehen zu werden. Da ich auf Modelle im Maßstab 1/32 fixiert bin, fiel mir die Beschriftung jedoch sofort ins Auge und ich griff zu.

Wie bei Revell üblich, zeigt der Kasten ein Bild des Flugzeuges im Einsatz (mit Prof. Grzimek darin, deutlich erkennbar). An einer Kartonseite sind vier Fotos des Prototyp-Modells, gebaut von Dieter Wiegmann, zu sehen. Dieser Prototyp weicht übrigens in einigen Details vom Serienmodell ab, denn es sind noch einige Details hinzugekommen.

Fotos des Prototypmodells, gebaut von Dieter Wiegmann.

Darüber hinaus zieren die Seiten des Kartons noch diverse (Sicherheits-)Hinweise in unterschiedlichen Sprachen sowie eine grobe Übersicht über die Farben, die verwendet werden sollen. Einen kurzen geschichtlichen Abriss über die Do 27 gibt es auch – in vier Sprachen.

Das erste Öffnen des Kastens zeigt einen übersichtlichen Inhalt.

Geöffnet wird der Baukasten an den Seiten. Nach einigem Schütteln kommen einem dort eine Plastiktüte mit sieben Gießästen (inklusive der Klarsichtteile) sowie einiger Papierkrieg entgegen. Alles ist sauber verpackt und es fliegt nichts lose durch die Gegend. Auch der Papierkrieg ist ordentlich ineinander geschoben und flattert nicht herum.

Papierkrieg darf nicht sterben …

Die Bauanleitung im DIN-A-4-Format.

Denkt man an Papierkrieg, dann denkt man zuerst an die Bauanleitung. Diese kommt im Format DIN-A-4 daher und zeigt auf der ersten Seite ein Foto des fertigen Prototypmodells, einige Infos zur Do 27 im Allgemeinen und der Maschine von Prof. Grzimek im Speziellen sowie eine Tabelle der wichtigsten technischen Daten. Alle Texte und Daten sind sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache abgedruckt.

Es folgen zwei Seiten mit den üblichen Sicherheitshinweisen und einer Übersicht der verwendeten Symbole, diesmal in gleich 21 unterschiedlichen Sprachen abgefasst.

Auf Seite 4 folgt dann die Übersicht über die zu verwendenden Farben, abgefasst im Revell-Farbnummernsystem. Hier die Farben:

  • Anthrazit, matt 9
  • 50% Patinagrün, seidenmatt 365 + 50% Hellgrau, matt 76
  • Aluminium, metallic 99
  • Hellgrau, matt 76
  • Weiß, glänzend 4
  • Schwarz, seidenmatt 302
  • Helloliv, matt 45
  • Mittelgrau, matt 43
  • Rost, matt 83
  • Gelb, matt 15
  • Eisen, metallic 91
  • Kupfer, metallic 93
  • Feuerrot, seidenmatt 330
  • Laubgrün, seidenmatt 364
  • Beige, seidenmatt 314
  • Ocker, matt 88
  • Beige, matt 89

Auf der oberen Hälfteder 5. Seite ist eine Übersicht über die Anordnung alle Bauteile an den Gießästen zu sehen. Danach beginnt es mit der Beschreibung des Zusammenbaus. Dieser zieht sich über 52 Bilder bis auf Seite 10. Danach folgen noch zwei Seiten mit der Anleitung für die Bemalung und das Anbringen der Decals.

Neben der Bauanleitung findet sich noch eine weitere Anleitung im Baukasten, die auf den ersten Blick ein wenig überrascht. Und so sieht sie aus:


 
Bilder zum Vergrößern bitte anklicken.

Hätte man für die Anbringung der Zebrastreifen einen umfangreichen Decalbogen erwartet, so wird man von dieser Bemalungsanleitung überrascht, die gleichzeitig auch als Vorlage für die Anfertigung von Sprühschablonen dient. Das ist sicherlich nicht alltäglich und lässt den Modellbauer stutzen – insbesondere, wenn man Revell-Bausätze wie beispielsweise die 1/32 Aerospatiale SA-330 Puma „Tigermeet“ kennt, bei der alle großflächigen Verzierungen als Decals beilagen. Doch mehr dazu im Fazit am Ende der Seite …

Werfen wir stattdessen einen Blick auf den Decalbogen:

Der Decalbogen - weitaus übersichtlicher, als ursprünglich erwartet.

Für eine „ganz normale“ Do 27 bietet der Bogen so ziemlich alles, was man sich wünschen kann: Kennungen, Wartungshinweise und sogar Decals für die Instrumente (über deren Einsatz man ernsthaft nachdenken sollte – doch dazu später mehr).

Die Bauteile dürfen nicht sterben …

Nun zu den einzelnen Gießästen:

Am ersten Gießast hängen die Teile der Tragflächen sowie die Querruder und die Landeklappen. Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass diese Steuerflächen später beweglich gestaltet werden können.

Gießast Nr. 2 deckt das Leitwerk ab. Außerdem gibt es etliche Kleinteile, von denen fünf Stück nicht benötigt werden.

Gießast Nr. 3 ist – im Gegensatz zu seinen weißen Kollegen – in braunem Plastik gehalten und beherbergt hauptsächlich Teile der Innenausstattung.

Der vierte Gießast sorgt für Verwunderung, denn neben den Teilen der Räder sind hier auch die Bauteile zweier Schleudersitze vorhanden. Schleudersitze in einer Do 27? Eigenartig! Doch die Erklärung ist einfach: Es handelt sich um einen Gießast aus dem Bausatz eines Düsenflugzeuges, den Revell aus Kostengründen eingesetzt hat, anstatt eine komplett neue Form auszuarbeiten. Benötigt werden davon nur die vier Teile in der Mitte.

Am fünften Gießast sind noch einige Rumpfteile sowie Teile des Motors zu finden.

Der letzte solide Gießast ist übersichtlich gestaltet: Hier warten nur die beiden Rumpfhälften.

Und schließlich noch die Klarsichtteile, die für klare Sicht sorgen.

Die Details dürfen nicht sterben!

Hier kommt nun der übersichtliche Teil dieser Bausatzvorstellung.

Zunächst das Armaturenbrett. Wie man sieht, sind die Details hier nicht gerade reichlich vorhanden. Und wenn man genauer hinschaut, dann stimmt die Anordnung der Instrumente auch nicht mit dem Original überein. Genau aus diesem Grund sollte man über den Einsatz der mitgelieferten Decals nachdenken, die das Armaturenbrett zumindest ein wenig optisch aufwerten dürften. Ansonsten bleibt nur der Eigenbau.

Der Motor verfügt zwar über etliche Strukturen, ist aber ziemlich wuchtig ausgefallen.

Und noch ein Blick auf den Bug, an dem ebenfalls einige Strukturen vorhanden sind.

OK oder Abbrechen?

OK Abbrechen
Ein Bausatz mit einer spektakulären Lackierung, der angenehm aus dem Wust der Kampfjets und Warbirds im Revell-Sortiment heraussticht. Teilweise sehr schwache Detaillierung sowie stellenweise nicht stimmige Details und deutliche Abweichungen vom Original.
Sehr gute Bauanleitung mit deutlichen Angaben. Trotz Niveau 5 sollte der Zusammenbau damit auch für einen Anfänger machbar sein. Teils recht grobschlächtige Ausführung der Teile mit erhöhten Strukturen statt versenkter Blechstöße und Nieten.
Sehr geringer Anschaffungspreis. Schwierige Bemalung, sofern man die Grzimek-Version mit den Zebrastreifen bauen möchte.

Nun, das Fazit fällt durchwachsen aus, denn dieser Bausatz bietet einige Schwächen sowie einige Kuriositäten. Alleine der Gießast aus dem F-14-Bausatz von Revell ist schon ein Knaller an sich – wobei dieser Knaller keine Auswirkungen auf die Vorbildtreue hat, weil es nur um die Reifen des Hauptfahrwerks geht.

Weniger schön sind allerdings die ziemlich wuchtig ausgefallenen Fahrwerksbeine und die ziemlich spärliche Innenausstattung. Details wie z. B. angegossene Gurte sucht man hier vergeblich. Auch dem Motor hätten noch einige Details gut getan. So handelt es sich beim Motorspant beispielsweise um eine glatte, völlig unstrukturierte Plastikplatte.

Und auch die Bemalungsanleitung verwundert. Weswegen soll man all diese Streifen in mühsamer Kleinarbeit aufpinseln, wenn man doch einfach Decals aufkleben könnte?

Aber halt! Genau an dieser Stelle möchte ich mit den weniger positiven Aspekten aufhören und stattdessen zu den Stärken des Modells kommen:

Wie Dieter Wiegmann auf den Seiten des IPMS Deutschland ausführt, wäre es kaum möglich, dieses Modell mithilfe von Decals zu gestalten. Dies hätte einerseits die Produktionskosten in die Höhe gejagt. Andererseits wäre die Anbringung kaum vernünftig machbar gewesen, weil sich die Decals millimetergenau an die Oberflächenstruktur des Rumpfes anlegen müssten, was in der Praxis offenbar nicht machbar ist. Stattdessen hat Revell offenbar mit großem Aufwand tatsächlich alle Zebrastreifen exakt von Fotos des Originals übernommen und mit den entsprechenden Abmessungen detailliert umgesetzt.

Die Lackierlösung sollte vor der Endmontage der größeren Rumpfteile und der Tragflächen in diesem Fall also die praktikabelste Methode sein. Und wer anderer Meinung ist, der kann immer noch die Schablonen einscannen, den Drucker anschmeißen und die Streifen auf Decalpapier übertragen. Bei verschiedenen Streifen, die nicht mit perspektivischen Problemen kämpfen müssen, ist das sogar eine Möglichkeit, über die ich selbst nachdenke.

Und was fehlende oder nicht stimmige Details sowie Abweichungen vom Original angeht: Dieser Bausatz kostet momentan 7,99 Euro im Fachhandel. Im Internethandel habe ich bereits Exemplare für 7,00 Euro erspäht. Für dieses Geld bietet der Bausatz jede Menge Flugzeug. Deswegen möchte ich gar nicht erst mit der Erbsenzählerei anfangen. Abgesehen davon handelt es sich bei diesem Revell-Bausatz momentan um den einzigen Bausatz der Do 27 im Maßstab 1/32. Wer sie also haben möchte, der kommt um Revell nicht herum.

Und um am Ende mal höchst subjektiv zu werden: Ich habe an diesem Modell einfach einen Narren gefressen. Die Do 27 gefällt mir – ob mit oder ohne Zebrastreifen. Es ist einfach einmal etwas anderes als ewig nur Kampfflugzeuge aus dem 2. Weltkrieg. Ein hübsches, puristisches Mehrzweckflugzeug. Da sehe ich auch gerne über die eine oder andere Unstimmigkeit bei den Details hinweg.

That’s all, folks!

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