1/32 Revell Junkers Ju 88A-1

Das Karton-Artwok


 
 

1/32 Revell Junkers Ju 88A-1

 
 

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 2008
Hersteller-Bestellnummer: 04728
Länge: 453 Millimeter
Spannweite: 571 Millimeter
Bauteile: 281 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 44,99 Euro (Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, Stand Juli 2011)

 
 

Zunächst etwas zur Geschichte:

 
 
Am 21. Dezember 1936 erhob sich die erste Ju 88 in den Himmel. Zu diesem Zeitpunkt wusste allerdings noch niemand so direkt, was aus diesem Fluggerät werden sollte. Erst am 19. April 1937 wurde dies konkreter, denn an diesem Tag forderte Hermann Göring (der dicke Junkie mit den lustigen Klamotten) die Entwicklung eines schnellen Bombers. Offenbar waren ihm die bisherigen Bomber alle zu langsam. Dafür wurde sogar die gerade laufende Entwicklung eines viermotorigen Bombers eingestellt.

Junkers riss natürlich gleich die Pfoten in die Luft und brüllte: „Ich, Herr Lehrer, ich, ich!“ Na klar, die hatten ja auch ihre Ju 88 schon in den Startlöchern. Das Ding wurde noch schnell sturzkampftauglich gemacht, wie der dicke Hermann es forderte, und schon konnte am 13. April 1938 die erste einsatzfähige Maschine abheben.

In der dann folgenden kleinen Kabbelei, die dieser wiener Wirrkopf mit dem komischen Bärtchen anzettelte, übernahm die Ju 88 eine Unmenge von Aufgaben. Dieses Ding wurde wirklich für so ziemlich alles eingesetzt, wofür man einen schnellen Bomber einsetzen kann – beispielsweise als Bomber. Außerdem als Aufklärer, als Torpedoflugzeug, als Bomber, als Huckepack-Träger, als Versuchsflugzeug, als Bomber, als Zerstörer und als Bomber.

Nach dem Krieg wurde das Muster allerdings zügig in Rente geschickt, weil in Friedenszeiten extrem wenig Bomben geworfen werden mussten. Was von den gut 9300 produzierten Bombern übrig war, wurde kurzerhand verschrottet. Heute gibt es nur noch zwei komplett erhaltene Exemplare. Ein drittes Flugzeug wird gerade restauriert. Außerdem steht im Auto-, Technik- und Verkehrsmuseum in Sinsheim noch ein Klapperatismus herum, der eine Ju 88 darstellen soll. Das muss aber eher ein etwas zu schlecht geratener Witz sein.

Vier Pilotenmännchen waren notwendig, um die Ju 88 von A nach B zu bewegen und dabei Bomben auf C zu schmeißen. Ihre beiden Junkers-V12-Motoren Jumo 211 B-1 mit je 1175 PS Startleistung brachten die Ju 88 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 460 km/h – sofern keine Bomben an Bord waren. Dann schaffte sie auch ihre Dienstgipfelhöhe von 7500 Metern, was nicht ausgereicht hätte, um den Mount Everest zu bombardieren. Doch sie wäre ja ohnehin ohne Bomben dort oben angekommen (und zwar mit 460 km/h, jawohl!). Mit ihren drei Maschinengewehren konnte sie sich recht gut verteidigen und dabei auch noch bis zu 2400 kg Bomben auf die Köpfe ihrer Feinde werfen – und das sogar im Sturzflug und bei Regen!
 
 

Der Baukasten:

 
 
Der Bausatz kommt in einem imposanten Baukasten mit den Abmessungen 50,5 cm x 12 cm x 36,5 cm (B x H xT) daher. Selbst wenn man nicht weiß, dass man es mit einem Riesenprügel von einem Flugzeug zu tun hat – spätestens beim Anblick des Kartons ahnt man es!

Fotos des Prototyp-Modells.

Auf den Seiten des Kartons sind – wie bei Revell üblich – ein kurzer geschichtlicher Abriss, eine Übersicht über die wichtigsten Farben sowie einige Hinweise zum Bausatz zu sehen. Außerdem gibt es noch sechs Bilder, auf denen der Revell-Prototyper eindrucksvoll zeigt, was hier auf den Modellbauer zukommt. Spätestens an dieser Stelle wird der Modellbauer zappelig, denn diese Bilder sind schon extrem lecker (hey, das ist nur ’ne Metapher – man kann das Plastik nicht essen)!

Das erste Öffnen des Baukastens.

Dann das erste Öffnen des Baukastens – und das Herz des Modellbauers weitet sich zu einem saftigen Steak! Neben einem Heftchen mit Sicherheitshinweisen und allgemeinen Tipps flattern einem zunächst die Bauanleitung und der Decalbogen entgegen – und darunter lauern sechs Plastiktüten mit jeweils gleich mehreren Gießästen. Die schiere Anzahl der Bauteile ist bereits enorm.

Ansonsten hält der Baukasten keine besonderen Überraschungen oder Gimmicks bereit. Man hat es mit einer typischen Revell-Verpackung zu tun. Da der Bausatz ohne Besonderheiten wie Fotoätz- und Metallteile sowie Moosgummireifen daherkommt, ist es auch nicht nötig, zusätzlichen Aufwand zu betreiben.
 
 

Papierkrieg:

 
 
Da wäre zunächst mal das kleine Heftchen mit den Sicherheitshinweisen. Darauf gehe ich aber nicht besonders ein. Wir wissen alle, dass wir uns nicht die Finger abschneiden sollen. Zahnstocher gehören nicht ins Auge und Kleber gehört an die Plastikteile, nicht in das Fell unserer Haustiere.

Die Bauanleitung.

Wie der als Größenvergleich beigefügte Damenstöpsel (es handelt sich um ein Exemplar mit gängigen Ausmaßen, nicht um die Variante „Bromölla“ für extra breite Eingänge) schon vermuten lässt, kommt die Bauanleitung im Format DIN-A-4 daher. Die Frontseite zeigt noch einmal ein Bild des Modells, einen geschichtlichen Abriss sowie die technischen Daten – jeweils in Deutsch und Englisch. Es folgen noch zwei Seiten mit allgemeinen Hinweisen in verschiedenen Sprachen, dann werden die insgesamt 19 zu verwendenden Farben aufgelistet, von denen zwei angemischt werden sollen. Hier eine Übersicht (im Revell-Farbnummernsystem):

  • Schwarzgrün, matt 40
  • Dunkelgrün, matt 49
  • Hellblau, matt 49
  • Weiß, matt 5
  • Helloliv, matt 45
  • Staubgrau, matt 77
  • Feuerrot, seidenmatt 330
  • Anthrazit, matt 9
  • Laubgrün, seidenmatt 364
  • Schwarz, seidenmatt 302
  • Aluminium, metallic 99
  • Rost, matt 83
  • Lederbraun, matt 84
  • 75% Eisen, metallic 91 + 25% Anthrazit, matt 9
  • Gelb, matt 15
  • Blau, matt 56
  • Braun, matt 85
  • 90% Weiß, matt 5 + 10% Blau, matt 56
  • Hellgrau, matt 76

Danach folgt eine schematische Übersicht über die einzelnen Gießäste und dann, endlich, der eigentliche Bauplan. Auf acht Seiten ist der Zusammenbau mit insgesamt 92 einzelnen Bildern beschrieben. Alleine 30 Stück davon befassen sich ausschließlich mit dem Cockpit!

Danach folgen noch drei Seiten, auf denen die Bemalung sowie die Anbringung der Decals beschrieben sind. Die drei Varianten, in denen die Maschine lackiert und beklebt werden kann:

  • 7./Kampfgeschwader 54, „Luftschlacht um England“, Frankreich, September 1940
  • 3./Kampfgeschwader 30, „Luftschlacht um England“, Frankreich, 1940
  • Unbekannte Testeinheit für Navigationssystem „Knickebein“, Norwegen, April 1940

Das Artwork des Kartons zeigt übrigens die Variante des 7./Kampfgeschwader 54. Und nein, der lustige Totenkopf auf der Rumpfseite bedeutet nicht, dass es sich um ein Piratenflugzeug handelt. Und nein, Jack Sparrow hat auch nix damit zu tun. Der kann nämlich überhaupt nicht fliegen!
 
 

Die Bauteile:

 
 
Hier geht es nun an’s Eingemachte. Alle Teile einzeln zu benennen und zu bezeichnen wäre an dieser Stelle eine kleine Lebensaufgabe. Deswegen werden alle Gießäste hier in einer Galerieansicht gezeigt. Zum Vergrößern der Bilder einfach die Fotos anklicken – und auf der dann folgenden Seite noch einmal anklicken.

Besondere Erwähnung soll noch dieser Gießast erfahren:

Die Klarsichtteile.

Dies sind die Klarsichtteile, die für klare Sicht sorgen & deswegen kaum zu sehen (aber dennoch vorhanden) sind.
 
 

Die Details:

 
 
Es gibt Bausätze, bei denen muss man die Details mit der Lupe suchen. Ich denke da nur an die 1/72 Italeri North American XB-70 „Valkyrie“, die ich bereits hier im Forum vorgestellt habe. Dabei ist man dann froh, wenn man für seine Dokumentation zwei oder drei Fotos zusammen bekommt.

Bei diesem Bausatz ist das ganz anders. Hier müsste man eigentlich 281 Fotos schießen (gut, das ist natürlich maßlos übertriebener Bildzeitungsstil … kommt aber gut, finde ich)! Ich habe mir nun die Freiheit genommen, dies auf ein paar wenige Bilder zusammenzudampfen, einerseits weil ich ein stinkfauler Strick bin, andererseits weil der Film alle war (das war nun eine Doppelpointe, also bitte zweimal lachen – Ha-ha, ha-ha).

Feine Details an einem Rad.

Magazine der Bord-MGs.

Starke Details an den Fahrwerksbeinen.

Besondere Erwähnung verdienen die Teile im Cockpit. Hier eine Übersicht:


 
 

Der Detailsatz:

 
 
Um das Modell noch weiter optisch aufzuwerten, bietet Revell noch einen Ätzteilesatz an:

Der komplette Ätzteilesatz.


 

Hersteller: Revell (eigentlich Eduard)
Erscheinungsjahr: 2008
Hersteller-Bestellnummer: 00705
Bauteile: 3 (mehrfach selbst nachgezählt)
Kaufpreis: 34,99 Euro (Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, Stand Juli 2011)

 
Hier noch einmal ein Überblick über die drei Teileträger im Einzelnen:

Mit diesem Ätzteilesatz kann insbesondere das Cockpit optisch aufgewertet werden. Auch für die Motorengondeln stehen Teile zur Verfügung, wie z. B. extrem fein gearbeitete Lüftungsgitter.
 
 

Das Fazitlein:

 
 
Zu diesem Bausatz etwas zu sagen, ist nicht ganz einfach. Nicht, weil es nichts zu sagen gibt, sondern weil es einem schlicht und ergreifend die Sprache verschlägt!

Sicher, von japanesischen oder chinesischen Nobelherstellern ist man einen solchen Detailreichtum gewohnt – zu Premiumpreisen, versteht sich. Von Revell hingegen erwartet man einen solchen Knaller nicht; und schon gar nicht zu diesem Preis!

Die Qualität des Bausatzes ist einwandfrei: Keine Makel, keine Fischhäute, keine Unsauberkeiten, keine Verformungen, keine Auswerfermarken im unmittelbaren Sichtbereich (und wenn doch, dann sind sie bei der Vielzahl der Teile noch nicht aufgefallen). Das graue Plastik kommt in Revell-typischer Qualität daher und fühlt sich gut an.

Die Passgenauigkeit ist noch nicht geprüft, soll aber – den bisherigen Erfahrungsberichten nach zu urteilen – unglaublich gut sein. Ebenso verhält es sich mit der Genauigkeit des Bausatzes gegenüber dem realen Vorbild. Wie ich erfahren habe, hat ein Vergleich mit den Original-Bauplänen nur minimale Abweichungen am Leitwerk gezeigt. An den Tragflächen gab es ebenfalls leichte Abweichungen. Aber Überraschung: Wie sich herausstellte, waren die Baupläne käsig! Ansonsten ist alles da, wo es hin gehört. Damit dürfte der Bausatz sogar für die Kollegen von der Nietenzählerfraktion ein echtes El Dorado sein.

Und damit wären wir auch schon bei dem Punkt, der einen alten Revell-Kenner locker auf die Bretter schickt und liegen lässt, bis der Ringrichter bis 100 gezählt hat: Der Detailreichtum!

Was Revell bei diesem Modell abfackelt, ist schlichtweg unglaublich. Da treten die feinen Gravuren und die versenkten Blechstöße an der Rumpfaußenseite schon beinahe in den Hintergrund. Alleine im Cockpit bringt Revell sage und schreibe 127 Einzelteile unter – das ist ein absoluter Rekord. Dabei ist das noch lange nicht alles. Auch das Fahrwerk ist sauber herausgearbeitet und der gesamte Rumpf ist mit feinen Details übersät.

Nun stellt sich die Frage: Wo viel Licht ist, ist da auch viel Schatten?

Die einfache Antwort: Nein!

Wenn es bei der ersten Sichtung der Teile überhaupt einen Grund für Meckerei gibt, dann bezieht sie sich bestenfalls auf das etwas kärglich ausgefallene Armaturenbrett, das leider mit Details ein wenig geizt. Die Sitzgurte fehlen ebenfalls. Doch dafür gibt es schließlich einen Ätzteilesatz aus dem Hause Eduard, auf Revell gelabelt. Der Anschaffungspreis ist zwar ein wenig happig, doch die Anschaffung lohnt sich allemal. Die Teile sind hübsch koloriert. Damit erfährt das Modell eine weitere optische Aufwertung.

Alles in Allem: Ein Bausatz, den man in dieser Form von Revell nicht erwartet hätte – und der auch prompt “Kit of the year 2008” bei LCP geworden ist. Recht so!

That’s all, folks!

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