1/32 Revell Lockheed F-104G Starfighter

Das Coverartwork.

Das Coverartwork (mit Damenstöpsel als Größenvergleich).

1/32 Revell Lockheed
 
F-104G Starfighter

 
 

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 1998
Hersteller-Bestellnummer: 04709
Länge: 521 Millimeter
Spannweite: 208 Millimeter
Bauteile: 60 (ohne Bordwaffen, in Bauanleitung gezählt)
Kaufpreis: ca. 50 Euro (Gebrauchthandel/ebay, Stand Juni 2011)

 
 

Ein bisschen Geschichte vorab:

 
 
04. März 1954: Der erste Starfighter startet zu seinem Jungfernflug. Die US Air Force hatte im November 1952 eine Ausschreibung für die Entwicklung eines neuen Jagdflugzeugs ausgegeben – und Lockheed hatte mit dem Starfighter-Design sofort die Spitze der Anbieter übernommen.

Das neue Design, auf das Lockheed setzte, war voll auf Geschwindigkeit und Steigrate ausgelegt. So schaffte es der Starfighter als einziges Flugzeug seiner Zeit, gleichzeitig Weltrekorde für Geschwindigkeit, Steigrate und Maximalhöhe aufzustellen.

1958 entschied der damalige Verteidigungsminister, Franz-Josef Strauß, den Starfighter auch bei der Bundeswehr einzuführen. Leider verlief das alles nicht ganz reibungslos. Einerseits kam es bereits bei der Beschaffung zu einer mächtigen Staatsaffaire wegen Unregelmäßigkeiten, zum anderen flogen die blöden Jets nicht so, wie sie fliegen sollten. Das Resultat: Von insgesamt 916 angeschafften Maschinen knallten gleich 292 in den Boden. Dies brachte dem Starfighter allerhand böse Spitznamen ein („Witwenmacher“, „Sargfighter“). Dennoch sollen viele Piloten enttäuscht gewesen sein, als der Starfighter 1991 endgültig vom Tornado abgelöst wurde.

Der Starfighter brachte es auf eine Geschwindigkeit von Mach 2. Die Dienstgipfelhöhe lag bei 15240 Metern. Damit hätte er den Mount Everest beinahe in Höhe des Mount Everest überfliegen können, was für den Mount Everest aber eher ohne Belang gewesen wäre. Nur ein Pilot war notwendig, um das Vehikul zu pilotieren. Das war auch gut so, denn auf diese Weise mussten nicht so viele Piloten ersetzt werden, wenn wieder einmal einer in einen Kartoffelacker geklatscht war. Zusätzlich zu seinem 20 Millimeter M61A1-Vulcan-Geschütz konnte der Starfighter noch 1841 kg Nutzlast an Bomben und Raketen an fünf Aufhängungen (bei den italienischen Versionen sogar sieben Aufhängungen) mit sich herumschleppen.
 
 

Der Baukasten:

 
 
Das Coverartwork schreckt auf den ersten Blick ab, denn es zeigt die Bübchen-Lackierung der Version zum Weißwurst-Jubiläum. Als eingefleischter Hesse kann ich so etwas ja nun mal gar nicht ab – auch wenn die Klassenfahrt nach München damals zu den besten zählte, die ich je mitgemacht habe!

Fotos zweier realer Flugzeuge.

Fotos zweier realer Flugzeuge.

Bei Revell ist es üblich, an der Seite des Baukastens einige Fotos entweder vom fertigen Modell oder vom realen Vorbild zu zeigen. In diesem Fall zeigt Revell je zwei Fotos von zwei realen Maschinen: die Weißwurst und Nummer 23+01 in Tarnlackierung. Interessanterweise hat ein wenig Recherche im Internet recht schnell zutage gefördert, was aus Nummer 23+01 geworden ist. Das kann man sich heute (Stand: 08. Juni 2011) HIER -> anschauen.

Für mich ist natürlich jetzt schon klar, dass nur die 23+01 für den Bau infrage kommt. Bübchenblaue Flugzeuge mit Weißwurstaufdruck haben in meinem Regal nichts verloren – und schon gar nicht neben dem schönen Tornado!

Der geöffnete Karton.

Der geöffnete Karton.

Nun muss ich noch anmerken, dass ich den Baukasten gebraucht von einem Forumskollegen gekauft habe. Der Inhalt ist blitzsauber und nicht angetastet. Nur die Plastiktüten fehlen – und ich unterstelle mal, dass Revell die Teile ursprünglich in Tüten abgepackt hatte. Doch wer will schon Plastiktüten bauen?
 
 

Der Inhalt der Schachtel:

(Als Größenvergleich dient auch hier ein Damenstöpsel von gängiger Größe.)

 
 

Die Bauanleitung im DIN-A-4-Format.

Die Bauanleitung im DIN-A-4-Format.

Zuerst flattert die Bauanleitung heraus. Diese bietet keine großen Überraschungen. Wer Revell kennt, der wird sich sofort in dieser Anleitung heimisch fühlen. Nach einigen kurzen Informationen zum realen Vorbild, den üblichen Sicherheitshinweisen („Hamster nicht mit Klebstoff bestreichen“ und solches Zeug), einer Übersicht über die verwendeten Symbole und einer Auflistung der 13 benötigten Farben (von denen eine aus drei Farbtönen angemischt werden muss) folgt die Beschreibung des Zusammenbaus und der Lackierung in insgesamt 17 Bildern. Lustig: Bild 17 wird dabei vor Bild 16 gezeigt.

Die Decals.

Die Decals.

Der Decalbogen steckt in der Bauanleitung. Zwar als „Super Decal“ angekündigt, kommt er recht übersichtlich daher. Allerdings ist er weit weniger karg ausgefallen, als es beispielsweise bei der 1/48 Airfix BAC TSR.2 der Fall ist. Es sind auch etliche Wartungs- und Warnhinweise vorhanden, mit denen sich einige optische Highlights am Rumpf setzen lassen.

Der erste Gießast.

Der erste Gießast.

Beim ersten Gießast dominiert eindeutig die Backbord-Rumpfhälfte. Und das ist ein gewaltiges Ding! Ich musste mein Kamerastativ wieder einmal nach oben kurbeln, um alles auf das Bild zu bekommen. Neben der Rumpfhälfte ist noch ein Sammelsurium von Teilen vorhanden, in dem ich kein System erkennen kann. Fahrwerksteile, Rumpfteile, Rails für Sidewinder-Raketen oder andere Außenlasten und ein Teil, das mir nach einem Tankschnuppel aussieht – und noch jede Menge anderes Zeug.

Der zweite Gießast.

Der zweite Gießast.

Gießast Nr. 2 protzt nicht mit gewaltigen Ausmaßen. Dafür findet sich hier aber jede Menge Sprengstoff, denn hier sind sämtliche Nutzlasten angegossen. Das Lustige dabei: Weder Bomben noch Raketen werden in der Bauanleitung erwähnt. Ich nehme an, wir haben es hier mit den „Überresten“ aus einer älteren Bausatzversion zu tun, die nicht als Weißwurst-Showflieger ausgelegt war.

Der letzte Gießast.

Der letzte Gießast.

Für den dritten Gießast musste ich das Stativ wieder nach oben leiern. Hier haben wir die Steuerbord-Rumpfhälfte. Außerdem gibt es die Tragflächen (bei anderen Modellen hätte ich bei diesen Dimensionen eher auf das Leitwerk getippt) und das Höhenleitwerk. Außerdem erneut eine Hand voll kleinerer Teile für verschiedene Sektionen des Modells.

Die Klarsichtteile

Die Klarsichtteile.

Zuletzt: Die Klarsichtteile, in ein separates Tütchen verpackt. Viele sind es nicht. Müssen es auch nicht sein, denn schließlich bietet der Starfighter ja keine Panoramafenster.

Ein Teil habe ich blöderweise vergessen zu fotografieren: Es gibt noch einen kleinen Gießast mit drei Moosgummireifen. Diese kann man optional einsetzen, denn es sind an den drei Hauptgießästen auch Bauteile für die Reifen angegossen.
 
 

Die Details:

 
 

Der Pilotensitz.

Der Pilotensitz.

Ja, der Kollege hat einiges an Details zu bieten. Dieser Pilotensitz gehört jedoch nicht gerade zu den Glanzstücken, muss ich zugeben. Man kann zwar erkennen, was es sein soll, doch mehr auch nicht. Hier wird noch ein sorgfältiger Abgleich mit dem Original notwendig sein.

Die Minigun.

Die Bordkanone des Flugzeugs.

Die M61A1 liegt ebenfalls dem Bausatz bei. Der Waffenschacht kann wahlweise geöffnet oder geschlossen dargestellt werden. Allerdings ist in diesem Fall der Scratch-Bau der Kanone schon fast eine Pflichtveranstaltung. Auf der Wikipedia-Seite zum Starfighter gibt es hierzu ein schönes Foto.

Felgen.

Felgen des Fahrwerks.

Die Felgen hingegen sind recht nett ausgefallen und sehen sogar einigermaßen original aus.

Gravuren an einem Rumpfteil.

Blechstöße und Nieten.

Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Rumpf und Tragflächen weisen viele Gravuren auf, die man mit Farbe volllaufen lassen kann. Auch die Nieten sind deutlich herausgearbeitet.

Der Hauptfahrwerksschacht.

Der Hauptfahrwerksschacht.

Im Fahrwerksschacht des Hauptfahrwerks sind eine Menge angegossener Kabel und Leitungen zu sehen. Je nachdem, welche Waffenkonfiguration am Ende gewählt wird, verschwinden die ganzen Details später weitestgehend. Es ist aber dennoch eine Überlegung wert, hier selbst Hand anzulegen und einige Strippen zu verteilen.

Das Armaturenbrett.

Das Armaturenbrett.

Beim Armaturenbrett sitzen die Instrumente beinahe am richtigen Platz. Ich möchte allerdings nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass die Armaturen auf den ersten Blick als die des Starfighter erkennbar wären, wenn man es nicht wüsste.

Der Bugfahrwerksschacht.

Der Bugfahrwerksschacht.

Der Fahrwerksschacht des Bugrades ist so tief, dass man schon beinahe mit einem Echo rechnet, wenn man etwas hinein ruft!

Ein Hauptfahrwerksbein.

Ein Hauptfahrwerksbein.

Das Hauptfahrwerk kommt zwar mit einigen Details daher, doch das ist in jedem Fall ausbaufähig.

Der Arsch.

Der Triebwerksauslass.

Im Triebwerk gibt es immerhin einen abgesetzten Nachbrennerring – aber sonst leider nix. Überhaupt nix!

Die Cockpitwanne.

Die Cockpitwanne.

Last but not least: Die Cockpitwanne. Ob da wirklich die Details soweit stimmig sind…?
 
 

Ein kleines Fazit:

 
 
Ganz ehrlich: 50 Euro sind für diesen Bausatz schon ziemlich happig! Allein die Tatsache, dass es sich inzwischen um eine Rarität handelt, rechtfertigt diesen Preis. Sonst aber auch nix. Na ja, okay … die Länge des fertigen Modells ist auch ein Knaller. Aber sonst wirklich nix!

Ein klein wenig erinnert mich der Bausatz an die 1/32 Revell General Dynamics F-16A, die ich einmal gebaut habe. Ebenfalls ein großer Vogel, bei dem die Details allerdings entweder zu kurz gekommen, ganz weggelassen oder falsch platziert worden waren.

Alleine der Anblick des Cockpits gibt schon Anlass zum Zweifeln. Das Armaturenbrett geht ja noch einigermaßen, auch wenn hier schon einige Instrumente fehlen oder an falscher Stelle ausgeformt sind. Beim gesamten Rest scheint es sich aber um ein reines Phantasieprodukt zu handeln. Dummerweise gibt der Zubehörmarkt auf den ersten Blick auch nichts Adäquates her. Sollten also alle Stricke reißen, dann werde ich zu Eigenbauten greifen müssen. Einzige Alternative: Für einen Hasegawa-Bausatz wird ein Ätzteilesatz angeboten. Ich muss prüfen, inwieweit ich diesen verwenden kann. So ganz gebe ich die Hoffnung noch nicht auf.

So groß der „Na ja“-Effekt auch ist – mit etwas Arbeit sollte es schon möglich sein, aus diesem Bausatz ein gutes Modell zu machen – auch ohne Nietenzählerei. Stichwort Nieten: Die Gravuren sind übrigens wirklich klasse ausgeführt. Mit einem kräftigen Washing sollte es locker möglich sein, die Konturen auch bei einem Tarnschema gut zu betonen.

Wir werden sehen, was daraus wird!

That’s all, folks!

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