1/48 Revell Consolidated PBY/OA-10A Catalina

1/48 Revell PBY/OA-10A Catalina - das Cover-Artwork.


 
 

1/48 Revell Consolidated PBY/OA-10A
 
Catalina

 
 

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 1996
Hersteller-Bestellnummer: 85-5617
Länge: 413 Millimeter
Spannweite: 666 Millimeter
Bauteile: 124 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 36,99 Euro (Internetshop, Stand November 2011)

 
 

Ein wenig Historisches:

 
 
Am 28. März 1938 erhob sich ein Fluggerät erstmals in die Luft, das von seinem Erbauer – Consolidated Aircraft – auf den wenig klangvollen Namen „Model 28“ getauft worden war. Consolidated bediente mit diesem Prototypen eine Bestellung der U. S. Navy, die einen neuen Seeaufklärer benötigte. Noch im gleichen Jahr startete dann die Serienproduktion des inzwischen auf den Namen „PBY“ („PB“ für „Patrol Bomber“, „Y“ war das Kürzel für den Hersteller Consolidated/Convair) und den Beinahmen „Catalina“ getauften Flugzeugtyps.

Im 2. Weltkrieg wurde der PBY hauptsächlich als Fernaufklärer eingesetzt. Bestückt mit Bomben und Torpedos konnte die Maschine allerdings auch U-Boote jagen. Später kamen „Catalinas“ sogar noch bei der Berliner Luftbrücke zum Einsatz. Eine Maschine wurde gar vom bekannten Meeresforscher Jacques Cousteau genutzt (und war sogar als Revell-Bausatz erhältlich).

Damit die „Catalina“ in der Luft blieb und dort ihre Aufgaben erfüllte, waren bis zu 9 Besatzungsmitglieder notwendig. Zwei Pratt & Whitney R-1830-92-Sternmotoren mit je 882 kW (1200 PS) brachten die Maschine auf eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 315 km/h. Die Dienstgipfelhöhe lag bei 4816 Metern (was meinen üblichen Mount-Everest-Gag an dieser Stelle überflüssig macht).

Von mehr als 4000 gebauten Exemplaren sind noch heute etliche im Einsatz – wenn auch nicht mehr als Seeaufklärer oder U-Boot-Jäger ;-). Auf www.catalina.org.uk ist eine „Liste der Überlebenden“ (Stand Juli 2010) zu finden.
 
 

Der Baukasten:

 
 
Der Bausatz kommt in einem stabilen Karton mit den Abmessungen 50,5 cm x 35,5 cm x 8 cm daher – also schon ein ziemlicher Brummer. Der erste Eindruck vermittelt Solidität.

 

Neben dem hübschen Cover-Artwork bietet der Karton auf den Seiten noch allerlei Ansichten eines Prototyp-Modells. Außerdem gibt es Hinweise zu den Features des Modells in englischer, französischer und spanischer Sprache – deutsche Hinweise fehlen, denn der Bausatz war zwar auch in Deutschland erhältlich, allerdings in einer anderen, landesspezifischen Verpackung und mit anderen Decals und Bemalungshinweisen. Neben den Fotos des Prototypen und den Hinweisen gibt es noch eine erste Auflistung der Farben, die benötigt werden.

Beim ersten Öffnen bestätigt sich dann der Eindruck von Solidität, denn der Karton ist in sich noch einmal verstärkt. Die beiden Laschen an der oberen und unteren Kante müssen aufgeklappt werden, damit man an die Teile herankommt. Immerhin sorgt diese Methode dafür, dass nichts lose im Kasten umher klickert. Die fünf Gießäste, aus denen der Bausatz besteht, sind einzeln in Tüten verpackt und sicher verstaut.
 
 

Papyrus:

 
 

Die Bauanleitung kommt im Format DIN-A-4 daher. Das Deckblatt zeigt noch einmal die Cover-Illustration des Flugzeuges. Außerdem gibt es einen kurzen geschichtlichen Abriss in englischer Sprache sowie Hinweise in englischer und französischer Sprache. Darüber hinaus ist hier noch einmal die Farbliste aufgeführt – ebenfalls in Englisch und Französisch, allerdings ohne die Revell-Farbnummerierungen. Hier die Liste:

  • Chromate Green Primer
  • Olive Drab
  • Semi Gloss Black
  • Flat Black
  • Gloss Red
  • White
  • Yellow
  • Silver
  • Steel
  • Khaki
  • Brown
  • Green

Danach folgt auf 12 Seiten, aufgeteilt in 19 Bilder, die Anleitung des Zusammenbaus. Hübsch dabei: Die Teile sind nicht nur nummeriert, sondern auch einzeln bezeichnet – ein Feature, das sich auch in den deutschsprachigen Bauanleitungen gut machen würde.

Zuletzt folgt noch die Bemalungsanleitung. Diese erstreckt sich über insgesamt drei Seiten und beschreibt die Bemalung und die Platzierung der Decals für die folgenden beiden Varianten des Modells:

  • US Air Force Vickers OA-10A-V1, 43-3924, San Francisco, CA, Juni 1948
  • Vickers OA-10A-V1 Catalina, 44-33939, 4th Rescue Squadron, Hamilton AFB, Kalifornien

Die Bemalungen sind dabei gleich, nur die Decals unterscheiden sich. Hier eine Ablichtung des Decalbogens – allerdings noch mit Schutzpapier darauf:

Die Decals - noch mit Abdeckung.

Auf den ersten sorgte die schiere Größe verschiedener Decals für ein erstauntes „Hui!“. Doch so imposant die Ausmaße der Decals auch sind – dies kann nicht über das Fehlen verschiedener Wartungshinweise hinweg täuschen.
 
 

Die Bauteile:

 
 
Werfen wir nun einen Blick auf die fünf Gießäste, an denen sämtliche Bauteile hängen. Mit diesem hier fangen wir an:

Die Klarsichtteile.

Kaum etwas zu sehen. Der Grund dafür ist ein einfacher: Es handelt sich um die Klarsichtteile (die Ultra-Humoristen unter den Modellbauern dürften bei dieser Bemerkung nun unter Schmerzen aufschreien; sollen sie!). Markant sind die beiden Beobachtungs-/Geschützkuppeln, mit denen die Catalina ausgestattet ist. Sämtliche Teile sind sauber gegossen. Die Verbindungen mit den Gießästen sind nicht zu dick ausgefallen und es gibt keine Fischhäute. Alle Stege sind dezent herausgearbeitet und erhaben dargestellt. Zum Abkleben und Sprühen sollte dies kein Problem sein. Für die Arbeit mit dem Pinsel wäre eine etwas stärkere Betonung der Stege sicherlich nicht schlecht.

Kommen wir zum ersten Gießast mit soliden Teilen:

Der erste Gießast.

Hier haben wir es gleich mit einem Gegensatz zu tun: Auf einer Seite die mächtigen Teile einer Tragflächenhälfte, auf der anderen Seite feine Streben und Details an der Steuereinrichtung, die später im Cockpit verbaut wird. Das Trennen der Teile vom Gießast sollte kein größeres Problem darstellen. Die Gefahr, Teile zu beschätigen, besteht kaum. Alle Auswerfermarken liegen auf den Innen- oder Rückseiten der Teile und sind nicht der Rede wert. Allerdings fällt ein blöder Scherz auf, den sich Revell erlaubt hat: Es genügte offenbar nicht, den Copyright-Hinweis auf die Innenseite der Tragflächenunterseite zu prägen, nein, er musste auch auf der Trimmklappe des Höhenruders verewigt werden. Gut, es handelt sich um den „Bottom Stabilizer“, doch das hätte wirklich nicht sein müssen. Ein gezielter Streich mit Schmirgelpapier wird die Sache aber rasch beheben.

Schauen wir also vorwärts – und auf den soliden Gießast Nr. 2:

Der zweite Gießast.

Auf diesen treffen die gleichen Eigenschaften zu, die ich bereits beim ersten soliden Gießast herausgestellt habe. Auf den ersten Blick fallen natürlich die beiden gewaltigen Rumpfhälften ins Auge. Hier hat Revell daran gedacht, auch auf den später noch durch die Verglasung sichtbaren Innenseiten Strukturen anzugießen. Bemerkenswert sind auch die Teile des Fahrwerks, bei denen Hydraulikleitungen leicht angedeutet sind. Schade: Einige Verstrebungen der Fahrwerksbeine wirken nicht nur etwas grobschlächtig, sondern weisen auch Sinkstellen auf. Umso besser sind die abgeflachten Räder, die einen realistischeren Eindruck vermitteln, wenn das Fahrwerk ausgefahren dargestellt wird.

Weiter geht es mit dem dritten soliden Gießast:

Der dritte Gießast.

Hier dominiert nun der obere Mittelteil der Tragflächen. Echte Besonderheiten, die erwähnenswert sind, gibt es kaum. Die Antennen wirken allerdings etwas massig für den Maßstab 1/48 und die Rumpfspanten machen – aller angegossener Details zum Trotz – einen etwas spartanischen Eindruck. Ansonsten ist an den Teilen aber nichts auszusetzen.

Last but not least:

Der vierte Gießast - das Spiegelbild des ersten Gießastes.

Hoppla, den kennen wir doch schon! Kein Wunder, es handelt sich um das „Spiegelbild“ des ersten Gießastes, diesmal mit der Unterseite der Steuerbordtragfläche. Und auch hier gibt es – kaum zu glauben! – den völlig überflüssigen Copyrighthinweis an der Trimmklappe.
 
 

Die Details:

 
 
Auch wenn viele große Teile diesen Bausatz dominieren, so kommen die Details nicht zu kurz. Hier einige Eindrücke:

Details an der Tragflächenunterseite.

Sämtliche Blechstöße und Nieten sind versenkt dargestellt und lassen sich mithilfe eines Washings hervorheben. Und dabei hat Revell nicht mit solchen Details gegeizt. Im Gegenteil: Der gesamte Rumpf und die Tragflächen sind überzogen mit diesen Feinheiten.

Details der Räder und der Sitze.

Die abgeflachten Räder hatte ich bereits erwähnt. Hier sind sie noch einmal im Detail zu sehen. Auch die Sitze weisen viele Details und Strukturen auf. Gurte hat Revell leider ausgespart; entweder bringt man hier einen Detailsatz zum Einsatz oder Improvisation ist gefragt.

Zwei Bordwaffen im Detail.

Es entsteht rasch der Eindruck, Revell habe bei diesem Bausatz gesteigerten Wert auf die Darstellung der Bordwaffen gelegt. Obwohl sie jeweils nur aus einem Teil bestehen, so sind die MGs wirklich sehr naturgetreu ausgefallen – bis hin zu den Kühlungslöchern an den Rohren.

Das Armaturenbrett aus der Nähe.

Das Armaturenbrett wirkt ein wenig zu „aufgeräumt“, doch es bildet das Original dennoch sehr gut nach. Die Positionen der einzelnen Rundinstrumente sind sehr gut getroffen. Die Detaillierung reicht bis zur Darstellung einzelner Zeiger in den Instrumenten. Schalter und Knöpfe sind sparsam verteilt, was allerdings auch dem realen Vorbild entspricht.

Ein Rumpfspant mit erhabenen Strukturen.

Die Rumpfspanten sind durchweg schon sehr nett detailliert und lassen eine Menge Trockenmalerei zu. Allerdings ist die Detaillierung leider nur rudimentär. Viele Bedienelemente und nahezu alle Verkabelungen, die man hätte angießen können, fehlen leider. Natürlich stellt sich hier die Frage, inwieweit man bei Teilen, die später nahezu vollständig aus dem Blickfeld verschwinden, Wert auf solche Details legt.

Ausgeprägte Strukturen am Höhenruder.

Zuletzt noch eine Großaufnahme des Höhenleitwerks. Hier sind noch einmal die Nieten und Blechstöße gut zu sehen, die Revell versenkt darstellt. Bemerkenswert ist auch die stark ausgeprägte Form der Ruderaufnahme, die auch ohne Betonung durch Ölfarbe beim fertigen Modell deutlich hervortreten dürfte.
 
 

Pro, Contra, Re:

 
 

PRO CONTRA
Ein wirklich gewaltiger Bausatz! Ein Muss für alle Modellbauer, die auf große Flugzeuge stehen. Die schiere Größe des Modells macht die Unterbringung zu einem Abenteuer. Die erste von mir zusammengebaute Catalina endete ganz oben auf dem Kleiderschrank, weil ich sie sonst nirgends unterbringen konnte. Doch das ist wohl die Krux bei allen großen Modellen.
Für den Maßstab 1/48 eine anständige Detaillierung mit vielen versenkten Strukturen. So viele Details auch vorhanden sind, so viele fehlen auch. Ein Baubericht auf ipmsdeutschland.de zeigt eindrucksvoll, was man alles ergänzen kann, wenn man möchte.
Die Qualität der Teile ist sehr gut. Keine Verformungen, keine Auswerfermarken und extrem wenige Sinkstellen und Unsauberkeiten. Die blöden Copyrighthinweise auf den Trimmklappen der Höhenruder müssen einfach noch einmal erwähnt werden!
Revell bietet eine interessante und farbenfrohe Lackierungsvariante mit großen, außergewöhnlichen Decals. Die Decals bieten nur wenige Wartungshinweise und beschränken sich auf die großen, deutlichen Beschriftungen.

Tja, da halten sich Pro und Contra die Waage. Re habe ich – obwohl in der Überschrift angekündigt – gleich komplett außen vor gelassen. Doch bei allem Contra, das ich hier aufgeführt habe: Ich bin der Meinung, Revell hat hier einen bemerkenswerten Bausatz eines wunderschönen Flugzeuges manufaktiert. Wer sich für Flugboote im Allgemeinen begeistern kann, der wird die Catalina sicherlich mögen und sollte nicht zögern, sich diesen Bausatz zuzulegen, sofern er ihn auftreiben kann. Revell USA hat den Bausatz nach wie vor im Programm, doch hierzulande ist er nur noch schwer erhältlich. In Internetshops ist er weitgehend ausverkauft, bei ebay gibt es nur noch sporadisch Einzelstücke.

Die doch sehr großzügig dimensionierten Teile sowie die stark herausgearbeiteten Details beim Interieur machen diesen Bausatz übrigens auch zu einem guten Übungsfeld für Modellbauanfänger. Techniken wie Trockenmalerei oder Ölfarbenwashing können hier sehr gut erprobt werden. Inwieweit es allerdings ratsam ist, ein so schönes und kaum noch erhältliches Modell als Versuchskaninchen zu verheizen, lasse ich an dieser Stelle einmal offen.

In jedem Fall freue ich mich, diesen Bausatz nach gut 15 Jahren wieder erwischt zu haben!

That’s all, folks!

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