1/48 Revell Dornier Do 335 „Pfeil“

Abb. 1: Das Karton-Artwork – eine Flugzeug-Illustration von Egbert Friedl.

1/48 Revell
Dornier Do 335
„PFEIL“


 
 
Tab. 1: Angaben zum Bausatz:

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 1974
Hersteller-Bestellnummer: 04686
Länge: 291
Spannweite: 290
Bauteile: 81 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 19,99 € (Fachhandel, Stand April 2012)

 
 

Etwas Geschichtliches:

 
 
Um die Dornier Do 335 „Pfeil“ zu beschreiben, sollte man zunächst zu einem bekannten Filmzitat greifen: „Er sieht ungewöhnlich aus, er hat ungewöhnliche Flugeigenschaften, denn er ist ungewöhnlich!“ (O’Bannon und Jakoby, „Blue Thunder“, 1983).

Am 26. Oktober 1943 fand der Erstflug der Do 335 statt. Dieses Flugzeug stellte die Krönung einer Reihe von Prototypen dar, bei denen das Unternehmen Dornier mit einem Druckpropeller am Flugzeugheck experimentierte. Schon bald zeigte sich, dass Dornier mit diesem Fluggerät ein Meilenstein gelungen war, denn die Do 335 erwies sich schon bald als das schnellste jemals in Serie gebaute Flugzeug mit Kolbentriebwerken. Darüber hinaus verfügte sie tatsächlich – wie oben bereits angedeutet – über außergewöhnliche Flugeigenschaften, weil die Anordnung der Motoren in einer Linie die Rolleigenschaften des Flugzeugs begünstigte. Als ein besonderes Extra verfügte die Do 335 sogar über einen serienmäßigen Schleudersitz.

Im Gegenzug hatte die Do 335 allerdings auch mit einigen Schwächen zu kämpfen. Fahrwerk, Hydraulik, Motorenkühlung und – ausgerechnet – der Schleudersitz machten der Maschine zu schaffen. Hinzu kam, dass die Forschung gegen Ende des Krieges natürlich kaum noch voran kam. Baustoffe für die Flugzeuge waren knapp, dauernd plumpsten Bomben vom Himmel und zu allem Übel begannen auch noch die strahlgetriebenen Flugzeuge, den Himmel zu erobern – und gegen ein Düsenflugzeug hatte nicht einmal die Do 335 eine Chance. Die Massenproduktion musste daher ausfallen und das Flugzeug kam nur selten als Jäger, Jagdbomber, Aufklärer oder Schulflugzeug zum Einsatz.

Heute ist nur noch eine Do 335 erhalten. Wer sie besichtigen möchte, der muss sich zum Dulles International Airpost in Washington begeben. Dort ist die Maschine zur Besichtigung ausgestellt.

Tab. 2: Technische Daten (Revell 2010)

Spannweite: 13,80 m
Länge: 13,85 m
Höhe: 5,00 m
Motoren: 2 x DB 603A-2
Leistung: 2 x 1750 PS
Geschwindigkeit (max.) 763 km/h
Dienstgipfelhöhe: 11.300 m
Bewaffnung: 4 x MK 103 und 2 x MG 151/ 20 Bomben bis 1.000 kg im Rumpf

 
 

Der Baukasten:

 
 
Der Baukasten kommt reichlich unauffällig daher. Es handelt sich um ein an der kurzen Seite zu öffnendes Exemplar im Revell-typischen Blau. Mit den Abmessungen 385 mm x 245 mm x 67 mm (L x B x H) kann sich der Karton bestens zwischen den etwas größeren 1/72- und den etwas kleineren 1/32-Bausätzen tarnen. Das Cover Artwork zeigt eine Flugzeug-Illustration aus der Feder von Egbert Friedl (Abb. 1). An der Seite des Kastens sind vier Fotos eines aus dem Kasten gebauten Prototyp-Modells zu sehen (Abb. 2).

Abb. 2: Vier Fotos eines Prototyp-Modells an der Seite des Baukastens.

Darüber hinaus gibt es noch die üblichen mehrsprachigen Hinweise zum Zusammenbau, einige Informationen zum Bausatz sowie einen Überblick über die wichtigsten Farben.
 
 

Papyrus:

 
 
Neben dem üblichen Merkblatt mit Sicherheitshinweisen dominiert die Bauanleitung (Abb. 3) den Papierkrieg.

Abb. 3: Die Bauanleitung.

Diese kommt als loses Heft im A4-Format daher. Wie in Abb. 3 zu sehen, zeigt das Deckblatt ein Schwarzweißfoto des Prototyp-Modells. Außerdem gibt es noch Informationen zum Flugzeug in deutscher und englischer Sprache. Danach folgt eine Seite mit mehrsprachigen Sicherheitshinweisen sowie eine Seite mit Erklärungen der unterschiedlichen Symbole. Erst dann wird es richtig interessant, denn es folgt die Auflistung der Farben im Revell-Farbnummernsystem – und die ist richtig umfangreich:

  • Eisen, metallic 91
  • Anthrazig, matt 9
  • Staubgrau, matt 77
  • Silber, metallic 90
  • Hellblau, matt 49
  • Nato-Oliv, matt 46
  • 66% Dunkelgrün, matt 39 + 34% Gelb, matt 15
  • 75% Eisen, metallic 91 + Athrazit, matt 9
  • Aluminium, metallic 99
  • Schwarzgrün, matt 40
  • Schwarz, seidenmatt 302
  • Helloliv, matt 45
  • Lederbraun, matt 84
  • Rost, matt 83
  • 50% Weiß, matt 5 + 50% Hellgrau, matt 76
  • Feuerrot, seidenmatt 330
  • Laubgrün, seidenmatt 364
  • Hautfarbe, matt 35
  • Blaugrau, matt 79
  • Gelb, matt 15
  • Weiß, matt 5

(Revell 2010)

Nach der Auflistung der Farben folgt auf Seite 5 der Anleitung zunächst noch ein schematischer Überblick über alle Bauteile. Dann beginnt die Beschreibung des Zusammenbaus – wie bei Revell typisch in einzelnen Bildern, auf denen die Bauschritte nach und nach beschrieben sind. Insgesamt verteilt sich der Zusammenbau auf 39 Bilder über 5 Seiten. Auf den Seiten 10 und 11 ist dann die Bemalung sowie die Anbringung der Abziehbilder (Abb. 4) beschrieben.

Hierzu muss noch erwähnt werden, dass es zwei Möglichkeiten gibt, das Modell zu bauen:

  • Dornier Do 335A-1 Werk-Nummer 240162, Dornier-Werk Oberpfaffenhofen, Bayern, Mai 1045
  • Dornier Do 335A-12 Werk-Nummer 240114, Dornier-Werk Oberpfaffenhofen, Bayer, Mai 1945

Der Hauptunterschied zwischen beiden Versionen liegt darin, dass es sich bei der erstgenannten Maschine um das Flugzeugmuster handelt, welches für den Kampfeinsatz vorgesehen war. Bei der letztgenannten Version hingegen handelt es sich um die zweisitzige „Ameisenbär“-Variante, die als Schulflugzeug eingesetzt wurde. Revell hält für beide Versionen die entsprechenden Teile vor. Der Zusammenbau wird in der Bauanleitung für beide Versionen parallel beschrieben.

Abb. 4: Die Abziehbilder.

Für beide Versionen liegen auch die entsprechenden Abziehbilder bei. Dabei handelt es sich um sehr kompakte Abziehbilder. Es gibt keine großflächigen Beklebungen. Stattdessen liegt das Hauptgewicht auf Hoheitsabzeichen und Wartungs- sowie Benutzungshinweisen.
 
 

Die Bauteile:

 
 
Die Bauteile sind auf insgesamt sechs Gießäste verteilt. Fünf davon sind in grauem Plastik gefertigt, ein Gießast hält die Klarsichtteile.

Hier nun ein Überblick über die einzelnen Gießäste:

Abb. 5: Inneneinrichtung, Rumpfteile, Wartungsmannschaft, Fahrwerk und Steuerflächen.


 

Abb. 6: Die Unterseite der Tragflächen in einem durchgehenden Teil.


 

Abb. 7: Tragfläche, Leitwerk, eine Rumpfhälfte, Propeller, Fahrwerksteile, Motorteile.


 

Abb. 8: Ein Spiegelbild von Abb. 7.


 

Abb. 9: Pilotenfigur, Einstiegsleiter und ein Teil des Cockpits.


 

Abb. 10: Die Klarsichtteile – zwei Cockpithauben, eine davon für die „Ameisenbär“-Variante.


 
 

Die Details:

 
 
Um die Details abzuprüfen, werfen wir einen näheren Blick auf die einzelnen Teile. Dabei habe ich mit dem Cockpit angefangen.

Abb. 11: Eine Cockpitwanne mit dem Unterteil des Sitzes sowie Instrumenten in den Seitenpanelen.

Soweit anhand von Fotofunden aus dem Internet nachvollziehbar, entspricht die Anordnung der Instrumente nur rudimentär dem Vorbild. Ebenso verhält es sich mit dem Sitz selbst als auch mit den Ruderpedalen. Alle Strukturen sind deutlich erhaben herausgearbeitet und der Sitz ist mit angegossenen Gurten versehen, die bis hin zu den Gurtschlössern ausgeformt wurden.

Abb. 12: Das Armaturenbrett.

Beim im Abb. 12 gezeigten Armaturenbrett handelt es sich um die Instrumente auf dem hinteren Platz der „Ameisenbär“-Variante. Wie eine genauere Inaugenscheinnahme des Armaturenbretts im vorderen Cockpit zeigte, stimmt die Anordnung der Instrumente sehr genau mit dem Original überein. Zur entsprechenden Bemalung finden sich unter dem Suchargument „Do 335 Cockpit“ gleich mehrere, teils farbige Fotos im Netz.

Abb. 13: Ein Mechanikus bei der Arbeit.

Die beiliegenden Figuren weisen tiefe Strukturen und viele Details auf. So ist in der Hand des Mechanikers in Abb. 13 beispielsweise deutlich der Schraubenschlüssel erkennbar. Jede Figur verfügt über eine individuelle Körperhaltung.

Abb. 14: Der rückwärtige Cockpitspant mit der Rückenlehne des Schleudersitzes.

Wie in Abb. 14 zu sehen, sind auch die Rückenlehnen der Schleudersitze mit angegossenen Gurten versehen. Die Formgebung des Schleudersitzes an sich stimmt hingegen nicht hundertprozentig mit dem Original überein.

Abb. 15: Der zweite Cockpitspant.

Die Abbildungen 14 und 15 zeigen außerdem die angegossenen Nietenstrukturen auf beiden Spanten.

Abb. 16: Ein Schmankerl auf der Innenseite des Fahrwerksschachtes.

Auf der Innenseite eines Fahrwerksschachtes hat Revell seinen Copyright-Hinweis „versteckt“ und somit alle weiteren Strukturen im Fahrwerksschacht kurzerhand eliminiert. Wie die wenigen im Internet auffindbaren Bilder zeigen, scheint dort aber ohnehin nicht viel Struktur untergebracht zu sein.

Abb. 17: Rumpfstruktur, Blechstöße und Auspuffrohre.

Entgegen dem momentan vorherrschenden Trend, Modelle mit versenkten Blechstößen zu versehen, war dieser Bausatz aus dem Jahr 1974 noch mit erhabenen Blechstößen ausgestattet. Die Flammrohre der Auspuffanlage sind ebenfalls angegossen und können beispielsweise mithilfe eines feinen Bohrers geöffnet werden.

Abb. 18: Details des vorderen Motors.


 

Abb. 19: Details des hinteren Motors.

Die Motorverkleidungen können offen dargestellt werden, um einen Blick auf die beiden Motoren zu gewähren. Revell hat sich bei diesem Modell entschieden, die Motoren nicht einzeln auszuarbeiten. Stattdessen wurden beide Triebwerke direkt in die Rumpfhälften integriert. Alle Halterungen und Kabel wurden kurzerhand angegossen, wobei aber darauf geachtet wurde, so viele Details wie möglich zu erhalten.
 
 

Gut und nix gut:

 

GUT NIX GUT
Sehr gute und vorbildgetreue Detaillierung. Einige Details – insbesondere bei den Motoren – sind durch das Angießen etwas grob ausgefallen.
Zwei interessante Varianten, in denen das Modell gebaut werden kann. Die Verarbeitung der Teile ist nicht immer perfekt. Es gibt Fischhäute und stellenweise deutliche Gießgrate.
Gut einsetzbare Figuren, die zum Bau eines kleinen Dioramas einladen. Ein denkbar ungünstig platzierter Copyright-Hinweis macht einige Nacharbeit im Fahrwerksschacht notwendig.
Kein übermäßig komplizierter Zusammenbau. Keine sitzende Pilotenfigur vorhanden, um eventuell ein Flugzeug im Flug darzustellen.

Zugegeben: Auf den ersten Blick gab es verschiedene Punkte an diesem Bausatz, die mich stutzen ließen. So fand ich beispielsweise die gleich in den Rumpf integrierten Motoren reichlich außergewöhnlich. Auch die nicht ganz sauber gegossenen Teile begeisterten mich nicht übermäßig.

Von einer Enttäuschung kann jedoch keine Rede sein. Einerseits war von Anfang an klar, dass man es hier mit einem Bausatz aus dem Jahr 1974 zu tun bekommt, andererseits geht die sonstige Anmutung völlig in Ordnung. Das Plastik macht einen wertigen Eindruck und es gibt keine Auswerfermarken im unmittelbaren Sichtbereich. Die Details – insbesondere im Cockpit – sind gut ausgeführt und die unterschiedlichen Varianten, in denen das Modell dargestellt werden kann, laden in Verbindung mit dem Zubehör zum Experimentieren ein. Wer nun gerade bei den Details im Cockpit stutzt, weil ich schließlich weiter oben anführe, der Pilotensitz sei nicht hundertprozentig dem Original nachempfunden: Eine genauere Detaillierung wäre gerade bei den Sitzen vermutlich nur noch mit Fotoätzteilen möglich gewesen.

Darüber hinaus bietet dieser Bausatz sowohl die Möglichkeit, direkt aus dem Kasten ein ansprechendes Modell auf das Fahrwerk zu stellen als auch die Möglichkeit, ein Großprojekt mit einer Menge Hyperdetaillierung zu starten. Damit sind sowohl der Anfänger als auch der anspruchsvolle Modellbauprofi gut bedient. Der Kaufpreis von 19,99 Euro könnte allerdings noch ein wenig in die Knie gehen, denn zu diesem Preis sind zwischenzeitlich sehr viel hochwertigere Revell-Bausätze mit ähnlichen Abmessungen erhältlich.

That’s all, folks!

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