1/48 Revell UH-1 „Huey Hog“

1/48 Revell UH-1
 
„Huey Hog“

Huey Hog (1)

Hersteller: Revell/Monogram
Erscheinungsjahr: 1977 (Monogram, 2005 Wiederauflage von Revell)
Hersteller-Bestellnummer: 04476 (Revell 2005)
Länge: 252 Millimeter
Spannweite/Breite: 277 Millimeter
Anzahl der Bauteile: 76 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 9,99 Euro (Stand Dezember 2014)

 
 

Was hat es eigentlich mit dem „Teppichklopfer“ auf sich?

 
 
1954 beteiligte sich das Unternehmen Bell an einer Ausschreibung der U. S. Army. Es ging um einen Mehrzweck-Transporthubschrauber, der hauptsächlich im Sanitätsdienst eingesetzt werden sollte. Bell konnte die Ausschreibung gewinnen und lieferte 1956 die ersten Maschinen mit der Bezeichnung „HU-1“, woraus sich der Spitzname „Huey“ entwickelte. Ab 1959 wurde der Hubschrauber dann in Serie produziert. 1962 wurde die Bezeichnung des Hubschraubers waffengattungsübergreifend in „UH-1“ geändert.

Zu großer Bekanntheit gelangte die Bell UH-1 dann während des Vietnamkriegs. Neben ihrer ursprünglichen Aufgabe, nämlich dem Transport von Verwundeten, wurde die UH-1 mit allen möglichen Aufgaben betraut. Neben dem Transport von Soldaten und Gütern wurde sie auch als Kampfmaschine eingesetzt und zu diesem Zweck mit Maschinengewehren und Raketenwerfern bestückt. Wie so ein Hubschrauberangriff mit Bell UH-1 Helikoptern aussehen konnte, ist beispielsweise sehr beeindruckend in Francis Ford Coppolas Film „Apocalypse Now!“ zu sehen.

Bell UH-1 Hubschrauber sind auch heute noch im Einsatz. Das Militär hat die letzten Maschinen zwar 2011 außer Dienst gestellt, doch im zivilen Sektor sind die UH-1 noch immer gefragt. Grundsätzlich ist die UH-1 wohl der bekannteste Hubschrauber überhaupt, wozu auch seine markante Geräuschkulisse ihren Teil beitragen dürfte. Durch das charakteristische Schlagen der Rotorblätter, das bereits aus 10 km Entfernung wahrnehmbar ist, erhielt die Bell UH-1 unter anderem auch den Spitznamen „Teppichklopfer“. Und ich wage zu behaupten, so ziemlich jeder, der diesen Text hier liest, hat in seinem Leben schon einmal eine UH-1 gesehen und/oder gehört.
 
 

Das Schächtelchen

 
 
Die Bell UH-1 von Revell kommt in einem sehr handlichen Karton daher. Mit den Abmessungen 310 Millimeter x 180 Millimeter x 45 Millimeter (Länge x Breite x Höhe) passt das Schächtelchen beinahe durch einen Briefschlitz.

Es handelt sich um einen typischen Revell-Karton, der an den beiden kurzen Seiten geöffnet werden kann. Das Titelbild zeigt zwei Hubschrauber. An den Längsseiten gibt es die für Revell Deutschland üblichen Angaben.

Huey Hog (2)

So sind an einer Seite drei Fotos eines fertig gebauten und bemalten Modells zu sehen. Darüber hinaus gibt es noch eine grobe Übersicht über die wichtigsten Farben, verschiedene Sicherheits- und Bearbeitungshinweise sowie mehrsprachige kurze Texte über die Bell UH-1 sowie den Inhalt des Baukastens.

Huey Hog (3)

Öffnet man den Kasten zum ersten Mal, so kommt einem neben einigem Papierkram eine einzige Tüte mit Bauteilen entgegen. Zusammengepresst oder geknickt ist dabei nichts – der Karton bietet genügend Platz.
 
 

Lesestoff

 
 
Neben dem obligatorischen Faltblatt mit den Sicherheitshinweisen befinden sich im Karton noch eine Bauanleitung sowie ein Bogen mit Abziehbildern.

Huey Hog (4)

Bei der Bauanleitung gibt es keine Überraschungen. Wie bei Revell üblich, befindet sich auf Seite 1 ein Schwarzweißbild des fertigen Modells sowie einige Informationen zum Original. Auf Seite 2 folgen einige allgemeine Hinweise, Seite 3 erklärt alle im Bauplan verwendeten Symbole und gibt einige Sicherheitshinweise und auf Seite 4 folgt ein Überblick über die Farben im Revell-Farbnummernsystem. Hier die Liste:

  • 75% Olivgrün, seidenmatt 361 + 25% Schilfgrün, seidenmatt 362
  • Nato-Oliv, matt 46
  • Anthrazit, matt 9
  • Gelb, matt 15
  • 90% Mausgrau, matt 47 + 10% Hellgrau, matt 76
  • Aluminium, matt 99
  • Weiß, matt 5
  • Ferrari-Rot, glänzend 34
  • Silber, metallic 90
  • Messing, metallic 92
  • Feuerrot, seidenmatt 330
  • Helloliv, matt 45
  • 75% Eisen, metallic 91 + 25% Lederbraun, matt 84
  • Braun, seidenmatt 381
  • Hautfarbe, matt 35
  • 95% Farblos, glänzend 1 + 5% Seegrün, matt 48
  • Olivgrau, matt 66
  • Hellgrau, matt 76
  • Schwarz, seidenmatt 302

Auf Seite 5 folgt dann ein Überblick über die Teileanordnung an den unterschiedlichen Gießästen, dann geht es mit der Anleitung des Zusammenbaus los. Diese erstreckt sich über insgesamt 31 Bilder bis auf Seite 9. Auf den Seiten 10 und 11 sind dann die Bemalungen sowie die Anordnung der Decals für zwei Versionen des Hubschraubers angegeben:

  • Bell UH-1E Huey, HML-267, U. S. Marine Corps, 1965
  • Bell UH-1C Huey, „Vikings“ Armed (Gunship) Platoon, 121st. Assault Helicopter Company, 13th. Combat Aviation Battalion, U. S. Army, Soc Trang base, South Vietnam 1967

Die erstgenannte Version (die auch auf dem Cover-Artwort zu sehen ist) ist zwar hinsichtlich der Farbgebung die reizvollere, doch die zweite Version ist die von mir bevorzugte. Ist schließlich der gleiche Jahrgang wie ich …

Huey Hog (5)

Bleibt noch der Decalbogen. Auf diesem sind sowohl die Decals für die beiden Versionen als auch eine Reihe von Wartungshinweisen zu finden. Dazu gibt es noch Decals für die Instrumente, die alles in allem recht nah am Original sind. Versatz ist bei den Decals nicht zu erkennen. Der Druck ist sauber, die Linien sind klar.
 
 

Die Bauteile

 
 
Mit seinen 76 Einzelteilen bringt es dieser Bausatz immerhin auf Niveau 4 auf der fünfstelligen Niveauskala von Revell. Die Teile sind allesamt in olivgrün gefärbtem Plastik gegossen und auf 5 Gießäste verteilt. Einer davon trägt die Klarsichtteile. Das Plastik macht einen guten Eindruck – nicht zu hart und nicht zu weich. Allerdings gibt es auch gleich auf den ersten Blick einige Schmuddelpunkte. Aber dazu später. Schauen wir uns zunächst einmal die Teile selbst an:

Huey Hog (7)

Der wohl auffallendste Gießast ist der, an dem sich die Rumpfhälften befinden. Dazu gibt es noch den Bug sowie die beiden Bügel, die später am Heckausleger montiert werden.

Huey Hog (8)

Am zweiten Gießast befindet sich ein munteres Sammelsurium an Teilen. Die beiden Rotorblätter stechen dabei natürlich hervor. Es gibt allerdings auch noch eine ganze Reihe weitaus interessanterer Teile, wie z. B. die beiden Pilotenfiguren sowie das Armaturenbrett. Teile des Rotorkopfes und des Rotormastes sind vorhanden, dazu noch verschiedene Teile der Inneneinrichtung sowie die Schiebetüren.

Huey Hog (12)

Der dritte Gießast beschäftigt sich hauptsächlich mit den Waffen. Hier befinden sich die Maschinengewehre sowie die Teile der Raketenwerfer. Besonders interessant sind hier die Munitionsgurte, die wir uns später genauer anschauen.

Huey Hog (14)

Gießast Nr. 4 wird von der Turbine sowie von Rumpfteilen dominiert. Dazu gibt es noch den Heckrotor sowie das Landegestell.

Huey Hog (20)

Zu guter Letzt schließlich noch die Klarsichtteile, zu denen es zunächst nicht viel zu sagen gibt.
 
 

Aus der Nähe betrachtet …

 
 
Gleich auf den ersten Blick fallen bei diesem Bausatz die schön strukturierten Oberflächen auf. Alleine die Rumpfhälften sind schon einen näheren Blick wert:

Huey Hog (6)

Interessant ist hier der Mix aus versenkten und erhabenen Strukturen, die allesamt sehr klar ausgebildet sind.

Huey Hog (9)

Mit feinen, erhabenen Strukturen kann auch die Innenausstattung aufwarten. Bei allen Sitzen sind die Gurte angegossen und sollten problemlos zu bemalen sein, sofern man keine entsprechenden Fotoätzteile vom Zubehörmarkt zum Einsatz bringen möchte (wobei ich nicht weiß, ob für dieses Modell überhaupt passende Teile angeboten werden – ich habe schlichtweg nicht nachgeforscht).

Huey Hog (10)

Die Pilotenfiguren sind ebenfalls sehr gelungen. Um die Sturkturen der Figuren auf dem Foto gut zur Geltung zu bringen, musste ich ein wenig mit der Beleuchtung tricksen und hartes LED-Licht zum Einsatz bringen. Da ich den Weißabgleich nicht angepasst habe, ergab sich auf dem Foto nun ein Blaustich, doch es erfüllt seinen Zweck.

Huey Hog (11)

Hier noch einmal ein Blick auf eine Sitzbank mit den angegossenen Gurten. Ebenfalls interessant auf diesem Bild: Das Armaturenbrett. Ein Vergleich mit Fotos im Internet zeigte, dass die Anordnung der Instrumente im Großen und Ganzen in Ordnung geht. Dabei bleibt natürlich die Frage, ob dies auch tatsächlich für alle Versionen der UH-1 gilt. Die Anordnung der meisten Instrumente bleibt offenbar bei weitgehend allen Versionen gleich, doch es gibt durchaus Unterschiede bei diversen zusätzlichen Anzeigen und Bedienelementen. Dennoch eine sehr gute Ausführung der Teile.

Huey Hog (13)

Wie weiter oben bereits angekündigt, hier ein näherer Blick auf die Patronengurte. Hier ist jedes Projektil einzeln ausgeführt. Mit der entsprechenden Bemalung lassen sich hier wunderbare Details herausarbeiten.

Doch damit endet dann auch schon der Spaß, denn gerade im Detail gibt es einige Punkte, die nicht zu gefallen wissen.

Huey Hog (18)

Ich fange einmal mit den Auswerfermarken an. Diese sind an vielen Teilen zu finden, meist an Stellen, die nicht im unmittelbaren Sichtbereich liegen. Je nachdem, wie nach dem Zusammenbau das Cockpit strukturiert sein wird, könnten aber gerade die Marken an den Türen störend sein. Wie es aussieht, wenn man eine oder beide Türen geöffnet darstellen möchte (ein scharfes Messer sollte diesen Job erledigen), dann ist Spachteln angesagt.

Huey Hog (19)

Auch wenn dieses Bild gut belichtet ist, so ist der eigentliche Punkt, um den es geht, nicht oder nur kaum zu sehen: Einer der beiden Bügel ist bereits deformiert und wieder zurück gebogen. Und das ist ganz ohne Einwirkung von meiner Seite passiert. Im Gegenteil: Ich habe den Gießast genau so aus der Verpackung gezogen. Ich hoffe, es gelingt mir, das Teil in einem Stück vom Gießast zu lösen. Andernfalls muss ich aus Draht etwas improvisieren.

Huey Hog (17)

Ganz blöd: Die beiden Steuerknüppel für die kollektive Blattverstellung (das sind die Knüppel, die neben den Pilotensitzen montiert werden). Diese sind deutlich verzogen und müssen zunächst einmal gerade gerichtet werden. Auch dabei hoffe ich, dass sie an einem Stück bleiben, denn diese Teile sind nicht so leicht zu improvisieren wie die Bügel am Heckausleger.
 
 

Teppichklopfer oder Quirl?

 
 

TEPPICHKLOPFER QUIRL
Größtenteils sehr gut herausgearbeitete Details. Stellenweise verzogene, deformierte Teile. Dazu noch einige Fischhäute.
Auf den ersten Blick kein übermäßig komplizierter Zusammenbau, auch für Modellbauanfänger geeignet, die Gelegenheit hatten, erste Erfahrungen zu sammeln. Stellenweise ein etwas „exotischer“ Zusammenbau, insbesondere am Heckrotor.

Puh, das ist schwierig!

Auf den ersten Blick ein cooler Bausatz. Man wirft einen Blick auf die Bauanleitung und sieht ein Datum von 2005. Das scheint zu passen. Doch dann forscht man ein wenig weiter und stolpert im Internet über die Information, dass es sich tatsächlich um eine alte Monogram-Bausatzform von 1977 handelt. Erst dann fängt man an, ein wenig genauer hinzusehen. Und dann entdeckt man doch einige Punkte, die nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind. Dazu gehören die stellenweise nicht ganz sauber gegossenen Teile mit einigen Fischhäuten an den Seiten, verzogene und deformierte Teile sowie die etwas matschigen Details an den Maschinengewehren. Dazu dann noch die merkwürdige Art, den Heckrotor zu montieren: Dieser wird nicht etwa verklebt, sondern mithilfe eines heißen Schraubenziehers in Position gebracht. Das mutet etwas seltsam an und erfreut nicht uneingeschränkt. Wenn man dann noch etwas weiter forscht, dann stößt man recht schnell auf Berichte, die eine mangelhafte Passgenauigkeit, insbesondere bei den Rumpfhälften, beschreiben. Damit ist die anfängliche Euphorie dann zunächst einmal völlig eingestampft.

Aber genau das ist falsch! Man darf sich einfach nicht von dem „2005“-Aufdruck impfen lassen, sondern muss immer das eigentliche Produktionsjahr 1977 im Blick behalten. Und für eine so alte Bausatzform ist das hier wirklich verdammt gut! An einer solchen Detaillierung kann sich so mancher heute zeitgemäße Bausatz noch eine Scheibe abschneiden. Hier muss ich als Beispiel noch einmal die Munitionsgurte erwähnen, die dazu beitragen werden, aus diesem Bausatz ein wirklich spektakuläres Modell zu machen.

Ein echter Kenner wird möglicherweise bei näherer Betrachtung einige Unstimmigkeiten finden. Ich gehöre nicht zu diesen Kennern und habe den Eindruck, dass es sich um einen weitgehend vorbildgetreuen Bausatz handelt. Nicht ganz sicher bin ich mir nur bei der Turbine, doch ich hatte nun auch nicht die Muse, mir die entsprechenden Informationen in mühsamer Kleinarbeit aus dem Netz zu pflücken. Ich unterstelle Monogram hier einfach einmal, dass sie wussten, was sie da in die Form gossen.

Und zu allerletzt denken wir daran: Diesen Bausatz gibt es derzeit für sagenhafte 9,99 Euro. Bei einem solchen Preis und bei so gut herausgearbeiteten Details ist es schon fast ein Sakrileg, gegen das Modell zu wettern.

Hoffentlich kriege ich’s ohne den Einsatz mehrerer Liter Spachtelmasse zusammen 😉

That’s all, folks!

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