1/72 Academy Boeing B-29 Superfortress

Das Cover-Artwork.

1/72 Academy Boeing B-29
 
Superfortress „Enola Gay“

 
 

Hersteller: Academy
Erscheinungsjahr: 1996
Hersteller-Bestellnummer: 2154
Länge: 435 Millimeter
Spannweite: 550 Millimeter
Bauteile: 158 (in der Bauanleitung abgezählt)
Kaufpreis: 25,60 Euro (Preis im Online-Versandhandel, Stand Juni 2011)

 
 

Ein wenig Geschichtsunterricht

 
 
Die Boeing B-29 „Superfortress“ wurde als strategischer Bomber konstruiert, der große Bombenlasten in große Höhen transportieren konnte, um sie von dort aus abzuwerfen. Was sonst hätte er auch damit anfangen können, außer sich selbst in die Luft zu sprengen?

Der Erstflug fand am 21.09.1942 statt. Am 08.05.1944 wurde die Maschine schließlich in Dienst gestellt. Im Zeitraum von 1943 bis 1946 wurden insgesamt 3970 B-29 produziert. Ihre Bomben warfen die Maschinen anfangs noch im 2. Weltkrieg über Japan (und auch auf Japan) ab. Später wurden die Flugzeuge auch im Korea-Krieg eingesetzt und dann eingemottet.

Bemerkenswert: die B-29 verfügte über zwei räumlich voneinander getrennte Druckkabinen im Innenraum. Wollte man sich vom Cockpit zum hinteren Waffenstand oder wieder zurück bewegen, dann musste man sich mittels eines Schlittens durch einen ca. 80 cm durchmessenden Tunnel über dem Bombenschacht bugsieren. Man stelle sich vor, welche Szenen sich dabei wohl abgespielt haben mögen …

Angetrieben wurde das Flugzeug von vier Wright R-3350-23-Cyclone-Doppelsternmotoren mit je 2.200 PS. Diese Motoren wurden permanent zur Höchstleistung getrieben und fackelten deswegen ganz gerne mal ab. Wenn sie aber einwandfrei funktionierten, dann brachte es der Bomber zu einer Höchstgeschwindigkeit von 576 km/h in 9150 Metern Höhe. Die Dienstgipfelhöhe lag bei 10250 Metern. Die Bombardierung des Mount Everest wäre also durchaus möglich gewesen, wären dort Japaner oder Koreaner stationiert gewesen. Da der Yeti jedoch nicht in das Feindbild der Amerikaner passte, kam der Mount Everest noch einmal ungeschoren davon.

Zwischen 10 und 14 Männer bedienten das Fluggerät. Und sie waren nicht nur mit dem Fliegen beschäftigt, sondern auch mit der Schießerei. Dazu standen zwölf ferngesteuerte (tatsächlich!) 12,7-Millimeter-MGs zur Verfügung. Außerdem gab es im Heck eine 20-Millimeter-Maschinenkanone. Unten raus konnte das Flugzeug dann noch 9072 kg Bomben schmeißen. Eine richtige Wuchtbrumme!

Eine B-29 tat sich ganz besonders hervor. Sie trägt (auch heute noch) die Seriennummer 44-86292 und hört auf den Namen „Enola Gay“. Diese Maschine schleppte am 06.08.1945 die Atombombe „Little Boy“ nach Hiroshima und sorgte damit für extrem lebensfeindliche Umweltbedingungen. Genau diese Maschine kann mit dem vorliegenden Baukasten nachgebildet werden.
 
 

Der Baukasten

 
 
Auf den ersten Blick ein ziemlicher Prügel von einem Baukasten, den der Postillon bei mir abgeliefert hat. Die Abmessungen können sich sehen lassen: 48 cm x 26,5 cm x 8,5 cm (Länge x Breite x Höhe). Gefertigt aus solider Pappe, zeigt das Cover-Artwork ein Bild der „Enola Gay“ im Flug. Ansonsten sind jede Menge Hinweise auf den Maßstab sowie auf die Features des Bausatzes vorhanden. Auf den Seiten finden sich weitere Hinweise und – leider – auch sechs Fotos eines fertigen Modells. Sauber gebaut ist das Ding zwar, aber mehr auch nicht. Ein einzelnes Foto auf der anderen Kartonseite zeigt, wie es eindeutig besser geht.

Aber wir wollen ja das Modell im Inneren bauen und nicht den Baukasten als Anschauungsobjekt an die Wand hängen …


 
 

Bauanleitung und Decals

 
 

Die Bauanleitung besteht aus einem Faltblatt. Auf dem Deckblatt findet sich neben einem Druck des Cover-Artworks noch ein kurzer geschichtlicher Abriss über die „Enola Gay“ und die Folgen des Atombombenabwurfes in englischer und in koreanischer Sprache. Zumindest vermute ich, dass es sich um die koreanische Übersetzung des englischen Textes handelt. Vielleicht handelt es sich auch um das traditionelle Rezept für koreanisches Kimchi. Aber was hätte das in einem B-29-Baukasten zu suchen?

Neben einem Diagramm, das die Lage der einzelnen Bauteile am Gießast zeigt, gibt es 11 Bilder, auf denen der Zusammenbau Schritt für Schritt beschrieben ist. Die Zeichnungen und Angaben sind dabei so klar, dass selbst ich sie auf Anhieb kapiert habe. Glaube ich zumindest. Die Farbangaben befinden sich am unteren Seitenrand und beziehen sich auf keinen bestimmten Hersteller. Deswegen sind die Angaben auch reichlich allgemein gehalten. Weiterhin gibt es noch eine Seite, auf der die Außenbemalung (mit zwei Farben) sowie die Anbringungen der 15 Decals beschrieben ist.

Merkblätter und Ratgeber.

Zusätzlich zur Bauanleitung gibt es noch diese beiden Merkblättchen mit Tipps und Hinweisen zur Be- und Verarbeitung des Bausatzes sowie dem richtigen Einsatz der Werkzeuge. Am Ende weiß man dann, wie man sich mit einem Messerchen am effektivsten ein Auge rausschneiden kann.

Was aber wirklich wichtig ist: Die Decals.

Die Decals.

Die Decals.

Wie bereits angemerkt: Viele sind es nicht. Dennoch reichen sie aus, um zwei Versionen der B-29 zu bauen – die „Enola Gay“ und eine normale Einsatzmaschine.
 
 

Die Bauteile

 
 
Aus dem Karton kommen mir vier Plastiktüten entgegen, in die jeweils mehrere Gießäste eingeschweißt sind. Witzig: Eigentlich sind es fünf Tütchen, denn die Klarsichtteile sind in einer separaten Tüte in einer Tüte eingeschweißt. Klar? Nein? Oha!

Der erste Gießast.

Der erste Gießast, der mir in die Hände fällt, schleppt eine Tragfläche, Teile des Höhenleitwerks sowie Teile der Innenausstattung mit sich herum – darunter auch der 80-Zentimeter-Tunnel, der als Verbindung zwischen den beiden Druckkammern diente. Allzu sehr verausgaben wird man sich damit nicht müssen, denn das Ding ist später nur noch durch den Bombenschacht zu sehen.

Es gibt allerdings eine Vielzahl von wirklich enormen Details. Hier eine kleine Übersicht:


 

Tragflächen und viele Fahrwerksteile.

Am zweiten Gießast baumelt dann die zweite Tragfläche und der Rest des Höhenleitwerks. Außerdem finden wir hier eine ganze Menge Kleinteile, hauptsächlich für das Fahrwerk. Aber genau dort steckt der Teufel im Detail!

Die Bugräder im Detail.

Nun gut, das mit den Auswerfermarken war natürlich kaum anders machbar – irgendwo müssen die Dinger ja hin. Wenn nun beide Seiten eines Teils im Sichtbereich liegen, dann gehört das in die Kategorie „Dumm gelaufen“. Dafür kann aber auch dieser Gießast wieder mit feinen Details punkten:

Ein Fahrwerksbein.


 

Seitenleitwerk und Motorenverkleidungen.


 
Beim nächsten Gießast springt einem sofort das riesige Seitenleitwerk ins Auge. Ähnliches kennt man bereits von der Boeing B-17. Auch da war das Seitenleitwerk schon so etwas wie die Hakennase oder die Segelohren des Flugzeugs, nur ganz anders. Bei diesem Bausatz hier nehme ich nun das Seitenleitwerk zum Anlass, kurz auf die Strukturen an Rumpf und Tragflächen einzugehen. Wer hier Nieten erwartet, der wird enttäuscht. Allerdings sind die Blechstöße mit feinem Strich angedeutet. Im Gegensatz zu den Schützengräben, die Airfix auf einem 1/48-Modell gebuddelt hat, ist das hier koreanesische Präzisionsarbeit!

Gravuren am Seitenleitwerk.


 

Triebwerksgondeln und Propeller.

Zu diesem Gießast gibt es nicht allzu viel zu sagen. Hier sind alle Motorgondeln sowie die Propeller und noch ein Schwung Kleinteile zu finden. Insbesondere die Propeller und die Tanksonde (rechts oben) gehören nicht zur „Enola Gay“, sondern zur Serien- bzw. Tankerversion des Flugzeugs. Deswegen werden sie bei mir wohl nicht eingesetzt werden.

Kleinteile der Inneneinrichtung und des Hauptfahrwerkes.

Umso interessanter kommt aber dieser Gießast daher. Hier ist eine Unmenge Kleinzeug für die Innenausstattung zu finden – und damit kann man ein schönes Schaulaufen veranstalten!


 

Klar, das sind Sichtteile!

Und dann die Klarsichtteile. Zieren sich wieder mal und wollen sich nicht richtig fotografieren lassen. Typisch! Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! Dabei haben die Teile überhaupt keinen Grund, sich zu verstecken. Die Konturen sind so klar, dass es mit dem Abkleben später keine Schwierigkeiten geben sollte.

"Enola Gay" - Umrüstsatz.

Hier nun der Gießast mit den Umrüstteilen speziell für die „Enola Gay“. Wie man sieht, liegen hier modifizierte Propeller sowie ein Kleinbausatz für die Atombombe „Little Boy“ bei, inklusive der Aufhängung im Bombenschacht.

Die Rumpfhälften der Atombombe.


 

Ein geänderter Propeller.


 

Rumpfhälften, Türen des Bombenschachts und Inneneinrichtung.

Der letzte Gießast, den ich aus dem Karton zerre, ist ein Riesending! Die beiden Rumpfhälften, ohne die das Flugzeug erstaunlich körperlos daher kommen würde, sprengen sogar meinen Bilder-Rahmen. Das bedeutet, ich musste das Stativ meines Fotoapparates aufbocken, um den gesamten Gießast aufs Bild zu bekommen. Und neben den beiden groben Kellen gibt es wieder einmal feine Details zu sehen:

Ein hübsch detailliertes Schott.


 
 

Ein kleines Fazit:

 
 
Mein allererster Academy-Baukasten – und der erste Eindruck ist wirklich überzeugend. Ein Riesenhaufen Details und interessante Gimmicks, die an diesem Bausatz verteilt sind. Außerdem eine starke Verarbeitung, ohne allzu starke Gießgrate oder andere Unsauberkeiten. Gut, da ist die eine Geschichte mit den Auswerfermarken am Bugrad, doch das ist nun einmal konstruktionsbedingt und war sicherlich nicht anders zu lösen. Abgesehen war dies das einzige Teil, bei dem mir überhaupt eine fiese Ecke aufgefallen war.

Wenn es an diesem Bausatz überhaupt eine Sache gibt, die mich merkwürdig anguckt, dann ist es die Anzahl der Decals. Diese erinnert mich verdächtig an den Dekorbogen einer Spitfire von Airfix, die sich anschließend als totale Katastrophe herausgestellt hat. Also hoffen wir mal, dass die Anzahl der Decals kein Omen für die Passgenauigkeit des Bausatzes ist.

Ansonsten kann ich mir große Teile der schönen B-29 selbst schnitzen!
 
 

That’s all, folks!

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