1/72 Italeri North American XB-70 „Valkyrie“

Kategorie: „Achtung, es wird laut!“

 

Das Coverartwork.

Der Baukasten - mit Damenstöpsel als Größenvergleich.


 
 

1/72 Italeri North American
 
XB-70 „Valkyrie“

Als Größenvergleich dient auch in diesem Bericht wieder ein Damenstöpsel von gängiger Größe.

 
 

Hersteller: Italeri (ursprünglich AMT)
Erscheinungsjahr: 2008 (Italeri), N/A (AMT)
Hersteller-Bestellnummer: 1282 (Italeri – aktuell)
Länge: 786 Millimeter
Spannweite: 445 Millimeter
Bauteile: 85 (selbst nachgezählt)
Kaufpreis: 32,29 Euro (Internet-Versandhandel, Stand Juni 2011)

 
 

Es war einmal …

 
 
Anfang der 1960er, als noch kalt gekriegt wurde, wollten die Amerikaner (Nord) gerne herausfinden, ob ein Überschallbomber das korrekte Mittel darstellte, um die bösen Russen vom Antlitz der Erde zu bomben. Dazu baute die North American Aviation ein absolut unglaubliches Fluggerät: Die XB-70.

Nur zwei Stück dieser Extremflugzeuge wurden gebaut. Das erste davon hob am 21. September 1964 zum Jungfernflug ab. Am 14. Oktober 1965 wurde dann der erste Mach-3-Flug durchgeführt, wobei der erste Prototyp beinahe auseinanderfiel. Er wurde daraufhin auf Mach 2,5 gedrosselt. Der zweite Prototyp funktionierte aber besser und durfte weiter heizen, was das Zeug hielt.

Blöderweise überholte die Abwehrtechnik im Laufe der Testflüge die Fähigkeiten des Flugzeuges. Darüber hinaus erzeugte der Einsatz der XB-70 enorme Kosten und die Technik war reichlich anfällig. Deswegen wurde das Projekt schließlich am 04. Februar 1969 eingestellt.

Spektukall war noch ein Flugunfall, der sich am 08. Juni 1966 ereignete. Bei einem Formationsflug baute der NASA-Cheftestpilot Mist und brachte seinen Starfighter zur Kollision mit dem ersten Prototypen der XB-70. Daraufhin löste sich der Starfighter in einer Wolke von Einzelteilen auf und die XB-70 stzürzte ab. Der Pilot konnte sich retten, der Copilot schaffte es nicht mehr und verabschiedete sich beim finalen Einschlag aus dem Reich der Lebenden.

Auch wenn nur zwei Stück gebaut wurden – die XB-70 war ein ziemlicher Knaller! Sechs General Electric YJ93-GE-3-Strahltriebwerke mit je 137,9 kN brachten sie auf eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 3,08 bzw. 3.249 km/h in 22.250 m Höhe – und machten sie zum lautesten Flugzeug ihrer Zeit. Die maximale Flughöhe lag bei 24385 Metern. Man hätte beinahe drei Mount Evereste übereinander stapeln können und die XB-70 hätte immer noch eine ihrer bis zu 14 Atombomben, die sie im internen Waffenschacht transportieren können, auf den Gipfel schmeißen können. Armer Gipfel!
 
 

Der Baukasten:

 
 
Der Kasten besteht aus recht wabbeligem Material. Das Coverartwork ist ja schon ganz oben in diesem Bericht zu sehen. Das Titelbild zeigt das Flugzeug beim Start. Ansonsten gibt es reichlich wenig Angaben – außer Maßstab, Bestellnummer und dem Hinweis, dass es sich um einen hochoffiziell von Boeing lizenzierten Bausatz handelt. Was das zu bedeuten hat, erschließt ich mir nicht so recht, aber der Aufkleber ist witzig.

Die Kartonrückseite.

Die Rückseite des Kartons.

Im Gegensatz zur Vorderseite hat die Rückseite des Kartons eine ganze Menge mehr zu bieten: Neben zwei Fotos des Originals gibt es noch eine Vierseitenansicht, die als Orientierungshilfe für die Bemalung perfekt geeignet ist. Außerdem gibt es einen kleinen Überblick über die drei Farben, die für die Außenlackierung benötigt werden.

Die Seite des Baukastens.

Eine Seite des Baukastens.

An den Seiten des Kastens finden sich die üblichen Aufdrucke und Bildchen – Wiederholungen des Covers, ein kurzer geschichtlicher Abriss in sechs Sprachen – und auf einer Längsseite noch einmal die Backbord- sowie die Steuerbordansicht als Bemalungsorientierung, versehen mit einem kleinen Überblick über die Außenfarben.

Das erste Öffnen.

Das erste Öffnen.

Beim ersten Öffnen zeigt sich gleich: Das wird etwas verdammt Großes! Was da unter dem Papierkram hervorschaut, lässt schon auf hohen Verschleiß an Klebstoff schließen.
 
 

Der Papierkrieg:

 
 
Der Papierkrieg hält sich bei diesem Bausatz in Grenzen. Es gibt eine Bauanleitung und einen Decalbogen.

Die Bauanleitung.

Die Bauanleitung.

Bei der Bauanleitung handelt es sich um ein Faltblatt, beidseitig bedruckt. Im ersten Abschnitt gibt es noch einmal ein Bild vom Flugzeug, den geschichtlichen Abriss in 6 Sprachen sowie die üblichen Warnhinweise. Im zweiten Abschnitt folgt dann ein Überblick über die Bauteile sowie über die insgesamt sieben Farben, die benötigt werden. Danach wird der Zusammenbau in 12 Bildern beschrieben. Es folgt noch die Bemalungsanleitung, in der auch die Anbringung der Decals erläutert ist.

Die letzte Seite enthält schließlich noch einmal grundlegende Warnhinweise – diesmal gleich in 20 Sprachen, sowie einen Abschnitt, den man ausfüllen und an den Hersteller nach Italien schicken kann (nein, Italeri stammt nicht aus Tschechien oder Nord-Korea, sondern tatsächlich aus Italien – und das ist ausnahmsweise mal kein Witz von mir, sondern mein toter Ernst!), falls Teile fehlen oder defekt sind.

Wer das Ganze im Detail sehen möchte:

Die Decals.

Der Decalbogen.

Die Decals wissen zu gefallen. Gestochen scharf gedruckt und mit einem dünnen Trägerfilm, der nur bei extrem stumpfem Lichteinfallswinkel zu sehen ist, versprechen sie eine komfortable Verarbeitung. Und wenn sie silvern wollen: Sollen sie doch. Auf einem weißen Untergrund lach‘ ich da drüber!

Sehr nett: Es liegen auch sehr sauber gedruckte Decals für die Cockpitinstrumente vor. Damit wird jegliche Trockenmalerei überflüssig, denn besser als die Decals bekomme ich es garantiert nicht hin!
 
 

Die Bauteile:

 
 
Zur Freude des Modellbauers enthält der Baukasten neben dem Papierkrieg auch noch eine Menge Bauteile. Neun Gießäste und vier Einzelteile wurden auf vier Plastiktüten (wobei die Tüte mit den Klarsichtteilen in einer der drei anderen Tüten steckt) verteilt.

Die Rumpfhälften.

Die Rumpfhälften.

Beim Anblick dieser Teile ahnt man noch nichts Böses. Es könnte sich um die Rumpfhälften eines ganz normalen Jets handeln. Dies ist jedoch nur die vordere Rumpfsektion, die über die Tragflächen hinaus ragt …

Verschiedene Kleinteile.

Verschiedene Kleinteile.

Auch dieser Gießast gibt noch keinen Hinweis auf das ganze Ausmaß dieses Bausatzes. Es gibt einfach eine Reihe von Kleinteile, hauptsächlich Interieur. Nur die sechs Triebwerksauslässe lassen ein wenig stutzen, denn das ist ein bisschen viel für einen herkömmlichen Jet.

Tragflächen?

Tragflächen?


 
Nochmal Tragflächen?

Nochmal Tragflächen?

Nein, ich habe mich nicht vertan: Diesen Gießast gibt es gleich zweimal. Man könnte glauben, man habe die Tragflächen des Bausatzes vor sich. Stimmt auch … aber nicht ganz.

Die Rumpfunterseite.

Die Rumpfunterseite.

Nun, allmählich, schlägt die Ahnung durch, mit welchem Kaliber von einem Bausatz man es hier zu tun hat. Dabei stellt man sich die Frage, ob man tatsächlich ein Flugzeug baut oder doch eher eine Schiff, denn das hier könnte auch ohne Weiteres der Bug der H.M.S. Whatsehell sein.

Der hintere Rumpf.

Der hintere Rumpfabschnitt.

Es geht völlig bescheuert weiter. Diese beiden Teile identifiziert man nun als den Rest der Rumpfhälften. Man beachte den Größenvergleich mit dem Stöpsel!

Teile der Winglets.

Teile der Winglets/Canards.


 
Weitere Winglets/Canards.

Weitere Teile der Winglets und Canards.

Und wieder zweimal der gleiche Gießast. Handelte es sich um einen normalen Bausatz, dann könnte man meinen, hier die Sidewinder-Rails sowie das Höhenleitwerk vor sich zu haben. Es ist aber kein normaler Bausatz, es ist die beknackte XB-70. Deswegen sind das hier Teile der Winglets und der Canards.

Die Klarsichtteile.

Die Klarsichtteile.

Zwischendurch zur Entspannung etwas völlig Normales: Die Klarsichtteile. Hier ist nicht nur wegen der üblichen Durchsichtigkeit der Teile nicht viel zu sehen, sondern weil es tatsächlich nur zwei Teile gibt. Davon werden 50% nicht benötigt, je nachdem, in welcher Version man die Maschine baut.

Eine Tragfläche.

Eine Tragfläche.

Achtung, jetzt wird es völlig gaga! Das hier sind die Teile einer einzigen Tragfläche (der Stöpsel, achtet auf den Stöpsel!). Neben den Dimensionen ist auch das Gewicht ein Knaller. Ich weiß nicht, ob das Fahrwerk diesen Trümmer später überhaupt tragen kann.

Die andere Tragfläche.

Die andere Tragfläche.

Die andere Seite auch noch, weil’s so schön war …
 
 

Die Details:

 
 
Bei einem solchen Jet von Details zu sprechen, ist beinahe schon ein bisschen schwierig – aber nicht unmöglich! Dummerweise liegen die meisten Details nicht im unmittelbaren Sichtbereich.

Bugfahrwerksschacht.

Der Schacht des Bugfahrwerks.

Der Fahrwerksschacht des Bugfahrwerkes beispielsweise wird später kaum noch angeschaut werden, denn wer will diesen Riesentrümmer von einem Modell schon in die Höhe wuchten, nur um drunter zu gucken?

Das Armaturenbrett.

Das Armaturenbrett.


 
Schleudersitzteile.

Teile eines Pilotensitzes.


 
Die Cockpitwanne.

Die Cockpitwanne.

Ähnlich wird es mit den Cockpitteilen sein. Hier werden viele Details durch die Decals hinzugefügt, was sicherlich ein realistisches Aussehen ergibt. Damit diese später nicht verloren gehen, werde ich die Cockpitverglasung wieder abnehmbar gestalten. Damit habe ich dann zwar einige zusätzliche Rillen im Modell, aber das ist immer noch besser, als die einzigen wirklich sehenswerten Details für immer & ewig in die Tonne zu kloppen.

Fahrwerksbeine.

Fahrwerksbeine.


 
Räder.

Räder.

Das Fahrwerk geht im Großen und Ganzen auch in Ordnung. Was bei den Rädern gefällt: Abgeflachte Stellen, die später hübsch realistisch wirken.
 
 

Mein Fazitchen:

 
 
Himmel, was für ein Brocken!

Aber gut, das wusste ich ja vorher schon …

Was ich anfangs nicht wusste, war, dass es sich bei diesem Bausatz um eine Wiederauflage eines begehrten alten AMT-Bausatzes handelt. Ein erster Blick auf die Teile hätte mich das – offen gestanden – auch nicht vermuten lassen, denn alles sieht recht „up to date“ aus.

Es gibt keine Fischhäute und keine übermäßigen Grate. Nur bei der Triebwerkssektion haben sich verschiedene Auswerfermarken eingeschlichen, die verspachtelt werden müssen. Wie ich das anstelle, ohne rundum alles plan zu schleifen, werde ich dann sehen.

Was ich sehr schade finde: Jegliche Detailarbeit wird später nicht mehr zu sehen sein. Ich habe nur die Möglichkeit, das Cockpit offen zu gestalten, sodass man die Verglasung abnehmen kann. Das ist zwar nicht gerade das Grüne oder Blaue vom Ei, aber zumindest Ei.

Und was mir noch Sorgen macht: Alle Berichte, die über diesen Bausatz zu finden sind, stellen die miserable Passgenauigkeit in den Vordergrund. Die XB-70 scheint Spachtelmasse zu schlucken wie ein Porsche Cayenne Super Plus. Und Spachteln und Schleifen sind nun Arbeiten, die ich so überhaupt nicht leiden kann.

Aber gut, es ist ein gewaltiger Bausatz, für den ich ohnehin erst noch einen Platz finden muss. Bis ich den angehe, dürfte also noch so mancher Vogel kacken, der heute noch keinen Hintern hat. Warten wir’s ab.

Und für alle, die noch den alten AMT-Bausatz im Regal stehen hatten und zockten, um den möglichst teuer auf ebay verknallen zu können: ÄTSCH!

😀

That’s all, folks!

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