1/72 Revell Avro Lancaster Mk.I/III

1/72 Revell
 
Avro Lancaster Mk.I/III

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Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 2007
Hersteller-Bestellnummer: 04300
Länge: 295 Millimeter
Spannweite/Breite: 428 Millimeter
Anzahl der Bauteile: 257 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: ca. 20,00 Euro (Fach-/Onlinehandel, Stand April 2015)

 
 

Einer der bekanntesten Bomber des 2. Weltkrieges.

 
 
Ursprünglich hieß die „Lancaster“ noch „Manchester“ und hatte nur zwei statt vier Motoren. Die Firma A. V. Roe and Company (kurz: AVRO) baute die Manchester aber um, verpasste ihr zwei zusätzliche Motoren, änderte das Leitwerk ab und verpasste dem Flugzeug den Namen „Lancaster“. Am 9. Januar 1941 absolvierte dieser Flugzeugtyp seinen Jungfernflug.

Insgesamt wurden zwischen 1941 und 1946 7377 Maschinen des Typs „Lancaster“ in verschiedenen Varianten gebaut. Die einzelnen Versionen des Bombers unterschieden sich hinsichtlich der Motorisierung und der Bewaffnung. Der Einsatzzweck der „Lancaster“ bestand meist aus großflächigen Bombardierungen, doch einige Maschinen wurden auch für spezielle Einsätze konzipiert. So gab es einige Flugzeuge, die mit rotierenden Bomben zur Zerstörung von Talsperren ausgerüstet wurden – die sogenannten „Dam Buster“. Darüber hinaus war die „Lancaster“ in der Lage, die monströse, beinahe 10 Tonnen schwere „Grand Slam“ Bombe zu tragen.

Während des 2. Weltkrieges warfen „Lancaster“-Bomber mehr als 600000 Tonnen Bomben ab und richteten damit unglaubliche Zerstörungen an. Doch so Furcht erregend diese Bomber auch waren, sie besaßen einen gewaltigen Schwachpunkt: Sie waren zwar mit 8 Browning-Maschinengewehren bewaffnet, doch sie besaßen keinen Gefechtsstand an der Rumpfunterseite, wie beispielsweise die amerikanische Boeing B-17. Das machte die „Lancaster“ extrem anfällig für Jagdflugzeuge, die von unten her attackierten oder die sogenannte „Schräge Musik“ einsetzten – an der Rumpfoberseite montierte, schräg nach oben feuernde Maschinengewehre. Es existierten nur extrem weniger „Lancaster“, die mit einem zusätzlichen Gefechtsturm an der Rumpfunterseite ausgerüstet waren, um dieses Manko zu kompensieren. Im Gegenzug musste allerdings auf andere Ausrüstung sowie auf Nutzlast verzichtet werden.

Die Lancaster Mk.I wurde von vier Rolls Royce Merlin Motoren mit jeweils 1280 PS angetrieben. Bei der Mk.III hingegen kamen amerikanische Packard-Merlin-Motoren zum Einsatz. Es existierte auch eine Variante Mk.II mit Bristol-Hercules-Sternmotoren. Die Motoren brachten die Mk.I auf eine Höchstgeschwindigkeit von 448 km/h in 5600 Metern Höhe. Die Dienstgipfelhöhe lag bei 7467 Mann. Bedient wurde der Bomber von einer siebenköpfigen Besatzung. Dies gilt – wohlgemerkt – ausschließlich für die Mk.I. Andere Daten gibt der Wikipedia-Artikel derzeit nicht her und ich bin zu faul zu suchen.

Wer mehr über die „Lancaster“ erfahren möchte: Neben dem Wikipedia-Artikel, dem ich alle technischen Details entnommen habe, existieren noch etliche andere Webseiten, die sich teilweise ausschließlich mit der „Lancaster“ befassen und Informationen sowie Fotos in Hülle und Fülle bieten. Und wer sich eine Lancaster einmal im Original anschauen möchte: 17 Exemplare existieren noch. Davon sind allerdings nur noch zwei Stück flugfähig.
 
 

Der Baukasten:

 
 
Als ich den Kasten zum ersten Mal in die Finger bekam, überraschte mich das Gewicht. Mit den Abmessungen 390 Millimeter x 250 Millimeter x 65 Millimeter (Länge x Breite x Höhe) ist er nicht gerade ein Riese, doch die 257 teils sehr kleinen Teile sorgen dafür, dass der Kasten einige Gramm auf die Waage bringt.

Das Titelbild ist oben zu sehen. Zu öffnen ist der Kasten an den beiden kurzen Seiten. An den langen Seiten hat Revell – wie es bei diesem Unternehmen derzeit Standard ist – einige Informationen zur „Lancaster“, verschiedene Sicherheitshinweise, eine Übersicht über die wichtigsten Farben und verschiedene weitere Angaben zum Bausatz untergebracht. Außerdem gibt es noch eine Reihe Fotos vom Prototyp-Modell, die Appetit auf mehr machen:

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Beim Öffnen des Kartons kommen einem die Teile sauber in Plastiktüten verpackt entgegen. Nichts klemmt, nichts ist zusammengequetscht. Alles hat bequem in Karton Platz, ohne zu viel Luft zu lassen:

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Papierkram:

 
 
Ich glaube, ich muss nicht extra auf das Faltblatt mit den Sicherheitshinweisen eingehen, das jedem, aber auch wirklich jedem Revell-Bausatz beiliegt und damit einen der unlustigsten Running-Gags darstellt, die ich auf dieser Webseite betreibe (obwohl … erstens ist dies der einzige Running-Gag, zweitens sind die anderen Gags auch nicht sonderlich lustig). Stattdessen starte ich bei dieser Bausatzvorstellung einmal mit dem Decalbogen:

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Dieser ist zwar nicht allzu riesig, bietet aber eine Fülle von kleinen Details, mit denen sich das Modell bestens aufwerten lässt. Der Druck ist klar und scharf und ich konnte keinerlei Versatz feststellen. Neben den Kennungen für zwei Maschinen (auf die Versionen werde ich gleich noch eingehen) gibt es neben einer ganzen Reihe Wartungshinweise auch Decals, um das Cockpit aufzuwerten, wie z. B. Sitzgurte (siehe Decals Nr. 39 bis 42) oder Aufdrucke für die Instrumente (siehe Decals Nr. 36 bis 38). Nun bin ich eigentlich kein Freund solcher Decals. Und um ehrlich zu sein: Die Sitzgurte sehen auch nicht so besonders aus. Ich kann es jetzt schon vorwegnehmen: Sie passen auch nicht zu den bereits angegossenen Gurten auf den Sitzen. Deswegen werde ich sie wohl aussparen und stattdessen die angegossenen Gurte entsprechend bemalen. Die Instrumente hingegen sind nicht uninteressant, denn diese hat Revell sehr exakt hinbekommen. Einem Vergleich mit Fotos aus dem Internet halten sie jedenfalls locker stand. Daher denke ich, ich werde ihnen eine Chance geben und auf eine Pinsellackierung der Instrumente verzichten.

Kommen wir zur Bauanleitung. Dabei handelt es sich um Revell-Standardkost im Format DIN-A-4:

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Seite 1 muss ich nicht näher beschreiben, denn sie ist auf dem Bild zu sehen. Auf Seite 2 ist die Rubrik „Vor dem Zusammenbau gut durchlesen!“ zu finden, in Deutsch und Englisch. Auf Seite 3 werden die verwendeten Symbole beschrieben und es gibt weitere Sicherheitshinweise. Auf Seite 4 dann die benötigten Farben im Revell Farbnummernsystem. Hier die Liste:

  • A: Dunkelgrün, matt 68
  • B: Erde dunkel, matt 82
  • C: 95% Schwarz, matt 8 + 5% Hellgrau, matt 76
  • D: Gelb, matt 15
  • E: Weiß, matt 5
  • F: 70% Seegrün, matt 48 + 30% Hellgrau, matt 76
  • G: Braund, matt 85
  • H: Khakibraun, matt 86
  • I: Aluminium, matt 99
  • J: 25% Eisen, metallic 91 + 75% Rost, matt 83
  • K: 33% Dunkelgrün, matt 39 + 67% Khakibraun, matt 86
  • L: Anthrazit, matt 9
  • M: Silber, metallic 90

Außerdem gibt es noch den Hinweis, dass ein Stück schwarzer Faden benötigt wird (um später die Antenne darzustellen), der aber im Bausatz nicht enthalten ist. Also, daran denken: Beim Fachhändler für schwarze Fäden etwas schwarzen Faden bestellen!

Auf Seite 5 folgt dann ein Überblick auf die Teileanordnung an den einzelnen Gießästen, bevor es dann mit dem Zusammenbau losgeht. Dieser ist auf insgesamt 76 teils ziemlich kleinen Bildern beschrieben und endet auf Seite 10. Auf den Seiten 11 und 12 sind dann die Bemalungsanleitungen sowie die Decalbestückung für folgende beiden Versionen der „Lancaster“ beschrieben:

  • Avro Lancaster B.Mk.III, No. 100 Squadron, Royal Air Force, Elham Wolds, April 1945
  • Avro Lancaster B.Mk.I, No. 9 Squadron, Royal Air Force, Bardney, 1945

Auf dem Cover des Baukastens ist die erstgenannte Version zu sehen, zu der ich auch tendiere. Die zweite Version ist ebenfalls nicht ganz reizlos, bietet aber nicht die farbliche Abwechslung durch die gelben Tragflächenspitzen und die gelben Seitenleitwerke. Als farbliche Auflockerung gibt es dort nur weiße Flächen an den Seitenleitwerken, die für meinen Geschmack etwas zu unaufdringlich sind. Aber das ist natürlich nur mein Geschmack!
 
 

Die Bauteile

 
 
257 Bauteile auf verhältnismäßig engem Raum – das riecht nach viel Fitzelarbeit. Und genau so ist es auch!

Verteilt sind die Teile auf insgesamt 8 Gießäste, einer davon mit Klarsichtteilen. In einer Plastiktüte sind drei Gießäste zusammengefasst, in zwei anderen Plastiktüten jeweils zwei. Die Klarsichtteile hingegen sind in einer separaten Tüte untergebracht. Die ersten drei Gießäste, die wir uns anschauen, beschäftigen sich mit den eher größeren Teilen – den Tragflächen:

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Wie man sieht, hat Revell dort auch die meisten Teile des Cockpits sowie weitere eher große Teile wie Motorgondeln oder Teile des Leitwerks zusammengefasst. Etwas filigraner fallen die Teile eines Gefechtsstandes aus.

Die nächsten beiden Gießäste beschäftigen sich mit den Rumpfhälften und den Motoren:

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Hier zeichnet sich auch eine echt Fließbandarbeit ab, wenn man sich ausführlich bei der Bombenbestückung auslassen möchte.

Die beiden letzten Gießäste mit undurchsichtigen Teilen lassen sich thematisch nicht so einfach zuordnen. Hier ist alles vertreten: Fahrwerk, Motoren, Bewaffnung, Rumpfteile:

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Zuletzt noch die Klarsichtteile, die ich nicht ausgepackt habe, um sie nicht zu beschädigen oder zu verschmutzen:

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Auch diese sind recht zahlreich vorhanden und mit feinen Strukturen versehen.
 
 

Wenn man etwas genauer hinschaut …

 
 
Bei diesem Bausatz handelt es sich um eine der neueren Bausatzformen von Revell – das ist auf den ersten Blick zu sehen. Versenkte, feine Strukturen und filigrane Details sind über den gesamten Bausatz verteilt. Das Plastik selbst macht einen wertigen Eindruck. Es gibt keine Unschärfen, wie z. B. matschige Details oder deutlich verzogene Teile. Fischhäute habe ich ebenfalls vergeblich gesucht, ebenso wie deutliche Gießgrate oder Auswerfermarken im unmittelbaren Sichtbereich (wobei ich die Fahrwerksschächte jetzt nicht als unmittelbaren Sichtbereich betrachte).

Schaut man sich die Details an, dann gibt es kaum etwas zu meckern. Das geht los bei den Fahrwerksteilen, von denen ich hier nur einige herausgepickt habe:

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Und wenn ich sage, es gebe kaum etwas zu meckern, dann bedeutet es nicht, es gebe überhaupt nichs zu meckern. So finde ich beispielsweise die Räder selbst nicht allzu sexy:

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Revell hat sich zwar die Mühe gemacht, an den Felgen noch versenkte Nieten/Schrauben darzustellen, doch soweit ich auf einer Vielzahl von Fotos im Internet sehen konnte, war die Lancaster offenbar durchaus mit Profilreifen bestückt.

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Die Gefechtstürme hingegen sind sehr schön gearbeitet. Bei den einzelnen Waffen handelt es sich nicht um konturlose Plastikstäbchen, wie es früher oft bei Revell (oder Matchbox) der Fall war, sondern um hübsch ausgearbeitete, kleine Maschinengewehre. Leider ist das Foto, das das Vierlings-MG des Heckstandes zeigt, ein wenig unscharf geraten.

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Das Cockpit bietet mit seinen Instrumenten natürlich viel Raum für Details, wobei man auch die Decals sinnvoll zum Einsatz bringen kann. Crew und/oder Bodenpersonal sind nicht im Bausatz enthalten. Es gilt also, leere Sitze darzustellen, wobei man die Sitzgurte entsprechend bemalen kann. Diese sind deutlich angegossen und auch die Instrumente lassen sich mit Trockenmalerei gut herausarbeiten, wenn man auf die Decals verzichten möchte.

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Auch an der Unterseite bietet das Modell noch eine Reihe von Details. Dieses Bild zeigt beispielsweise den Bombenschacht, der wahlweise geöffnet oder geschlossen dargestellt werden kann. Und auch die Bombenlast, die in diesem Schacht untergebracht werden kann, ist sehr gut gestaltet und bietet die Möglichkeit von Detailbemalung.
 
 

Bombending oder Blindgänger?

 
 

BOMBENDING BLINDGÄNGER
Tolle Detaillierung! Für Anfänger absolut ungeeignet.
Zwei Versionen mit interessanten Lackierungen … … die größtenteils gleich sind.
Ausgezeichnete Passgenauigkeit. Leider weder Besatzung noch Bodencrew im Bausatz enthalten.

Keine Frage, hier gewinnt ganz klar das BOMBENDING vor dem BLINDGÄNGER!

Ich kann es vorwegnehmen: Ganz unvoreingenommen werde ich an diesen Bausatz nicht herangehen, denn ich hatte bereits das Vergnügen, die „Dam Buster“-Variante, die Revell ebenfalls anbietet und die auf diesem Bausatz basiert (und diesen eigentlich nur um einige Zusatzteile erweitert), einmal kennen zu lernen. Wie sich zeigte, ist die Passgenauigkeit wirklich vorbildlich, insbesondere bei großflächigen Verklebungen wie beispielsweise den Tragflächen. Hier hat Revell wieder darauf gesetzt, die Tragflächen ein Stück weit im Rumpf zu versenken und dabei zwei dicke Holme als tragende Teile zum Einsatz zu bringen. Beim „Dam Buster“ minimierte dies den Einsatz von Spachtelmasse gegen Null. Und auch sonst weiß der Bausatz zu gefallen. Ein wirklich schönes und nicht allzu kleines Modell.

Was ich natürlich einräumen muss: Inwieweit das Modell bis ins kleinste Detail historisch korrekt ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe keinerlei Vergleiche angestellt, bis auf einige wenige Details (z. B. das Armaturenbrett), die ich aber mit allgemeinen Fotos im Internet verglichen habe. Ansonsten habe ich gerade einmal ein Foto des auf dem Coverbild gezeigten Flugzeuges gefunden, das die Bugpartie mit der Besatzung zeigt. Anhand dessen kann ich sagen, dass Revell die Bugpartie hinsichtlich der Details und der Bemalung sehr exakt wiedergegeben hat. Inwieweit die Proportionen und Abmessungen des gesamten Modells aber einem Vergleich mit dem Original standhalten, kann ich nicht beurteilen. Und ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht – wer Näheres wissen möchte, der möge sich die Originalbaupläne beschaffen und mit dem Modell abgleichen.

Die fehlende Crew bzw. das fehlende Bodenpersonal ist natürlich sehr, sehr schade. Dummerweise gibt es derzeit, Stand April 2015, auch kaum entsprechende Angebote. Soweit ich auf die Schnelle herausfinden konnte, gibt es gerade einmal ein einziges Set aus dem Hause Heller, das ich nun zu ergattern versuche. Denn ein Modell wie dieses schreit förmlich nach einem kleinen Diorama.

Von meiner Seite in jedem Fall eine klare Kaufempfehlung – ich kenne keinen besseren „Lancaster“-Bausatz in diesem Maßstab und zu diesem Preis.

That’s all, folks!

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