1/72 Revell Focke Wulf FW 200 C-5/C-8 Condor

Das Cover-Artwork.


 
 

1/72 Revell Focke Wulf FW 200
 
C-5/C-8 Condor

 
 

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 2010
Hersteller-Bestellnummer: 04678
Länge: 322 Millimeter
Spannweite: 453 Millimeter
Bauteile: 220 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 22,99 Euro (Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers)

 
 

Vorab ein wenig Geschichtsunterricht:

 
 
27. Juli 1937: Ein neues ziviles Langstreckenflugzeug aus der Focke-Wulf-Schmiede tritt seinen Jungfernflug an. Die Entwicklung des Airliners hatte erst ein Jahr zuvor begonnen. Und das Fluggerät konnte überzeugen – und zwar die Lufthansa. Diese orderte gleich eine komplette Serie.

Bis zum zweiten Weltkrieg gondelte die FW 200 als Passagiermaschine von Flughafen zu Flughafen. Dann kam ein geistig verwirrter Wiener Anstreicher auf die Idee, man könne doch die Passagiere am Boden lassen und stattdessen ein paar Bomben in das Flugzeug packen. So trat die FW 200 nach einigen Umbauten ihre Karriere als Seeaufklärer an. Als strategischer Bomber taugte sie allerdings nichts – dafür brachte sie einfach nicht die notwendigen Voraussetzungen mit. Doch immerhin konnte sie auf See einigen Zoff anzetteln. Churchill nannte sie gar „Geißel des Atlantiks“.

Der Apparat hatte vier Motoren zu je 1000 PS. Damit brachte es die Condor auf einen Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h und eine Dienstgipfelhöhe von 8500 Metern. Für den Mount Everest hätte das gereicht, doch dort wurde keine Fw 200 eingesetzt. Es hätte schließlich auch keinen Sinn gemacht, den Gipfel des Mount Everest zu bombardieren. Dafür konnte das Gerät aber aus allen Knopflöchern ballern: Zwei MG 151/20 (20 Millimeter), vier MG 15 (7,92 Millimeter), maximal 4200 kg Bombenzuladung. 7 Mann waren notwendig, um das Vehikel korrekt zu bedienen uns aus jedem Knopfloch mindestens einen Schuss abzufeuern.

Heute gibt es leider kein flugfähiges Exemplar mehr, doch bei Airbus, Rolls Royce und Lufthansa Technik arbeitet man derzeit daran, ein Wrack wieder aufzubauen. Bis 2025 soll die Maschine wieder in die Luft kommen. Das wäre eine feine Sache!
 
 

Der Baukasten:

 
 

Fotos eines fertigen Modells.

Alleine die Ausmaße der Schachtel lassen schon ahnen, dass es wieder eine ganze Menge Gießäste geben wird. Wenn wir nicht schon wüssten, dass wir es mit einer neuen Bausatzform zu tun haben, dann würden wir beim Anblick des Kartons glatt glauben, wir könnten es eventuell mit einer neuen Bausatzform zu tun haben, die mit sauvielen Gießästen daher kommt. Das war jetzt Logik, gell?

Auf dem Karton finden wir – wie bei Revell üblich – neben einem schönen Cover-Artwork sechs Detailaufnahmen eines fertigen Modells, bei dem der Revell-Prototyper ganze Arbeit geleistet hat. Mit diesen Fotos ist die Marschrichtung für den ambitionierten Modellbauer schon vorgegeben. Außerdem sind auf die Kartonseite einige Infos über das reale Vorbild, den Bausatz selbst sowie ein grober Überblick über die benötigten Farben aufgedruckt.

Im Karton finden wir dann schließlich zwölf Gießäste. Drei davon sind „nur“ mit jeweils einer Tragflächenhälfte bestückt, einer trägt die Klarsichtteile. Verpackt ist das Ganze in vier Plastiktüten. Die Anordnung der Gießäste in den Tüten wirkt durchdacht; die Gefahr, dass Kleinteile durch Schütteln des Kartons beschädigt werden, besteht nicht.

Außerdem flutschen noch eine Bauanleitung sowie ein Dekorbogen aus der Verpackung – und das obligatorische Hinweisblättchen, man solle die Teile nicht fressen und nicht als Zäpfchen verwenden.
 
 

Bauteile und Packungsinhalt:

 
 
Schauen wir uns nun die einzelnen Gießäste etwas genauer an. Als Größenvergleich lege ich normalerweise immer eine Münze daneben. Momentan bin ich aber pleite. Deswegen haben ich als Größenvergleich diesmal einen Damenstöpsel von gängiger Größe beigefügt. Falls Ihr nicht wisst, wie groß so ein Ding ist: Fragt Mutti. Oder Eure Schwester. Oder beide, falls es sich um ein- und dieselbe Person handelt.

Gleich der erste Gießast, den ich aus der Verpackung zerre, bietet ein Sammelsurium an Kleinteilen. Teile der Motoren sind hierbei eindeutig in der Überzahl. Ins Auge fallen sofort die Zylinderbänke zweier Sternmotoren, die ich mir sofort näher im Detail angeschaut habe.

Detailaufnahme zweier Motoren.

Darüber hinaus gibt es noch einige Waffen – insbesondere Bomben und, mittendrin, ein Maschinengewehr. Einsam und verlassen. Eingerahmt wird dies alles von einer Hand voll weiterer Teile. Antennchen, Staurohre und was-weiß-ich-nicht-noch-alles. Dabei können die Details und Strukturen der einzelnen Teile durchaus gefallen. Erhabene Konturen laden gerade bei den Motoren buchstäblich zum Trockenmalen ein. Was allerdings weniger gefällt: Der Fischhäuterich hat sich in diesen Bausatz eingeschlichen!

Der nächste Gießast protzt zunächst mit einer Tragflächenhälfte, deren Konturen schön anzusehen sind. Darüber hinaus wartet er mit einer ganzen Menge filigraner Kleinteile auf, bei denen es sich hauptsächlich um Teile des Fahrwerks handelt. Die Motoren sowie zwei Propeller sind ebenfalls vertreten.

Strukturen auf einer Tragfläche.

Ein kleines Wiedersehen: Es sind auch Teile für eine Lenkwaffe Hs 293 vorhanden. Diese Dinger kenne ich noch von der 1/72 Revell Junkers Ju 290 A-7, über die ich bereits berichtet habe. Auf den ersten Blick würde ich sagen, Revell hat hier die gleiche Form verwendet. Geht völlig in Ordnung – und könnte mir ohnehin schnuppe sein, denn ich plane nicht, die Dinger an die Condor anzubauen.

Die drei nächsten Gießäste habe ich der Einfachheit halber in einem Bild zusammengefasst. Ich denke, hierzu muss ich nicht besonders viel sagen, oder?

An diesem Gießast dominieren eindeutig die Fahrwerksteile. Mir graut es jetzt schon davor, diese ganzen feinen Gestänge vom Gießast zu trennen. Man muss nur ein ganz klein wenig schusselig sei und mit dem Messer abrutschen – zack, schon hat man das Teil vergeigt (oder sich in den Finger geschnitten, aber das ist eine andere Geschichte, die auch bei größeren Teilen passieren kann).

Sauber ausgearbeitete Räder.

Auch hier ist übrigens noch eine Hs 293 vorhanden – und zwei Räder, die auf den ersten Blick gar nicht so dumm aussehen. Einige Strukturen werden aber später beim Zusammenbau dran glauben müssen, wenn ich die Aufnahmen des Gießastes wegschleife. Für ein 1/72-Modell ist das aber leider typisch. Mal sehen, ob man da ein bisschen was nachgravieren kann. Das passende Werkzeug hierzu ist gerade bei mir eingetroffen und ich brenne darauf, einige Kerben in einen Bausatz zu fräsen!

Merkt Ihr was? Ich will Euch ein bisschen veräppeln. Genau diesen Gießast haben wir nämlich schon einmal am Wickel hehabt. Blättert mal zurück zum Allerersten, der wird Euch bekannt vorkommen. Allerdings hatte ich da das Thema Fischhaut angesprochen – und hier ist sie nun im Detail:

Der Fischhäuterich hat zugeschlagen!

Es könnte unter Umständen ein wenig fitzelig werden, die eingebetteten Kleinstteile sauber herauszuschneiden, aber ich bin zuversichtlich, das hinzubekommen. Zumindest zuversichtlicher, als ich es beim Abtrennen der Fahrwerksteile bin. Ansonsten gibt es zu diesem Gießast nichts zu berichten, was nicht schon beim ersten Mal gesagt wurde.
 
 

Die Rumpfspanten.


 

Feine Details im Innenraum.

Dieser Bandwurm beherbergt nun alle Rumpfspanten. Bei diesen sind die Details sehr schön herausgearbeitet. Stellenweise könnte man in Versuchung geraten, die Vorhänge, die die einzelnen Rumpfsektionen voneinander trennen, durch echten Stoff zu ersetzen. Blöderweise verschwinden die Spanten aber später komplett im Rumpf und sind von außen kaum noch zu erkennen. Deswegen lohnt der Aufwand überhaupt nicht.
 
 

Hier haben wir es nun mit Rumpfteilen zu tun. Außerdem sind viele Teile des Cockpits und der Inneneinerichtung vertreten. Die Armaturen laden auch bei diesem Modell zum Trockenmalen ein. Damit lassen sich sicherlich einige optische Highlights im Innenraum setzen.

Der letzte Gießast mit „soliden“ Bauteilen bietet einen weiteren Schwung Rumpfteile. Hier sehen wir nun auch die Steuerflächen, ohne die der Flieger a) bescheuert aussehen würde und b) nicht zu lenken wäre. Ein Glück also, dass Revell dem Bausatz die Ruder beigefügt hat. Ein letzter Blick auf einige Details:

Klarsichtteile.

Die Klarsichtteile. Glücklicherweise musste ich das Foto mit Blitz schießen. Dadurch kommen die Konturen ein bisschen besser raus. Ich warte ja immer noch auf den Tag, an dem endlich solide und undurchsichtige Klarsichtteile produziert werden, die man gut fotografieren kann …

Die Bauanleitung.

Die Bauanleitung. Mit gleich 62 Bildern, auf denen Zusammenbau und Bemalung Schritt für Schritt beschrieben werden, ist das ein ziemlicher Klopper. Neben den Anweisungen zum Zusammenbau bietet die Anleitung auch einen Überblick über die insgesamt 24 Farben, die für diesen Bausatz benötigt werden. Vier dieser Farben müssen angemischt werden.

Die Decals.

Ganz am Ende: Der Dekorbogen. Nach der Ankündigung „Super Decal“ auf der Verpackung hatte ich eine ganze Tapetenrolle voller Decals erwartet. Deswegen habe ich ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut, als ich diesen doch recht kleinen Bogen aus der Packung zerrte. Dennoch bietet die alles, was man braucht, um das Modell in gleich vier unterschiedlichen Varianten zu bauen:

  • Focke-Wulf Fw 200 C-5/FK, III. Kampfgeschwader 40, Norwegen 1940
  • Focke-Wulf Fw 200 C-8 Werk-Nr. 0256, Winter 1943, Deutschland
  • Focke-Wulf Fw 200 C-8, III. Kampfgeschwader 40, Bordeaux-Merignac, Februar 1944
  • Focke-Wulf Fw 200 C-5/FK, III. Kampfgeschwader 40, Braunschweig, Mai 1943

Das Cover-Artwork zeigt die erstgenannte Version.
 
 

Ein kleines Fazit:

 
 
Und wieder ein schöner Bausatz aus der neuen Formenschmiede von Revell. Allerdings mit einem kleinen Wermutstropfen: Der Rumpf ist komplett geschlossen. Während es bei der 1/72 Revell Junkers Ju 290 A-7 als Rumpfoberseite einen abnehmbaren „Deckel“ gab, ist bei der Condor eine solche Öffnung nicht realisierbar. Will heißen: Hat man die Rumpfhälften zusammengeklebt, dann war’s das für die Inneneinrichtung. Durch die kleinen Fensterchen oder die Öffnungen der Kampfstände im Heck dürfte später kaum noch etwas zu sehen sein. Deswegen lohnt sich die Mühe kaum, die Inneneinrichtung durch irgendwelche Zusatzteile zu pimpen.

Nebenbei gesagt: Es gibt ohnehin keine Zusatzteile für diesen Bausatz. So what?

Also setzen wir nun wieder unsere Hoffnung auf die Passgenauigkeit. Diese wird sich – wie immer – erst während des Zusammenbaus zeigen. Ein klein wenig skeptisch bin ich allerdings schon, denn Revell hat bei diesem Modell nicht auf die neuen Tragflächenaufnahmen, wie sie beispielsweise bei der 1/72 Avro Lancaster Mk.I/III (Bausatz Nr. 04300) zum Einsatz kommen, zurückgegriffen.

Ich war übrigens drauf und dran, die Fischhäute an den zwei Gießästen (wobei es sich um ein und die selbe Form handelt) zu erwähnen. Aber mal ganz ehrlich: Bin ich jeck? Was soll der Scheiß? Wir haben früher Bausätze am Wickel gehabt (und haben es leider auch heute noch), bei denen die Einzelteile aus den Fischhäuten ausgesägt werden mussten. Und dann konnte man auch noch zusehen, wie man sich selbst ein paar Details hineinschnitzen konnte. Deswegen will ich mich an dieser Stelle mal überhaupt nicht aufregen – und wenn doch, dann nur über mich.

Mannomann, wenn Revell so weitermacht, dann entwickele ich mich noch zu einem richtigen Nörgelfritzen. Bei diesen Bausätzen gibt es nämlich einfach nicht genug zu meckern. Diese Dinger sind allein auf den ersten Blick so verdammt gut, dass man sich nur an Kleinigstkeiten (nein, kein Tippfehler) hochziehen kann.

Ich hasse Revell!

(Har har :-) )

That’s all, folks!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

modellbau@niels-peter-henning.com © 2014 -- Impressum, Disclaimer & lecker Kochrezepte Frontier Theme