1/72 Revell Handley Page Halifax B.I/B.II/GR.II

1/72 Revell Handley Page
Halifax
B.I/B.II/GR.II

Hersteller: Revell (Original von Matchbox)
Erscheinungsjahr: 2006 (Wiederauflage), 1979 (Original)
Hersteller-Bestellnummer: 04394
Länge: 314 Millimeter
Spannweite: 417 Millimeter
Bauteile: 155 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 21,99 € (Internet-Versandhandel, Stand April 2012)

Historisches:

1936 entwickelte die Handley Page Aircraft Company einen viermotorigen Mitteldecker. Das Muster erhielt die Nummer 56. Dummerweise erwiesen sich die vier Vulture-Triebwerke, mit denen die H.P.56 angetrieben wurden, als nicht sonderlich zuverlässig. Also wurden sie durch vier Rolls-Royce-Merlin-Triebwerke ersetzt – und das Flugzeug wurde umgetauft. So wurde aus der H.P.56 die Handley Page Halifax. Deren Erstflug fand 24. September 1939 statt.

Neben der Avro Lancaster und der Short Stirling zog die Halifax am 11. März 1940 als dritter viermotoriger britischer Bomber in den Krieg. Bis 1946 wurde die Halifax nicht nur als Bomber, sondern in verschiedenen Versionen auch als Zivilflugzeug und als Truppentransporter eingesetzt.

Bei einer Motorenleistung von jeweils 1130 – 1220 PS (versionsabhängig) brachte es die Halifax auf eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 420 km/h. Die Dienstgipfelhöhe lag bei etwa 5944 Metern. Sieben Mann waren notwendig, um das Vehikel zu pilotieren und die Waffen zu bedienen – 8 Browning-MGs in 3 Geschütztürmen. Außerdem gab es noch eine Zuladung von 5896 kg an Bomben.

Hinweis:

Ich stelle hier den alten Matchbox-Bausatz aus dem Jahre 1979 vor. Zumindest ist dieses Jahr für mich nachvollziehbar. Es existiert noch ein zweiter Revell-Bausatz zur Handley Page Halifax. Dieser ist unter der Bestellnummer 04670 erhältlich und wartet mit einer komplett neuen Bausatzform auf. Sobald dieser in meiner Schatztruhe aufschlägt (WENN er denn in meiner Schatztruhe aufschlägt), so werde ich ebenfalls darüber berichten. Doch hier kümmern wir uns zunächst um die „alte Lady“.

Der Baukasten:

Der Bausatz kommt in einem Revell-typischen Kasten mit den Abmessungen 350 mm x 210 mm x 65 mm daher. Der Kasten ist an der Seite zu öffnen. Das Titelbild zeigt die Maschine im Flug (siehe oben).

An den Seiten des Kastens finden sich die bei Revell üblichen Hinweise – Informationen über den Bausatz, einige Worte über das historische Vorbild, eine Auswahl der zu verwendenden Farben und einige Bilder eines fertigen Modells:

Beim ersten Öffnen des Kastens bleibt alles übersichtlich. Alle Gießäste sind in eine Plastiktüte verpackt. Außerdem kommen noch eine Bauanleitung, die Decals und ein Faltblatt mit Sicherheits- und Verarbeitungshinweisen angeflattert:

Papier:

Da wäre zunächst die Bauanleitung:

Diese kommt im Format DIN-A-4 hochkant daher. Auf der Titelseite findet sich ein Schwarzweißfoto eines fertigen Modells sowie einige Infos zum geschichtlichen Hintergrund, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache.

Auf Seite 2 finden sich verschiedene Verarbeitungshinweise in etlichen unterschiedlichen Sprachen. Auf Seite 3 werden sämtliche Symbole erklärt und es gibt noch einige Sicherheitshinweise. Richtig interessant wird es dann auf Seite 4, denn dort sind die Farben aufgelistet. Und zwar wie folgt (alle Angaben im Revell-Farbnummernsystem):

  • Dunkelgrün, matt 68
  • Erde dunkel, matt 82
  • Anthrazit, matt 9
  • 25% Panzergrau, matt 78 + 75% Blaugrau, matt 79
  • Grüngrau, matt 67
  • Weiß, matt 5
  • Panzergrau, matt 78
  • Gelb, matt 15
  • Hautfarbe, matt 35
  • Ocker, matt 88
  • Schwarz, matt 8
  • Lederbraun, matt 84
  • Grau, matt 57
  • 66% Anthrazit, matt 9 + 34% Aluminium, metallic 99
  • Rost, matt 83
  • Aluminium, metallic 99

Ab Seite 5 geht es dann an’s Eingemachte. Zunächst gibt es noch einmal eine Übersicht über die Teileanordnung an den Gießästen, dann startet die Beschreibung des Zusammenbaus. Diese erstreckt sich über insgesamt 40 Bilder bis auf Seite 11. Danach folgt die Bemalungsanleitung sowie die Anleitung zur Platzierung der Decals. Hierfür benötigt Revell noch einmal drei Seiten – jeweils eine für jede der drei möglichen Versionen. Diese sind:

  • Handley Page Halifax B.Mk.I, geflogen von Pilot Officer Christopher Cheshire, No.76 Squadron, RAF Middleton-St.George, 1941
  • Handley Page Halifax B.Mk.II Srs.I, No. 138 Squadron, RAF Stradishall, 1942
  • Handley Page Halifax GR.Mk.II Srs.IA, No.58 Sqadron, RAF St. David’s, 1944

Hierbei habe ich die letztgenannte Verison bereits als meinen Favoriten ausgeguckt, denn diese weist nicht nur eine interessante Lackierung (oben Flecktarnung, unten weiß) auf, sondern lässt durch einen geänderten Bug auch ein wenig die Ähnlichkeit zur Lancaster vermissen. Da noch eine Lancaster in meiner Schatztruhe wartet, möchte ich die beiden Modelle gerne ein wenig voneinander abgrenzen, wozu sich die Halifax GR.Mk.II bestens eignet.

Die Decals bieten keine großen Überraschungen. Der Bogen ist recht übersichtlich und es sollte keine Schwierigkeiten bereiten, die verhältnismäßig kleinen Abziehbilder auf dem Modell zu platzieren. Großflächige Decals oder lange Linien gibt es nicht.

Soviel zum Papierkrieg. Den Running-Gag mit dem Faltblatt für die Sicherheitshinweise spare ich mir an dieser Stelle. Irgendwann ist der einfach nicht mehr witzig …

Die Bauteile:

Aber nun geht es los mit dem eigentlichen Spaß. Doch so rasant ich mit diesem auch starte, so schnell hört der Reigen auch wieder auf, denn es geht um lediglich fünf Gießäste. Und diesmal beginnen wir mit den Klarsichtteilen:

Diese sind recht dick ausgefallen und warten mit sehr klaren, kräftigen Strukturen auf, was die Bemalung sehr erleichtern dürfte. Die Teile sind durchweg sauber gegossen und sollten sich problemlos vom Gießast trennen lassen, ohne die klaren Flächen zu beschädigen.

Wie man an den folgenden vier Gießästen sieht, folgt die Aufteilung der Bauteile keinem bestimmten Schema. Deswegen hier einfach die vier Bilder ohne separaten Kommentar:

Auffallend ist die saubere Verarbeitung aller Teile. Es gibt kaum übermäßige Gießgrate oder Fischhäute. Für einen Bausatz dieses Alters ist das eine beachtliche Qualität, wie ich finde. Doch anders ist man es eigentlich von den ehemaligen Matchbox-Bausätzen nicht gewohnt. Allerdings ist nicht alles Gäld, was glonzt. Verschiedene Unsauberkeiten fallen erst auf, wenn man genauer hinschaut. Dazu aber später mehr.

Die Details:

Nach dem Gesamtüberblick schauen wir nun einmal genauer hin. Und mit den Armaturen fangen wir an:

Gerade die Detaillierung des Cockpits ist – gemessen am Alter des Bausatzes – sehr ansprechend ausgefallen. Die Details sind erhaben dargestellt, was zum Trockenmalen einlädt – sofern man nicht zu den mitgelieferten Decals greifen möchte, versteht sich.

Auch das Instrumentenbrett ist hübsch ausgearbeitet und kann entsprechend coloriert werden. Die aufgesetzte Kabinenhaube der Halifax kann anschließend ohne Weiteres abnehmbar gestaltet werden, sodass ein gut in Szene gesetztes Armaturenbrett später nicht in der Unsichtbarkeit versinken muss.

Pilot, Copilot und Bombenschütze sind ebenfalls im Bausatz enthalten. Die Figuren sind sehr gut proportioniert und lassen sich mit Sicherheit gut bemalen. Deswegen steht bereits jetzt für mich fest, diese drei Kameraden auch später im Bausatz einzusetzen.

Das „Handwerkszeug“ der Borschützen ist vollzählig vorhanden und sogar recht gut ausgearbeitet. Hierbei sollte man nur an andere Bausätze im gleichen Maßstab denken, bei denen die Bordwaffen lediglich durch dünne, unkonturierte Plastikstangen dargestellt sind. Dagegen ist dies hier schon sehr ansprechend!

Weiter geht es an der Außenseite. Auch hier sind verschiedene Details zu sehen, von denen einige auch entsprechende Strukturen enthalten – wie beispielsweise diese Antenne, die an der Rumpfoberseite angebracht wird.

Das bullige Hauptfahrwerk ist auch gut in Szene gesetzt. Mit den Rädern lässt sich einiges an Trockenmalerei betreiben.

Das Leitwerk wartet mit deutlich ausgeprägten versenkten Gravuren auf. Gleiches gilt für die Tragflächen:

Damit endet jedoch leider die Herrlichkeit an der Rumpfaußenseite, denn der Rumpf selbst weist – im Gegensatz zu den Tragflächen – erhabene Strukturen auf. Außerdem gibt es die eine oder andere Sinkstelle zu bemängeln. Einige Auswerfermarken im direkten Sichtbereich gibt es übrigens auch, doch diese beschränken sich hauptsächlich auf die Innenausstattung. Diese Unsauberkeiten lassen sich aber sicherlich mit relativ geringem Aufwand beseitigen.

Super oder Diesel?

SUPER DIESEL
Obwohl dieser Bausatz bereits einige Monde auf dem Tachometer hat, macht er hinsichtlich seiner Qualität eine sehr gute Figur … … wobei allerdings die Strukturen stellenweise etwas grobschlächtig daherkommen und hier und dort Auswerfermarken und Sinkstellen korrigiert werden müssen.
Der Bausatz bietet die Möglichkeit, das Modell in drei unterschiedlichen, interessanten Versionen darzustellen. Einige Details kommen etwas klobig daher – eine Tatsache, die ebenfalls durch das Alter des Bausatzes erklärt werden kann.
Trotz des kleinen Maßstabes gibt es wenig Fummelarbeit, sodass sich durchaus auch ein Anfänger an diesen Bausatz heranwagen kann.  

Es reizt natürlich schon, sich diesen Bausatz einmal im Vergleich zum aktuellen Modell von Revell anzuschauen, doch diese Möglichkeit ist mir heute leider nicht gegeben. Doch das muss auch nicht sein, denn allein der vorliegende Bausatz macht einen sehr guten Eindruck. Ein absoluter Neueinsteiger, der sich nur mit den aktuellen Revell-Bausätzen auskennt, wird vielleicht die Augenbrauen in die Höhe reißen und ausrufen: „Was ist das denn für ein Scheiß?“ Ich hingegen habe noch deutlich vor Erscheinen dieses Bausatzes im Jahr 1979 mit dem Modellbau angefangen und erinnere mich noch sehr gut an die Qualität der damaligen Modelle. Deswegen weiß ich die Qualität des vorliegenden Materials zu schätzen. Aber das war man zu dieser Zeit von Matchbox ohnehin gewohnt. Dass es auch heute noch sehr viel schlechter gehen kann, beweist beispielsweise Airfix immer wieder gerne.

Als Fazit kann ich daher sagen, dass ich mich schon auf den Zusammenbau freue und – basierend auf diesem ersten Eindruck – auch jederzeit eine Kaufempfehlung aussprechen würde. Leider hat Revell diesen Bausatz jedoch aus dem Programm genommen. Wieso auch nicht, denn schließlich gibt es ja einen Nachfolger.

That’s all, folks!

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