1/24 Revell Gemini Space Capsule

1/24 Revell Gemini
 
Space Capsule


 
 

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 1965 (Wiederauflage 2012)
Hersteller-Bestellnummer: 00028
Länge: 254 Millimeter
Spannweite/Breite: 127 Millimeter
Anzahl der Bauteile: 91 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: 22,99 € (UPE des Herstellers, Stand April 2012)

 
 

Historisches zu einem historischen Bausatz:

 
 
Im Rahmen des Gemini-Programms testete die NASA von 1965 – 1969 verschiedene Technologien, die später im Apollo-Programm Verwendung finden sollten. Dazu fanden zehn bemannte Raumflüge statt, bei denen die Astronauten unter anderem auch Weltraumspaziergänge (EVA – Extra Vehicular Acitivities) durchführten. Dabei steckten die Burschen in mehrschichtigen Raumanzügen, von denen jeder einzelne 13 kg wog (was in der Schwerelosigkeit allerdings kaum ins Gewicht fiel) (Anmerkung für humorlose Idioten: Das war gerade ein Witz, das muss nicht todernst kommentiert werden!).

Wenn ich die Packungaufschrift richtig deute, dann sollte es sich beim vorliegenden Bausatz um die Kapsel von Gemini 3 handeln. Dieses startete am 23.März 1965 und kehre knapp fünf Stunden später auch wieder zur Erde zurück. An Bord waren Virgil Grissom und John Young. Beide absolvierten den ersten Zwei-Mann-Flug in den Weltraum, der je gestartet wurde.

Die Kapsel selbst war für damalige Zeiten ein absolutes Wunderwerk. Sie verfügte sogar über einen Bordcomputer, mit dessen Hilfe Navigationsberechnungen durchgeführt werden konnten. Dieser Computer verfügte allerdings nur über die Speicherkapazität eines elektrischen Rührstabes und wurde deswegen in späteren Versionen der Gemini-Kapsel mit einem Magnetbandlaufwerk erweitert.

Noch ein Wort zum Bausatz selbst: Revell hat diesen im Rahmen des „Classics“-Programms als limitierte Sonderausgabe herausgebracht. 5000 Stück sind im Handel erhältlich – und ich habe eines davon. Die Originalform stammt aus dem Jahr 1965. Damit ist sie älter als ich – und bei mir sind die Details schon nicht besonders gut! Im Rahmen dieser Vorstellung kann dieser Bausatz daher keinesfalls mit heutigen Maßstäben gemessen werden. Ein faires Fazit ist damit im Grunde nicht möglich. Deswegen will ich mich am Ende der Vorstellung ein wenig zurückhalten.
 
 

Der Baukasten:

 
 
Dieser kommt ganz zeitgemäß daher. Mit den Abmessungen 380 mm x 235 mm x 75 mm ist er kein Riese. Wie bei Revell üblich, lässt sich der Baukasten an der Seite öffnen. Auch die Beschriftungen entsprechen dem Revell-Standard: Auf einer Seite ein kurzer historischer Abriss zum Vorbild des Modells in mehreren Sprachen, auf der anderen Seite einige Hinweise zum Bausatz sowie zu den zu verwendenden Farben. Eine Ausnahme zum Revell-Üblichen gibt es auch: Es sind keine Fotos eines fertigen Modells vorhanden.

Öffnet man den Kasten, so kommt einem ein ziemlich wüster Teilestapel, nur in Zaum gehalten von einer Plastiktüte, entgegen. Außerdem gibt es eine Bauanleitung, ein Faltblatt mit Sicherheitshinweisen und einen kleinen Decalbogen (der sich anfangs im Sicherheitsfaltblatt versteckte und nicht herauskommen wollte). Auf Überraschungen wartet man vergebens – das war schon alles. Wie sich später zeigt, muss es auch gar nicht mehr sein.
 
 

Papierkrieg:

 
 

Die Bauanleitung fällt sofort auf, denn diese ist nicht im inzwischen beinahe üblichen A4-Format gehalten. Stattdessen handelt es sich um ein doppeltes Faltblatt im A3-Format!

Die weitere Aufteilung entspricht allerdings schon eher dem Revell-Standard. Die erste Seite zeigt das Titelbild und einige Hintergrundinformationen zur Gemini-Kapsel in deutschen und in englischer Sprache. Auf Seite 2 folgen dann die üblichen Warnhinweise. Seite 3 zeigt die Legende der Symbole und auf Seite 4 werden dann die Farben erläutert. Diese Auflistung ist umfangreicher als erwartet. Hier die Farben (im Revell-Nummernsystem):

  • Hautfarbe, matt 35
  • Weiß, seidenmann 301
  • Weiß, matt 5
  • 90% Dunkelgrau, seidenmatt 378 + 10% Schwarz, matt 8
  • 80% Hellgrau, seidnematt 371 + 20% Grau, seidenmatt 374
  • Schwarz, matt 8
  • Farngrün, seidenmatt 360
  • Feuerrot, seidenmatt 330
  • Silber, metallic 90
  • Grau, matt 57
  • Aluminium, metallic 99
  • Bronze, metallic 95
  • Beige, seidenmatt 314
  • 80% Farngrün, seidenmatt 360 + 20% Laubgrün, seidenmatt 364
  • Grau, seidenmatt 374
  • Holzbraun, seidenmatt 382

Anschließend folgt auf Seite 5 noch ein kurzer Überblick über die Gießäste. Dann geht es mit dem Zusammenbau los. Dieser wird auf 30 Bildern bis auf Seite 7 beschrieben. Dann folgt noch die Bemalungsanleitung auf Seite 8, im Rahmen derer auch die Anbringung der Decals erläutert wird.

Der Decalbogen sieht auf den ersten Blick ziemlich beeindruckend aus. Dies relativiert sich jedoch, wenn man ihn in der Hand hält, denn er ist kaum größer als ein Notizzettel. Dennoch ist schon einiges vorhanden, um etwas Farbe an das Modell zu bekommen.
 
 

Die Bauteile:

 
 
Es dauert einen Augenblick, bis man den Kuddelmuddel der Bauteile entwirrt hat, ohne etwas kaputt zu machen. Was dabei herauskommt, lässt sich nur schwer kommentieren, weil die Teile ziemlich willkürlich verteilt sind. Deswegen hier einfach eine kommentarlose Übersicht über die einzelnen Gießäste:

Nun gut, ein kleiner Kommentar vielleicht zu den Klarsichtteilen:

Diese sind nicht allzu zahlreich, doch es ist ein nettes Gimmick enthalten: Zwei dieser Scheibchen stellen die Helmvisiere der beiden Astronauten dar. Man kann die Gesichter also detailliert bemalen und anschließend die Scheiben darüber pappen. Das finde ich recht ansprechend.
 
 

Die Details:

 
 
Oha, nun kommt ein reichlich kurzer Abschnitt. Wirklich erwähnenswert ist eigentlich nur ein einziges Teil:

Das Armaturenbrett. Im Grunde genommen gibt es nur hier einige echte Feinheiten.

Dies will allerdings nicht heißen, der Bausatz komme völlig undetailliert daher. Viele Details werden durch relativ kleine Fummelteile dargestellt. Eine ganze Menge fehlt allerdings auch – vermutlich, weil es die Bausatzformentechnik der 60er Jahre einfach nicht hergab.
 
 

Gemaxi oder Gemini?

 
 

GEMAXI: GEMINI:
Ein toll dimensionierter Bausatz – ideal als Schreibtischschmuck für den Weltraum-Fan! Unglaubliches Durcheinander in der Teiletüte, was beim Auspacken zu Beschädigungen führen kann.
Es ist schön zu sehen, zu welchen Leistungen Revell bereits in den 60er Jahren fähig war … … doch gerade die jüngere Modellbauergeneration, die die neuen Revell-Formen gewohnt ist, wird hierüber möglicherweise die Nase rümpfen.
Relativ große Teile, daher einfacher Zusammenbau, was das Modell auch für Anfänger interessant macht. Wie es mit der Passgenauigkeit steht, wird man allerdings erst noch sehen müssen.

Mal ehrlich: Bei den negativen Punkten habe ich mir ganz schön etwas aus den Fingern gesaugt. „Durcheinander in der Teiletüte“ – das ist schon ziemlich an den Haaren herbei gezogen! Wer beim Auspacken eines Modellbausatzes zu unkontrollierten Bewegungen neigt, der könnte ebenso gut versehentlich eine komplette Tube Kleber auf ein Klarsichtteil quetschen.

Ganz ohne Ernst: Dieser Bausatz ist eine große alte Dame. Revell spendiert ihr ein Comeback – und ich bin sicher, genau so möchte Revell das auch verstanden haben. Dabei unterstreicht der weltgrößte Modellbauhersteller seine Kompetenz, indem er zeigt, was bereits vor gut 50 Jahren technisch machbar war. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, stellt dieser Bausatz ein Meisterwerk an Detailfülle dar.

Natürlich muss man noch abwarten, ob meine positive Einstellung zu diesem Baukasten auch noch währt, nachdem ich die Passgenauigkeit kennen gelernt habe. Alles in allem kann ich aber heute schon sagen, dass ich mich auf den Zusammenbau freue und auch dazu geneigt bin, dieses Modell direkt aus dem Kasten zu bauen – nur um zu sehen, wie es sich dann macht.

That’s all, folks!

2 Comments

Add a Comment
  1. Hallo

    ich habe mal eine Frage. Ich bin schon seit einiger Zeit auf der Suche nach den Modellsatz Revell Gemini Space Capsule 1/24. Leider ist dieser schon längst vergriffen. Ich wollte daher fragen ob du vielleicht noch einen Satz hast? Wenn ja würdest du den mir verkaufen? Wenn nicht kannst du mir weitere Adressen geben wo ich noch suchen kann?

  2. Moin Sebastian,

    leider habe ich keinen ungebauten Bausatz mehr in meiner Schatzkiste. Ich habe mich einmal ein wenig umgetan, bin aber leider kaum fündig geworden. Tatsächlich ist gerade jetzt im Moment noch ein einziges Exemplar bei Amazon erhältlich, allerdings zum Schweinepreis von 59 Euro, was ich doch arg happig finde. Es lohnt sich aber in jedem Fall, bei ebay am Ball zu bleiben. Derzeit sieht es da zwar mager aus, doch die Gemini Capsule taucht immer wieder einmal auf.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

modellbau@niels-peter-henning.com © 2014 -- Impressum, Disclaimer & lecker Kochrezepte Frontier Theme