1/48 Revell Apollo: Lunar Module Eagle

1/48 Revell
 
Apollo: Lunar Module Eagle


 
 

Hersteller: Revell
Erscheinungsjahr: 1982 (Datum auf dem Bausatz angegossen)
Hersteller-Bestellnummer: 04828
Länge: 207 Millimeter (Basisplatte)
Spannweite: 195 Millimeter (Basisplatte)
Bauteile: 67 (Herstellerangabe)
Kaufpreis: ab 12,99 Euro (Internetversandhandel, Stand April 2012)

 
 

„The Eagle has landed!“

 
 
Am 20. Juli 1969 setzte das Landemodul LM-5 mit dem Codenamen „Eagle“ im Meer der Ruhe auf dem Mond auf. Das Unternehmen Grumman hatte das Modul konstruiert und hergestellt. Damit war die „Eagle“ eines von insgesamt 16 LMs, die produziert wurden.

Die Landefähre bestand im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Der Abstiegsstufe und der Aufstiegsstufe. An der Abstiegsstufe befanden sich die vier Landebeine der Fähre. Außerdem beherbergte diese Stufe den Treibstoff und die Batterien zur Stromversorgung.

Die Aufstiegsstufe beherbergte neben dem Aufstiegstriebwerk die gesamte Elektronik, das Lebenserhaltungssystem, die Manövriertriebwerke … ach ja, und die beiden Jungs, die nach der Landung auf dem Mond umher tappten.

Nach dem Abschluss der Mission hob die Aufstiegsstufe am 21. Juli 1969 vom Mond ab. Die Abstiegsstufe blieb zurück und kann noch heute auf dem Mond besichtigt werden. Nachdem die Mannschaft wieder in das Servicemodul „Columbia“ übergewechselt hatte, wurde die Aufstiegsstufe abgekoppelt und stürzte später unkontrolliert auf dem Mond ab.
 
 

Der Baukasten:

 
 
Unter dem Motto „40 Jahre Mondlandung“ hatte Revell den Baukasten 2009 neu aufgelegt. Ursprünglich stammt der Bausatz aus dem Jahr 1982. Als kleine Zugabe zum Jubiläum hat Revell noch einige Farben, einen Pinsel und Klebstoff beigepackt. Damit kann also auch der Anfänger gleich loslegen.

Der Baukasten kommt mit den Abmessungen 368 Millimeter x 235 Millimeter x 57 Millimeter (L x B x H) daher und zählt daher nicht zu den Riesen unter den Kästen.

Fotos des Prototyp-Modells an der Seite des Baukastens.

Auf der Seite des Kartons finden sich drei Bilder eines Prototypen-Modells. Außerdem die üblichen Hinweise, ein kleines historischer Abriss und Infos zum Modell, wie z. B. Anzahl der Teile oder eine Übersicht über die wichtigsten Farben.

Das erste Öffnen des Baukastens: Ein ordnetlicher Stapel als Inhalt.

Um den Inhalt aus der Verpackung zu bekommen, muss man ein wenig ziehen, denn die Plastiktüte mit den Teilen passt saugend in die Schachtel. Der Papierkram tut als Füllmaterial dann sein Übriges.

Heraus kommen eine Plastiktüte mit Teilen in silbergrauem Plastik, eine Tüte mit vier kleinen Farbtöpfchen, einem Pinseln und Klebstoff sowie die Bauanleitung. In der Bauanleitung finden wir noch das obligatorische Blatt mit den Sicherheitshinweisen, die Decals, golden eingefärbte Alufolie und ein Stück durchsichtiges Plastik. Das ist schon einmal ein recht ungewöhnlicher Lieferumfang für einen Bausatz, muss ich zugeben.
 
 

Papierkrieg:

 
 
Zentrales Element des Papierkrieges ist natürlich die Bauanleitung:

Diese ist im Format DIN-A-4 gehalten und zeigt auf dem Titelblatt ein Foto des Prototypen-Modells. Außerdem gibt es einige Informationen über die Mondlandung im Jahr 1969, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache.

Auf Seite zwei folgen dann einige Sicherheitshinweise in verschiedenen Sprachen, während auf der dritten Seite die Symbole der Bauanleitung erkärt sind. Auf Seite vier ist schließlich die recht übersichtliche Farbtabelle zu finden. Hier die Farben (angegeben im Revell Farbnummernsystem):

  • Weiß, seidenmatt 301
  • Anthrazit, matt 9
  • Silber, metallic 90
  • Gold, metallic 94
  • Eisen, metallic 91
  • Steingrau, matt 75
  • Grau, matt 57

Bevor es dann auf Seite 5 mit dem Zusammenbau losgeht, gibt es noch eine Übersicht über die Position der einzelnen Bauteile an den Gießästen. Erst dann ist der Zusammenbau auf insgesamt 29 Bildern beschrieben. Die Bemalung und die Decals werden dabei gleich im laufenden Prozess mit abgehandelt.

Die Decals.

Der Decalbogen gestaltet sich recht übersichtlich. Allzu viele Hoheitszeichen und Wartungshinweise gibt es nicht. Stattdessen liegt das Hauptgewicht eindeutig auf der US-Fahne, die von den Astronauten auf dem Mond gehisst wurde.

Dem Bausatz liegt übrigens noch ein nettes Gimmick bei, das zwar nicht zu 100% in die Rubrik „Papier“ passt, hier aber dennoch sehr gut aufgehoben ist:

Ein Stück gülden eingefärbte Alufolie! Damit soll die Isolierung, hauptsächlich an der Landestufe des LM, simuliert werden.
 
 

Zusätzlich im Baukasten enthalten:

 
 

Bei dieser Super-Hyper-Special-Edition des Bausatzes hat Revell gleich noch die wichtigsten Farben sowie ein wenig Klebstoff als Packungsbeilage spendiert. Dummerweise fehlt die Beschriftung bei den Farben, sodass man erst nach dem Öffnen herausbekommt, dass es sich um Aqua-Colors handelt. Zumindest habe ich nirgendwo auf der Verpackung oder der Bauanleitung einen Hinweis darauf gefunden, um welche Sorte Farben es sich handelt …
 
 

Die Bauteile:

 
 
Nun aber zum wichtigsten Inhalt des Kastens: den Bauteilen. Und wir beginnen nicht mit den einzelnen Gießästen, sondern mit etwas ganz anderem:

Ein Streifen aus durchsichtigem Kunststoff.

In einem separaten Plastiktütchen flattert einem aus dem Kasten ein durchsichtiger Kunststoffstreifen entgegen, der aussieht, als sei er aus einer Blisterverpackung ausgeschnitten worden. Erst beim Durchsehen der Bauanleitung ergibt dieser Kunststoffstreifen einen Sinn, denn aus ihm sollen die beiden dreieckigen Fenster des LM geschnitten werden. Der Streifen reicht übrigens für gut und gerne 25 Fenster … man sollte sich also keine allzu großen Sorgen um Verschnitt machen. Ein wenig seltsam mutet das Ganze aber doch an.

Die Basisplatte und die Astronauten.

Am ersten „richtigen“ Gießast dominiert dann die Basisplatte, die ein Stück Mondlandschaft darstellt. Da die Mondoberfläche eher langweilig ausgefallen ist, gibt es zur Basisplatte eigentlich nicht viel zu sagen.

Teile der Landestufe.

Am zweiten Gießast befinden sich das Ober- und Unterteil der Landestufe sowie die Sauerstofftanks.

Die Startstufe.

Geißast Nummer drei beherbergt hauptsächlich Teile der Startstufe – darunter auch die beiden „Rumpfhälften“, die dem Lunar Module seine charakteristische Form geben.

Weitere Teile der Startstufe.

Am letzten Gießast finden sich dann noch einmal Teile der Startstufe.
 
 

Die Details:

 
 
Oha, nun wird es schwierig, denn an dieser Stelle offenbart der Bausatz einige desaströse Defizite!

Nehmen wir einmal an, dies hier sei Armstrong ...

... und das hier sei Aldrin.

Schaut man sich alleine die beiden Astronauten an, so wirken diese schon irgendwie ein wenig … gnubbelig. Sie erinnern weniger an die Astronauten, wie man sie von den Bildern der Apollo-11-Mission kennt, sondern vielmehr an irgendwelche Phantasiegstalten aus einem 60er-Jahre-Science-Fiction-Film.

Das ist NICHT original!

Beinahe völlig gaga: Der Copyright-Hinweis liegt mitten im Sichtbereich an der Außenseite eines Teils. Allerdings nur beinahe gaga, denn laut Bauanleitung soll dieser Teil später mit der Goldfolie abgedeckt werden.

Damit endet auch schon die Rubrik über die Details, denn sehr viel mehr ist hier nicht zu erwähnen. Das ist einigermaßen traurig, doch es spiegelt leider die Qualität dieses Bausatzes wieder.
 
 

Mond oder Keller?

 
 

MOND KELLER
Ein angenehmer Maßstab für ein Standmodell, das beispielsweise als Schreibtischdekoration dienen soll. Sehr schwache Detaillierung.
Einfacher Zusammenbau, daher auch für Anfänger geeignet … … sofern diese mit dem Anbringen der Goldfolie zurecht kommen.

Nein, sehr viel mehr fällt mir zu diesem Bausatz nicht ein.

Gerade neulich hatte ich beim Modellbauhändler einen vergleichbaren Bausatz von Dragon in den Händen. Dieser sollte ca. 70 € kosten. Ich fragte mich seinerzeit, was diesen Preis wohl rechtfertigt. Nun, als ich sah, auf welche Details Revell anno 1982 verzichtet hat, konnte ich es mir ungefähr vorstellen!

Es geht schon gleich mit der völlig konturlosen Startstufe los. Inneneinrichtung = Fehlanzeige. Nun gut, das ist noch nachvollziehbar, denn vom Innenleben bekommt man in der Tat reichlich wenig mit. Einblick gewähren nur die beiden dreieckigen Fenster, und durch die dürfte kaum etwas zu erkennen sein. Umso erstaunlicher, dass im Inneren der Kapsel einer der beiden Astronauten platziert werden soll. Wozu? Er wäre doch viel besser außerhalb des LM zur Geltung gekommen. Die Bastellösung mit den beiden Fensterscheiben ist übrigens auch nicht das Grüne vom Ei …

Weiter geht es mit der Startstufe selbst: Wer sich Fotos vom Original anschaut, der erkennt, dass das gesamte LM mit Abschirmungspaneelen beplankt ist. Diese Paneele sind leicht wellig, was der gesamten Startstufe einen etwas „zerknitterten“ Look verleiht. Revell hat sich diese Strukturen komplett gespart. Stattdessen wird auf Farbgebung gesetzt, was aber keinesfalls ein Ersatz für die fehlenden Gravuren ist.

Und es gibt noch weitere Punkte, die extrem von Original abweichen. So soll beispielsweise die gesamte Landestufe in Goldfolie gepackt werden. Das ist nicht ganz falsch, doch es stimmt auch nicht uneingeschränkt. Es gab durchaus Partien an der Landestufe, die nicht von der Goldfolie bedeckt waren. Und von fehlenden Kabeln und anderen Leitungen will ich gar nicht erst anfangen – das würde eine größere Sache.

Wie man sieht, ist die Sollseite bei diesem Bausatz schon ziemlich erdrückend. Auf der Habenseite bleibt in diesem Fall eigentlich nur der günstige Preis, zu dem das LM derzeit angeboten wird. Außerdem sollte man beim Blick auf das Produktionsjahr ruhig ein Auge zudrücken. Und wie die Fotos an der Seite des Baukastens zeigen, ist mit guter Farbgebung auch noch einiges zu retten, wenn man das Modell aus dem Kasten baut.

Natürlich muss das alles aber nicht heißen, dass dieser Bausatz für die Tonne ist. Leute, die gerne selbst ein wenig fuddeln, werden ihren Spaß haben. So geht es auch mir, denn ich habe inzwischen mit dem Zusammenbau begonnen und angefangen, die komplette Startstufe neu zu beplanken. Mit dünner Plastikplatte ist das überhaupt kein Problem. Viele weitere Details lassen sich mithilfe von Blumendraht, Rödeldraht oder gezogenen Gießästen ohne Weiteres improvisieren. Auf diese Weise wird es mit Sicherheit gelingen, aus diesem Bausatz noch einen echten Hingucker zu machen.

That’s all, folks!

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