Fotoätzteile verarbeiten

Verarbeiten von Fotoätzteilen

 

Eine kleine Einführung am Beispiel eines Sitzgurtes

 
 
Vor meinem ersten Kontakt mit Fotoätzteilen wusste ich im Grunde nur zwei Dinge über diese Teile: Sie sind fürchterlich klein und sie werden aus Metall hergestellt. Daraus ergaben sich für mich diverse Fragen. So wusste ich beispielsweise nicht, wie ich etwas so Kleines handhaben sollte. Außerdem war mir nicht klar, welchen Klebstoff man am Besten für Metallteile benutzt. Falls jemand mit den gleichen Fragen kämpft, so findet er hier eine kleine Anleitung für den Einstieg:

Die Werkzeuge

Hier die Werkzeuge, die ich für die Verarbeitung der Ätzteile verwende. Von links nach rechts: Einen oder mehrere Zahnstocher, eine kleine Kombizange, dünnflüssiger Sekundenkleber (in diesem Fall aus dem Hause Uhu), eine Nagelfeile (gibt es im Drogeriemarkt im Zehnerpack für kleines Geld), ein scharfes Modellbaumesser und eine Pinzette.


 
Teile vom Trägermaterial trennen.

Um ein Fotoätzteil zu verarbeiten, muss man es zunächst von seinem Träger trennen. Hierzu schneide ich die Verbindungen zum Träger dicht beim Teil durch. Ein kurzer Druck mit der Klinge des Modellbaumessers genügt in der Regel.


 
Ein Teil im Größenvergleich

Um die Arbeiten zu veranschaulichen und zu zeigen, dass alles keine Hexerei ist, habe ich mir für den Einstieg übrigens gleich ein ziemlich kleines Teil ausgesucht - hier ein Größenvergleich mit einem Euro-Cent.


 
Entgraten des Teiles.

Um nun die Überreste des Trägermaterials loszuwerden, packe ich das Teil mit der Spitze der Kombizange - und zwar so, dass nur ein winziges Stück mit der abzuschleifenden Ecke über die Spitze der Zange hinaus ragt. Je kleiner dieses Stück, desto besser, denn auf diese Weise wird ein Verbiegen des Teils beim Schleifen weitestgehend verhindert. Dann ziehe ich die Feile sehr, sehr vorsichtig über das Teil, bis der Grat verschwunden ist.


 
Ätzteile verbiegen

Nach dem Entgraten müssen manche Ätzteile gebogen oder geknickt werden. Wichtig ist dabei, den Knick bzw. die Biegung präzise anzusetzen. Ich habe mir hierzu als Beispiel ein Stück Gurt zur Hand genommen und mit der Pinzette entlang der Stelle gepackt, an der später der Knick sitzen soll. Ein leichter Druck mit einem Zahnstocher (bei größeren Teilen tut's auch der Fingernagel), und schon biegt man das Teil exakt an der richigen Stelle nach unten.


 
Klebstoff vorbereiten.

Um Ätzteile miteinander zu verkleben, empfiehlt es sich, nicht direkt mit der Kleberflasche heranzugehen. Das könnte in eine üble Sauerei ausarten! Stattdessen gebe ich zunächst einen wohl dosierten Tropfen Klebstoff auf die Spitze eines Zahnstochers. Sollte hier etwas schiefgehen, dann kostet es mich nur einen Zahnstocher, nicht aber ein wertvolles Fotoätzteil.


 
Klebstoff auftragen.

So lange der Kleber noch flüssig ist, trage ich ihn mithilfe des Zahnstochers auf das entsprechende Teil auf. Dieses fixiere ich dabei mit der Pinzette, damit das Teil nicht am Zahnstocher festpappt. Ob ich den Zahnstocher zum Teil (wie hier gezeigt) oder das Teil zum Zahnstocher führe, hängt davon ab, wie ich mit der Pinzette zugreifen kann und wie das Teil schlussendlich verarbeitet werden soll.


 
Ankleben.

In diesem Fall habe ich den Zahnstocher zum Teil geführt, weil dieses anschließend liegen bleibt, während ein anderes Teil darauf geklebt wird. Dieses andere Teil (in unserem Beispiel der Rest des Sicherheitsgurtes) bringe ich mit der Pinzette in Position, platziere es vorsichtig und drücke dann mit der Spitze der Pinzette kurz auf die Klebestelle, um die Sache zu fixieren. Dabei ist Vorsicht geboten, damit die Pinzette nicht festklebt!


 
 
Bitte versteht dies nur als eine kleine Hinführung zum Thema. Sobald Ihr selbst mit Fotoätzteilen areitet, werdet Ihr sehen, dass es immer wieder Situationen gibt, auf die hier nicht eingegangen wurde. Je nachdem, mit welchen Teilen man hantiert, muss man stellenweise einfach ein bisschen einfallsreich sein, um diese Dinger an ihrem Bestimmungsort zu fixieren.

Hier noch einige Tipps:

  • Auch wenn man gute Augen hat – der Einsatz einer Lupe empfiehlt sich in jedem Fall. Die Augen neigen (gerade mit zunehmenden Alter) doch recht schnell zum Ermüden und bei so kleinen Teilen erkennt man dann recht bald überhaupt nichts mehr.
  • Vorsicht mit dem Sekundenkleber! Dieses Zeug braucht einen kleinen Augenblick, um anzuziehen. Doch wenn es anzieht, dann tut es das richtig und es bleiben kaum noch Korrekturmöglichkeiten.
  • Vorsicht beim Hantieren mit den Teilen! Gerade die winzigen Teilchen gehen gerne einmal verloren. Selbst auf einem aufgeräumten Basteltisch kann es abenteuerlich werden, ein desertiertes Hebelchen oder ein Gurtschloss wiederzufinden. Ist das Teil gar vom Tisch gefallen, dann war’s das in der Regel. Deswegen sollten Teile, die schon vorbereitet sind, aber noch nicht sofort verbaut werden können, am Besten in einer kleinen Schale oder einem ähnlichen Gefäß aufbewahrt werden.

That’s all, folks!

1 Comment

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  1. Hallo Herr Henning,

    vielen Dank – super toll erklärt. Vor allem sehr verständlich !
    Ich hatte auch so meine Fragen & Probleme über die Ätzteile, z.B. im Plastikmodellbau. Jetzt werde ich mir einen Ausbausatz für die Hawker Hurricane 1:24 bestellen. Sie haben mir Mut gemacht!
    Viele Grüße, A.Wild

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