Trockenmalen

Die Trockenmalerei (auch gerne neudeutsch als „Drybrushing“ bezeichnet) kommt immer dann zum Einsatz, wenn es gilt, winzige Details hervorzuheben.

Manchmal ist auch der feinste Pinsel zu grob, um bestimmte Details zu lackieren – denken wir hier nur an die kleinen Zeiger auf Armaturenbrettern oder winzige Knöpfe. Manchmal gilt es aber auch, Kanten zu betonen, indem man diesen einen leichten Hauch von Farbe gibt. Der Airbrush ist hierfür meist nicht fein genug und mit einem Pinsel würde der Farbauftrag viel zu heftig.

Wir bleiben aber beim Pinsel!

Ich habe da mal etwas vorbereitet:

Dieses Armaturenbrett aus meinem aktuellen Projekt, dem 1/32 Trumpeter F-5 Fighter (MiG-17F), möchte ich gerne so bearbeiten, dass später alle Instrumente sauber zu erkennen sind. Hierzu habe ich das ganze Ding zunächst mit einer mattschwarzen Farbschicht überzogen – wie es auch beim Original der Fall ist.

Um die Instrumente sichtbar zu machen, benötige ich nur drei Dinge: Die passende Farbe, einen mittelstarken Pinsel und ein Stück Küchenkrepp (hier im Bild nicht zu sehen – ich bin aber sicher, Ihr wisst, wie so etwas aussieht).

Lustigerweise habe ich auf diesem Bild eine Tamiya-Farbe abgelichtet. Genau das ist so ziemlich das Falschste, was ich Euch empfehlen könnte! Tatsächlich habe ich mit exakt dieser Farbe (XF-2, matt Weiß) nämlich einen dicken Reinfall erlebt. Die Pigmente sind derart groß, dass man damit Basketball spielen könnte – oder Melonenweitwurf. Zum Sprühen sind die Tamiya-Acryls einsame Spitze, aber zum Trockenmalen empfehle ich den Einsatz beispielsweise von Revell Aqua-Colors. Die funktionieren absolut perfekt!

Nun gilt es, einerseits Farbe aufzunehmen und andererseits den Pinsel möglichst trocken zu halten. Ihr erinnert Euch: Die Technik heißt „Trockenmalen“!

Also: Den Pinsel einmal beherzt in die Farbe tunken und danach mehrfach am Rand des Farbtopfs abstreifen. Die Farbe sollte dabei nicht allzu stark verdünnt sein – am Besten so, als wolltet Ihr ganz normal damit lackieren. Und ja – es ist immer noch das Tamiya-Farbtöpfchen. Ich weiß, ich weiß! Ich habe den Irrtum auch erst bemerkt, als ich den ersten Trockenmaldurchgang hinter mir hatte und mich über die weißen Bröselchen auf dem Armaturenbrett wunderte …

Nun wird mein (schon ziemlich verschmuddeltes) Küchenkrepp doch noch einmal im Bild gezeigt. Also, wer noch nicht wusste, wie so etwas aussieht: Der schmuddelige Zellstoff im Hintergrund, das ist Küchenkrepp!

An diesem streiche ich nun den Pinsel ab – immer schön auf und ab. Auf diese Weise wird der Pinsel natürlich ordentlich Farbe los … aber genau das soll er! Ich streiche ihn so lange ab, bis er – subjektiv betrachtet – keine Farbe mehr von sich gibt. Gerade bei weißer Farbe und hellem Küchenkrepp ist das natürlich gar nicht so einfach zu sehen. Deswegen fuschele ich mit dem Pinsel von Zeit zu Zeit einfach mal an meinem Finger rauf und runter. Dann sehe ich, ob noch Farbe rauskommt oder nicht. Keine Bange, die Farbe am Finger kann man sofort wieder wegrubbeln.

Und nun kommt das eigentliche Trockenmalen!

Mit dem Pinsel, der kaum noch Farbe enthält und – subjektiv betrachtet – eigentlich überhaupt nichts mehr von sich gibt, streiche ich schnell von links nach rechts und wieder zurück über das Armaturenbrett. Das ist eine wischende Bewegung, geradewegs aus dem Handgelenk. Und man siehe und staune: Je länger ich das mache, desto besser erkenne ich plötzlich die Instrumente!

Das bisschen Farbe, das noch an den Borsten des Pinsels hängt, bringt keinen deckenden Farbauftrag mehr zustande. Genau genommen bringt es überhaupt keinen Farbauftrag mehr zustande. Die einzelnen Farbpartikel bleiben aber an den erhabenen Teilen buchstäblich hängen. Wiederholt man diesen Vorgang also einige Male, dann zeichnen sich alle vorstehenden Kanten immer deutlicher ab.

So sieht nun das vorläufige Endergebnis aus.

Wie man hier schön erkennt, sind natürlich alle Kanten von der Trockenmalerei betroffen – also unter Umständen auch die, die man eigentlich gar nicht einfärben wollte. In einem solchen Fall kann man nur mit der vorherigen Grundfarbe nacharbeiten. Je nachdem, wie das Trockenmalen verläuft, kann so etwas ohnehin von Zeit zu Zeit notwendig werden.

Dies ist natürlich nur ein Anwendungsgebiet für die Trockenmalerei. Wie eingangs schon angemerkt, kann man sie noch für andere Zwecke nutzen – wie beispielsweise für das Betonen von Kanten oder Details, die sonst nicht oder nur schlecht zu sehen wären. So zum Beispiel hier:

Und schaut man sich dann alles im Verbund an, dann kann so etwas dabei herauskommen:

Aber Vorsicht vor diesen typischen Fehlern:

  • Nicht ungeduldig werden! Für das Trockenmalen benötigt man viel Zeit, viel Geduld und viel Ruhe. Will man zu schnell zu viel, dann ist oft zu viel Farbe im Spiel. Hat man dann eine Schliere quer über das Werkstück geschmiert, geht das Ausbessern los. Das dauert dann erfahrungsgemäß länger, als das Trockenmalen selbst.
  • Die richtige Farbe wählen! Darauf achten, nicht zu grob pigmentierte Farbe zu nehmen, so wie es mir anfangs mit den Tamiya Acryls passiert war. Nahezu perfekte Ergebnisse erziele ich mit Revell Aqua-Colors. Die lassen sich zur Not auch wieder mit einem Schluck Alkohol entfernen, sollte man versehentlich Sauerei veranstalten (siehe den vorherigen Punkt – Stichwort Ungeduld!).
  • Immer vor Augen halten: Trockenmalen ist ein farbentechnischer Bombenteppich und kein Schuss aus dem Präzisionsgewehr! Stellt Euch also darauf ein, verschiedene Ecken nachzubessern, weil Ihr die gleich mit eingefärbt habt.
  • Den passenden Pinsel verwenden! Pinsel mit weichen, langen Borsten sind okay.

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