ATOMPUNK

oder:

Wie „F.I.D.E.R.“ entstand


 
 
Um zu den Anfängen von „F.I.D.E.R.“ zu gelangen, muss man bis ins Jahr 1987 zurückgehen. Zu dieser Zeit leistete ein noch ziemlich junger Niels Peter Henning seinen Grundwehrdienst beim Nachschub Sonderwaffen ab.

Zu dieser Zeit gab es noch die „DDR“, die Berliner Mauer stand noch, es herrschte kalter Krieg zwischen Ost und West, es bestand eine Wehrpflicht von 15 Monaten und man rechnete im Allgemeinen damit, dass sich die Menschheit irgendwann mit einem fulminanten Knall selbst entsorgt.

Zu dieser Zeit stand ich also auf dem Wachturm eines Atomwaffenlagers, irgendwo tief im hessischen Wald. Im Gegensatz zu anderen Nachschubeinheiten war unser Dienst recht anstrengend. Eine Wachwoche dauerte von Mittwoch bis Mittwoch. Die Hälfte der Zeit verbrachten wir am Atomwaffenlager. Zwei Stunden Wache, vier Stunden Ruhe. Tagelang, rund um die Uhr. Die andere Hälfte der Woche waren wir in der Kaserne stationiert. Rufbereitschaft, falls es am Lager einen Notfall gab. Damit wir uns nicht langweilten, veranstalteten unsere Vorgesetzten gerne einen Probealarm oder setzten eine 36-Stunden-Übung an, im Rahmen derer wir einen sogenannten Kompanieversorgungspunkt bewachen mussten.

Der Dienst war nicht immer lustig und er war nicht immer angenehm. Doch so viel ist klar: Es handelte sich um eine der interessantesten Zeitspannen in meinem Leben. Schon damals war ich sicher, das Erlebte irgendwann kreativ zu verarbeiten. Anfangs dachte ich daran, einen Comic zu zeichnen. Dummerweise erwies ich mich als hundsmiserabler Zeichner und hätte damit niemals einen Stich landen können. Also wurde schlussendlich ein Roman daraus.
 
 

Erste Gehversuche:

 
Die allerersten Zeilen der Geschichte, aus der schlussendlich „F.I.D.E.R.“ werden sollte, tippte ich irgendwann im Jahr 2002. Ich war gerade in die Forenszene im Internet eingestiegen und wir veranstalteten in einem neu gegründeten Literaturforum eine Art Brainstorming. Ich weiß gar nicht mehr, worum es eigentlich ging, doch ich steuerte dazu einen Textfetzen bei, der bereits einige Grundzüge der späteren Geschichte trug. Dieser Textblock gefiel mir recht gut und ich begann, ihn etwas weiter zu spinnen. Als dann irgendwann die ersten Castingshows im TV liefen, reifte in mir die Idee, doch einfach ein Casting für Soldaten zu veranstalten. Der Gag dabei sollte sein, dass die Soldaten selbst überhaupt nichts von diesem Casting wissen und stattdessen glauben sollten, sie befinden ich in einem echten Einsatz.

Bald darauf juckte es mir in den Fingern, einfach einmal eine richtige Krawallgeschichte zu schreiben. Kein Tiefgang, flache Handlung, dafür aber jede Menge Action. Heraus kam eine Story mit dem Titel „Gunman“. Diese Geschichte hatte ich in einem fiktiven, totalitär angehauchten Staat mit baltischen Zügen angesiedelt. Außerdem spielte darin die Atomkraft eine gewisse Rolle. Dieses Setting gefiel mir recht gut und ich entschied, Elemente aus dieser Geschichte in Romanform zu transponieren.

Dann rückte das Projekt jedoch in den Hintergrund; dies auch, weil im Grunde überhaupt kein roter Faden existierte. Die Grundidee verschwand zunächst in einer meiner gedanklichen Schubladen.
 
 

Die lange Pause, dann plötzlich der Sprint:

 
Die Idee gammelte ewig vor sich hin. Andere Projekte wurden interessanter, darunter beispielsweise „Kellerwelt“. Deswegen lag „F.I.D.E.R.“ zunächst auf Eis. Als ich dann im Jahr 2009 einen Manuskriptentwurf für „Kellerwelt“ soweit fertig hatte, befand ich mich gerade in einem schönen Schreibfluss. Dies nutzte ich aus und prügelte in Windeseile den ersten Entwurf zu „F.I.D.E.R.“ herunter. Dabei legte ich mich von Anfang an schon auf den „Found Footage“-Stil fest, der schließlich seinen Weg in die publizierte Fassung schaffte. Doch als ich fertig war, wanderte die Geschichte zunächst wieder in die Schublade, denn ich war vom Plot noch nicht zu 100% überzeugt. Inzwischen trudelten auch die ersten Verlagsabsagen für „Kellerwelt“ ein und ich wollte davon absehen, das Manuskript durch einen Schnellschuss bei den Verlagen zu „verbrennen“.

Das Manuskript wanderte erneut in die Schublade. Dort sollte es dann auch wider einige Zeit lang liegen blieben.
 
 

Und endlich: Die Veröffentlichung!

 
Erst nachdem sowohl „Menschliche Einzelteile“ als auch „Kellerwelt“ publiziert waren, geriet ich in einen gewissen Leerlauf. Bevor ich mich nun auf ein neues Projekt stürzte, beschloss ich, die Möglichkeiten des Self-Publishings bei Amazon zu nutzen und zunächst meine Schubladen zu leeren. Dabei lief mir „F.I.D.E.R.“ dann wieder über den Weg.

Zunächst einmal verwarf ich diese Found-Footage-Geschichte und schrieb ein ganz konventionell aufgebautes Manuskript nieder. Darin verbaute ich bereits die Story mit dem doppelten Twist am Ende. Dieser war im ersten Entwurf noch nicht vorhanden – dort handelte es sich noch um einen einfachen, leider extrem vorhersehbaren Twist. Als sich mein Testleser nur mäßig begeistert über die konventionell erzählte Geschichte äußerte, erzählte ich ihm vom ursprünglichen Found-Footage-Stil. Wir kamen rasch überein, dass dies vielleicht doch einen Versuch wert wäre, um dem Manuskript etwas mehr Würze zu verleihen. Also überarbeitete ich noch einmal komplett.

Schließlich gelangte das Manuskript dann in seiner finalen Form zur Veröffentlichung – und meine Schublade war um einen Roman ärmer.