Achtung, wir werfen die Zeitmaschine an:

1986 fiel uns ein Spiel in die Hände, das auf den ersten Blick richtig geschmeidig aussah. Auf den zweiten Blick stellte uns dieses Spiel aber vor unüberwindbare Hürden. Der Titel:

INFILTRATOR

Dieses Spiel war als Schwarzkopie in meiner Clique gelandet. Wir waren völlig hin und weg: Da gab es ein richtiges Hubschraubercockpit, in dem sogar die Hände des Piloten an den Steuerknüppeln zu sehen waren. Nicht so ein abstrakter Scheiß wie „Gunship“ von Microprose, sondern ein richtiges Cockpit! Blöderweise wussten wir aber nicht, was wir nun mit dieser Grafikpracht anstellen sollten, denn schließlich handelte es sich um eine Schwarzkopie und wir hatten kein Handbuch (ja, das schreibe ich hier einfach so … und wer sich heute, 30 Jahre später, noch daran stört, der kann mich am Arsch lecken). Also blieb uns nichts anderes übrig, als munter auf die Tastatur einzuhacken und zu hoffen, die richtigen Tasten zu finden. Auf diese Weise gelang es uns immerhin, die Turbine zu starten. Etwas später schafften wir es sogar, den Hubschrauber in die Luft zu bekommen und zu manövrieren. Wir fanden die richtigen Tasten, um Radar- und Kommunikationsterminal aufzurufen.

Meine Fresse, klingt das schon geil! „Kommunikationsterminal“. Dabei war das nichts weiter als Backsteingrafik, die aus Hohlblocksteinen zusammengesetzt war. Aber damals war das echt der Hammer.

Dann kam irgendwann ein Jet angeflogen und tickerte uns mit irgendwas im Funk an. Wir wussten nicht, wie wir darauf reagieren sollten, also haben wir den Kasper (nachdem wir herausgefunden hatten, wie man die Waffen aktiviert) kurzerhand runtergeschossen. Das führte allerdings zu nix, weil immer neue Jets kamen und uns schon bald die Raketen ausgegangen waren. Und weil das alles scheißig war, flog das Spiel wieder in die Ecke. Bis …

… ja, bis ich einen guten Deal machen konnte und eine Spielesammlung erwarb. Ich weiß gar nicht mehr genau, was alles dabei war. Ich erinnere mich an „Summer Games“ – und eben „Infiltrator“. Ich hatte damals noch kein Floppy-Laufwerk, deswegen habe ich die Sammlung auf Kassetten gekauft, die ich zu Hause in meine Datasette stopfte. Nun hat „Infiltrator“ schon auf Diskette ziemlich kernige Ladezeiten. Dementsprechend kann man sich vorstellen, welchen Spaß ich mit Wartezeiten und ewigem Hin- und Herspulen auf meiner Datasette hatte.

Aber: Ich hatte ein Handbuch. Und so fand ich heraus, worum es in diesem Spiel eigentlich geht. Ich muss heute noch sagen: Hier kommt wirklich ein genialer Kopierschutz zum Einsatz. Ohne das Handbuch ist man nämlich komplett verratzt. Man kann ums Verrecken nicht rauskriegen, was in bestimmten Situationen zu tun ist, wenn man zuvor nicht die Anleitung gelesen hat. So durfte ich zu meiner Überraschung dann feststellen, dass das Spiel nicht nur aus dem Hubschrauberflug besteht, sondern auch noch aus einer Reihe von Bodenmissionen, bei denen der Held des Spiels in feindliche Stützpunkte eindringen darf. Was der tollen Machart des Spiels allerdings einen Dämpfer verpasste, waren die beinahe schon aggressiv unlustigen Sprüche, mit denen das Handbuch krampfhaft versuchte, einen auf cool zu machen.

In der Praxis sah das dann so aus, dass man eigentlich nur mit „Trial and Error“ in diesem Spiel weiterkam. Es gab kein Scrolling, sondern lediglich einzelne Screens. Marschierte man in den Bodenmissionen links aus dem Bild heraus, dann kam man im nächsten Bild von rechts wieder rein. Stand genau da ein Gegner, dann war es das. Durchsuchte man verschiedene Räume nicht in einer bestimmten Reihenfolge, dann ging es nicht weiter. Und zu allem Übel gab es auch noch ein Zeitlimit, das im letzten Level richtig knackig ausfiel.

Aber gerade das fixte mich unglaublich an. Deswegen quälte ich mich Stunden über Stunden durch dieses Spiel, bis ich schließlich zum Endscreen durchdringen konnte. Und der war so beschissen, das mir wirklich überhaupt nichts mehr einfiel. Im Anschluss verschwand die Kassette in irgendeiner Schublade und wurde nur noch hervorgeholt, um irgendwann entsorgt zu werden. Das Spiel geriet daraufhin komplett in Vergessenheit.

Bis gestern.

Irgendwie kam ich gestern auf den Trichter, man könne ja mal wieder „Infiltrator“ spielen. Und ob man es glaubt oder nicht: Die alten Handgriffe saßen noch immer! Ziemlich zu Anfang der ersten Bodenmission verließ mich dann aber die Begeisterung und ich werde das Spiel wohl nicht weiter verfolgen. Ein schöner Vergangenheitsflash war es aber trotzdem. Und seinen wir mal ehrlich: Das war eines der ersten Stealth-Spiele überhaupt. Wenn ich heute an Klassiker wie „Commandos“ denke oder mir – ziemlich aktuell – das Spielprinzip von „Battlefield Hardline“ anschaue, dann sehe ich doch eindeutige Parallelen.

Hier eine kleine Diashow mit Screenshots:

(Mal im Ernst: Hat nun tatsächlich irgendjemand eines der Bilder mit den Textnachrichten „AAAAARGH!“ oder „Successful Landing!“ angeklickt? Echt jetzt? Nee, oder?)

Noch ein wenig Gameplay gefällig? Dieses Video entstand bei einer der heutigen Sessions: