Planlos in Mittelerde

Mit „Mittelerde – Mordors Schatten“ habe ich mich wieder einmal in das Fantasy-Genre begeben, unzählige Bösewichte gemeuchelt und nicht die Bohne kapiert …

Was ist los, Jungs? Braucht ihr was auf die Fresse?

Das Fantasy-Genre und ich werden keine Freunde. Aber so richtig scheiße finde ich es auch nicht, das muss ich zugeben.

Tatsache ist, dass mich dieses ganze „Herr der Ringe“-Gedöns nie interessiert hat. Ich habe die Bücher nie gelesen (oder war es nur ein Buch? Keine Ahnung.), ich habe die Filme nur mit einem Auge geguckt (mit dem anderen habe ich „Elite: Dangerous“ gespielt) und ich habe mir auch keine Artikel oder Berichte darüber durchgelesen oder angesehen. Wenn überhaupt, dann kriege ich gerade so die Grundbegriffe zusammen, aber auch da muss ich mir selbst schon eklatante Kenntnisdefizite attestieren. Eigentlich sollte ich also die Finger von Spielen lassen, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Ich spiele sie aber trotzdem!

Ja, irgendwie macht mich das manchmal schon ein bisschen an. Deswegen habe ich auch beherzt zugegriffen, als es „Mittelerde – Mordors Schatten“ als Sonderangebot gab. Und gucke da, der Kauf war gar nicht so blöd.

Rums, bums, kaputt!

Zugegeben: Von der Story habe ich stellenweise überhaupt nix kapiert. Da erhebt sich also in Mittelerde irgendeine finstere Macht und schickt einen Haufen sogenannter „Uruks“ los – eine Art „Über-Orks“. Diese meucheln die gesamte Familie eines Hauptmanns irgendeiner komischen Armee dahin, die irgendein komisches Tor bewachen soll. Der Hauptmann selbst kneift in diesem Kampf auch den Arsch zu, abgemurkst von einem Typen, der „Die Schwarze Hand“ genannt wird. Der Hauptmann, der auch „Waldläufer“ genannt wird, tatsächlich aber auf den Namen Thalion hört, erwacht daraufhin wieder von den Toten und teilt sich fortan den Körper mit einem geisterhaften Hutzelmännchen, das über allerlei lustige und nützliche Kräfte verfügt. Derart ausgestattet macht sich Thalion nun auf die Jagd nach der „Schwarzen Hand“ (soweit ich mich erinnere, war das mal eine Tabaksorte von Roth Händle, die ich aber nie geraucht habe, weil sie nach Katzenscheiße schmeckte; seltsamerweise wird in „Mittelerde – Mordors Schatten“ aber nicht geraucht).

Um an den Oberfiesling zu kommen, gilt es, haufenweise Örke und Uruke zu verkloppen. Außerdem müssen die Hauptmänner und Häuptlinge der Armee der Schwarzen Hand abgemurkst und untereinander ausgespielt werden. In der Praxis ist das ganz lustig. Das Kampfsystem ist gut und einfach umgesetzt. Und es sieht schon klasse aus, wenn sich Thalion im Alleingang durch eine ganze Armee von fiesen Örken fräst. Mit den Hauptmännern und Häuptlingen, die übrigens individuell generiert und aus verschiedenen Assets zusammengebaut werden, ist das schon ein bisschen anders: Manche sind nahezu unverwundbar und man kommt ums Verrecken nicht an sie ran, während man andere mehr oder weniger aus Versehen um die Ecke bringt, weil man zufällig ihre Schwachstelle trifft.

Dabei muss man nicht immer den Frontalangriff wählen, sondern kann auch durchaus im Schleichgang losziehen und einen Gegner nach dem anderen aus dem Hinterhalt abmurksen. Doof: Je weiter man kommt und je weiter man seine Spielfigur inklusive der Waffen hochlevelt, desto einfach wird das. Am Ende habe ich mich mit voller Absicht in ganze Ork-Pulks gestürzt, um wenigstens ein bisschen Herausforderung zu erleben. Wenn dann noch zwei Hauptmänner dazukamen, dann würde es zumindest ein bisschen sportlicher.

Sammelaufgaben in der Zwischenwelt.

Irgendwann im Lauf der Story habe ich dann irgendeinen Obermufti erdolcht, woraufhin ich von einer verschrumpelten Königin mit knackiger Tochter engagiert wurde, um einen zweiten großen Spielbereich von Fieslingen zu säubern. Dort ging dann das gleiche Spielchen, das ich schon im ersten großen Spielareal hatte, von vorne los: Hauptmänner abmurksen, Häuptlinge abmurksen. Diesmal war das aber etwas abwechslungsreicher und lustiger, weil mein Thalion die Fähigkeit bekam, Gegner „umzudrehen“. Auf diese Weise konnte ich mir eine eigene kleine Ork-Armee zusammenstellen und diese dann auf ihre verblüfften Gegner loslassen. Da kamen witzige Gefechte zustande.

Immer wieder neue Gegner. Hier der „Mann für’s Grobe“ höchstpersönlich.

Zwischendurch musste ich auch noch mit einem Zwergen auf die Jagd nach allerlei fiesem Getier gehen und nebenbei auch noch dafür sorgen, dass die verschrumpelte Königin wieder jung und knackig wurde. Die Schwarze Hand schlich dann irgendwann auch noch herum und bevor ich es so richtig mitbekam, war ich dann auch schon mitten im Showdown. Wegen des Zwischenmuftis, den ich nach der Hälfte des Spiels erdolcht hatte, dachte ich, da kommt jetzt nochmal ein richtig schöner Bossfight. Blöderweise war’s aber nur ein Quicktime-Event. Toll. Am Ende war der Bösewicht hinüber, mein Held hatte irgendwelche Malässen mit dem Hutzelmännchen, das in seiner Person herumhing und irgendwie war alles zwar ganz ok, aber trotzdem nicht so richtig gut. Keine Ahnung, weswegen das alles so war, denn ich habe noch immer keine Ahnung, wer wer ist und weswegen ich wen wann verkloppen musste. Ich habe einfach alles gekillt, was mir vor den Säbel kam, bis schließlich der Abspann lief.

Von unten durch die Brust in’s Auge.

Ach ja, dieser bescheuerte Gollum war übrigens auch dabei. Ich kann diese Figur um’s Verrecken nicht ausstehen. Dennoch hat er zeitweise ein paar witzig durchgeknallte geistige Fehlzündungen, das muss ich zugeben.

Tja, das war’s dann auch schon mit diesem hochobjektiven, brandaktuellen und hochnotwichtigen Erfahrungsbericht. Nun weiß die Welt endlich alles, was sie über „Mittelerde – Mordors Schatten“ wissen muss. Ach ja, eins noch: Auch wenn ich maximal die Hälfte der Story kapiert habe – Spaß hat’s mir allemal gemacht. Ich habe sogar nach Abschluss der Story noch ein bisschen weitergespielt und noch ein paar Sammelaufgaben erfüllt. Und nun überlege ich, ob ich mir eventuell die Fortsetzung beschaffe und gleich weitermache.

© 2017, 2018 Niels Peter Henning

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