Es gab damals eine ganze Reihe von Spielen, die mich schwer beeindruckt haben. Ich glaube aber, es gab kaum eines, das ich heute noch so gerne spiele wie „Elite“.

Dabei erinnere ich mich noch sehr gut an den Tag, an dem ich das Spiel zum ersten Mal erlebte. Meine Kumpels und ich saßen vor dem Fernseher und glotzten wie gebannt dieses kleine, sich drehende Raumschiff an. Mann, war das geil!

Ich weiß nicht mehr, ob es schon 1984, direkt zum Release von „Elite“, oder erst 1985 war, als das Spiel in meiner Clique landete. Wir hatten allerdings noch nie zuvor davon gehört und waren dementsprechend ziemlich geflasht. Das sah alles so wahnsinnig technisch aus. Und es spielte auch noch Musik im Hintergrund. Wir waren wirklich hin und weg.

Wir schafften es dann sogar, das Spiel in Gang zu bekommen – anfangs nur als „Commander Jameson“, weil wir es nicht fertigbrachten, einen eigenen Commander anzulegen, ohne gleich mit einem Savegame herumzuhantieren. Irgendwelche Daten auf die Spieldisketten schreiben ging ja mal gar nicht. Am Ende verrotzte man sich damit die einzige Kopie, die man vom Spiel hatte.

Und als das Spiel dann startete, sahen wir lediglich das hier:

Und dann ging auch schon die Sucherei los. Das Problem war, dass wir aus … äh … irgendeinem Grund keine Spielanleitung hatten. Uns blieb also nichts anderes übrig, als blöde auf den Tasten herumzudrücken und zu schauen, was passiert. Auf diese Weise entdeckten wir dann recht schnell die anderen Screens, die man aufrufen konnte.

Anfangs glaubten wir tatsächlich, es handele sich um so eine Art Wirtschaftssimulation, ähnlich wie „Kaiser“ oder „Die Fugger“. Doch dann erwischte einer von uns die Taste F1 und unser Schiff dockte ab. Das flashte uns dann gleich noch einmal. Sternenhimmel, der Planet direkt vor uns … und als wir kurz darauf herausfanden, wie man das Schiff steuert, entdeckten wir auch die Station hinter uns.

Wir bekamen auch recht schnell raus, dass man nicht „einfach so“ rasch landen konnte. Und der Beschuss der Station mit dem Laser entpuppte sich auch nicht als praktikable Lösung.

Das Ende vom Lied: Nach dem 5. oder 6. Game-Over-Screen taten wir „Elite“ als größten Stuss der Videospielgeschichte ab und spielten irgendetwas anderes.

Aber trotzdem war es irgendwie geil.

Deswegen blieben zumindest einer meiner Kumpel und ich selbst dran. Mein Kumpel hörte sich in seinem erweiterten Bekanntenkreis um und ich knobelte Taktiken aus, was man in diesem Spiel wohl machen konnte. Diese Hartnäckigkeit zahlte sich aus, denn schon einen Tag später konnte ich die erste erfolgreiche Landung auf einer Coriolis-Station für mich verbuchen. Und als wir dann herauskriegten, dass man tatsächlich Handel treiben und in andere Sternsysteme fliegen konnte, da hatte uns das Spiel endgültig im Sack. Ich muss allerdings einräumen, dass wir uns anfangs grenzwertig doof bei den Gefechten anstellten. Tauchte ein Pirat auf, dann eierten wir in einen schier endlosen Kampf, den wir oftmals mit sehr viel Glück gewinnen konnten. Tauchten zwei Piraten auf, dann waren wir in der Regel nach wenigen Schüssen erledigt. Fischten uns die bösen Thargoiden aus dem Hyperraum, dann war’s das – und zwar umgehend.

Den Sinn des Ganzen bekamen wir dann nach und nach heraus: Es galt, durch Handel eine Menge Geld zu verdienen, das man in bessere Ausrüstung des Schiffes investieren konnte. Je besser die Ausrüstung, desto einfacher konnte man sich gegen Piraten und Aliens wehren. Und je mehr Piraten und Aliens man abknallte, desto weiter stieg man im Rang auf. Ein erklärtes Ziel gab es in diesem Spiel nicht. Wenn überhaupt, dann stellte das Erreichen des höchsten Ranges, nämlich „Elite“, so etwas wie das Spielziel dar. Danach konnte man aber munter weitermachen und noch mehr Kohle scheffeln.

Obwohl ich die Sache mit den Gefechten irgendwann einigermaßen in den Griff bekam und ein Landecomputer die frickelige Navigation beim Landeanflug übernahm, habe ich es übrigens bis heute nicht geschafft, den Elite-Rang zu erreichen. Das lag möglicherweise daran, dass im Laufe der Zeit immer wieder die Savegames verloren gingen und ich von vorne anfangen musste. Interessant ist aber, dass ich über all die Jahrzehnte seit 1984/85 „Elite“ immer wieder einmal vor die Flinte bekommen habe und auch heute noch hin und wieder gerne anspiele.

David Braben und Ian Bell, die beiden Entwickler von „Elite“, haben mit diesem Ding tatsächlich eine heftige Duftmarke gesetzt. Das war immerhin das allererst Open-World-Spiel überhaupt. Das spielerische Land der unbegrenzten (und doch sehr eigenschränkten) Möglichkeiten. Grundlage für das gesamte Genre der Weltraumflugsimulationen. Die „Wing Commander“ Reihe, die „X“ Reihe, „Dark Star One“, „Freelancer“ – im Grunde alles „Elite“-Klone.

Zugegeben: Die beiden etwas glückloseren Nachfolger „Elite II“ und „Frontier“ habe ich ausgelassen. Die gingen irgendwie komplett an mir vorbei. Als dann aber Ende 2014/Anfang 2015 der offizielle Nachfolger „Elite: Dangerous“ als Multiplayerspiel erschien, war ich sofort wieder dabei – und das bin ich bis heute noch.

In diesem Zusammenhang ziemlich lustig: Bei „Elite: Dangerous“ ist es nicht ratsam, im Kampf permanent mit Vollgas zu fliegen. Das Raumschiff ist bei verringertem Schub nämlich sehr viel besser manövrierbar. Der Gag: Genau dieses Prinzip greift auch bestens beim Ur-„Elite“. Hätte ich das damals gewusst, dann hätte ich mich vermutlich nicht ganz so doof angestellt …

Was ich damals schon interessant fand und was ich heute noch interessant finde: „Elite“ ist im Grunde stinklangweilig. Es gibt keine besonderen Aufgaben, es gibt keine Story und es gibt keine besonderen Herausforderungen. Im Wesentlichen ist der Ablauf immer der gleiche:

  • Nach der Landung tankt man auf und füllt die Munitionsvorräte auf.
  • Man verkauft die Waren, die man geladen hat.
  • Man sucht sich auf der Systemkarte ein System in Sprungreichweite, das maximalen Profit verspricht.
  • Man kauft die Waren ein, die maximalen Profit bringen.
  • Abdocken und Sprung in das nächste System.
  • Man bringt den laaaaangen Anflug zur Station hinter sich. Mit etwas Glück lockeren ein paar Schießereien den langweiligen Flug auf.
  • Andocken (und versuchen, dabei nicht zu platzen). Sofern kein Landecomputer an Bord ist, stellt dies meist den spannendsten Moment des gesamten Fluges dar!
  • Wieder von vorne …

Und das immer und immer wieder. Der Jux ist: Auch wenn „Elite: Dangerous“ heute schon nahezu unfassbar komplex ist, so setzt es doch immer noch auf dieses immer gleiche Prinzip auf.

Und das hatte irgendwas – damals wie heute!

Ich glaube aber, man musste schon einen ziemlich speziellen Geschmack haben, um diesem Spiel wirklich etwas abgewinnen zu können. Auch das hat sich bis heute nicht geändert. Und ich selbst gehöre zu diesen Menschen, denn ich komme immer wieder zu „Elite“ zurück – und damit meine ich nicht die aktuelle Version, die ich sowieso täglich in der Mache habe, sondern das Ur-„Elite“.

In „Elite: Dangerous“ habe ich bereits alle drei Elite-Ränge, die es zu holen gibt. Vielleicht schaffe ich es irgendwann in diesem Leben noch, den Elite-Rang auch in der Urversion zu bekommen.

Updated: 24. Januar 2019 — 8:52