Alouette II - endlich komplett!

Es ist geschafft: Die Alouette ist fertig. Ich übrigens auch, aber das liegt weniger an diesem Modellbausatz als vielmehr an den momentanen Witterungsbedingungen. Während ich diese Zeilen hier tippe, herrschen draußen locker über 30°C - und wir haben noch nicht einmal Mittag!

Glücklicherweise befinde ich mich gerade in Räumlichkeiten, in denen ich mich von einer recht potenten Klimaanlage anpusten lassen kann. An meinem Basteltisch zu Hause habe ich dieses Privileg leider nur sehr eingeschränkt, denn unser kleines Klimagerät (das ich immerhin auf einen Zweischlauchbetrieb umgebaut habe, so vong Effizienz her) bringt weiß Gott nicht die gigantische Leistung. Nur unter "Direktbeschuss" lässt es sich ganz gut aushalten.

Dementsprechend gingen die letzten Arbeiten an der Alouette einigermaßen schleppend voran. Sämtliche Abziehbilder bekam ich noch recht zügig auf das Modell, doch dann musste ich noch eine kleine Basis dafür basteln, ein paar sehr dezente Effekte zur Betonung der Konturen und Details anbringen und anschließend das Ganze noch mit Klarlack versiegeln. Und genau zu diesen letzten Arbeiten konnte ich mich nur sehr schwer aufraffen. Doch gestern Abend war dann schließlich der letzte Handgriff getan und die Alouette stand fertig vor mir:

Endlich komplett fertig
Endlich komplett fertig: die 1/32 Revell Alouette II.

Für die Basis habe ich, wie in der Vergangenheit schon öfter, zu einem billigen Frühstücksbrettchen gegriffen. Zuerst eine graue Grundierung drauf, dann den mittleren Teil mit Airbruch braun lackiert. Anschließend habe ich die braune Fläche ordentlich mit verdünntem Weißleim eingeschmiert und dann mein "hyperelektrisches" Begrasungsgerät zum Einsatz gebracht. Mit diesem Teil hatte ich beim Basteln einer Basis für einen anderen Bausatz schon "elektrisierende" Erfahrungen gemacht. Einmal nicht aufgepasst ... PAFF! Schon hatte mir das Ding eine gezwiebelt. Diesmal war ich allerdings schlauer und habe mich mit Latex-Handschuhen bewaffnet. Die schützten mich zuverlässig vor dem einen oder anderen Schlag. Obwohl, ich glaube, diesmal wäre auch ohne die Handschuhe nichts passiert.

Cockpit und Turbinensektion
Zugegeben: Ich hätte das eingestaubte Cockpit vor dem Fotografieren nochmal reinigen können. Asche auf mein Haupt ... bzw. Cockpit.

Wie man in der Nahaufnahme sieht, hat das Begrasungsgerät diesmal nicht wirklich gut funktioniert. Die "Wiese" hat sich tatsächlich ein wenig abgelegt, als handele es sich um normales Streumaterial. Aber nun ist es eben so - und ich bin dennoch nicht unzufrieden, denn das Modell ist alles in allem wirklich ziemlich hübsch geworden, auch wenn ich wirklich strikt aus dem Kasten gebaut und auf größere Verwitterungseffekte verzichtet habe.

Die fertige Turbine
Turbine und Rotorkopf sind schick detailliert. Sicher, es könnte weitaus mehr sein, aber für ein Modell, das so aus dem Kasten kommt, geht das in meinen Augen voll in Ordnung.

Hintergrund für diesen Verzicht ist die Tatsache, dass ich kein einziges Foto finden konnte, auf dem eine wirklich alte, abgeranzte Alouette der Luftwaffe zu sehen ist. Diese Hubschrauber wurden offenbar ganz akribisch gewartet und sauber gehalten. Irgendwie wäre es mir da komplett schräg vorgekommen, irgendwelche Lackabplatzer oder dreckverschmierte Ecken zu produzieren. Ein ganz dezentes Washing und leichtes Trockenmalen sollten hier genügen, um einen ausreichenden Effekt zu erzielen.

Das Cockpit
Das Cockpit ist recht spartanisch ausgestattet. Zwar einigermaßen realistisch, doch hier wäre noch etwas gegangen.

Einzig bei Cockpit ärgere ich mich im Nachhinein doch ein wenig, weil ich hier alles im Original belassen habe. Damned, hier hätte ich wirklich noch ein bisschen was reißen können. Die angegossenen Gurte sehen tatsächlich ziemlich scheiße aus. Mit selbstgeferkelten Teilen wäre ich im Endeffekt besser gefahren - insbesondere, weil das Innenleben bei diesem Modell wirklich sehr gut zu sehen ist. Aber gut, das verbuche ich dann mal als einen weiteren Erfahrungswert für das nächste Modell.

Der Heckrotor
Das Anbringen der Abziehbilder am Heckrotor ging erstaunlicherweise sehr schmerzfrei vonstatten.

Noch ein Wort zu den Abziehbildern generell: Diese ließen sich vorbildlich anbringen! Es gab keinerlei Probleme mit brüchigen oder in anderer Weise widerspenstigen Markierungen. Mit sphärischen Krümmungen musste ich ebenfalls nicht kämpfen. Die einzige Stelle, die mir im Vorfeld ein wenig Kopfschmerzen bereitete, was der Heckrotor mit seinen roten Markierungen, doch auch diese ließen sich einwandfrei und ohne Widerstand positionieren und fixieren. Tatsächlich ging das so gut von der Hand, dass ich alle Abziehbilder in einem einzigen Arbeitsgang anbrachte. Normalerweise reicht meine Aufmerksamkeitsspanne nicht so lange - und sie wird mit zunehmenden Alter immer kürzer.

Noch einmal die Turbine
Selbst die Zuleitung der Kabinenheizung macht mit ein wenig Trockenmalerei richtig etwas her.

Dann komme ich einmal zu einem kleinen Fazit:

Habe ich über den Bausatz geflucht?

Ja, an manchen Stellen definitiv. Der Zusammenbau der kompletten Kabine ging nicht ohne Komplikationen über die Bühne, beim Heckausleger muss man ein wenig Einfallsreichtum an den Tag legen um die Teile perfekt auszurichten, die Ansteuerungen der Taumelscheibe sind eine totale Katastrophe und killen am Ende sogar wegen falscher Positionierungen die Passgenauigkeit anderer Teile und die gesamte Konstruktion ist wackelig und fragil ohne Ende.

Hatte ich trotzdem meinen Spaß?

Scheiße ja!

Den ganzen Unzulänglichkeiten zum Trotz fand ich den Zusammenbau wirklich spaßig. Ich würde diesen Bausatz keinesfalls einem Anfänger empfehlen, aber wenn man schon ein klein wenig Erfahrung mitbringt, dann kann man damit wirklich viel Freude haben. Auch wenn viele Teile bockig waren und sich gegenseitig blockierten - im Endeffekt konnte ich alles am richtigen Platz montieren und verkleben. Auch wenn ich stellenweise zu den schwereren Geschützen (Sekundenkleber) greifen musste, was ich wirklich nicht gerne mache.

Der Rotorkopf
Noch ein Blick auf den Rotorkopf. Der gefällt mir wirklich sehr gut.

Ein letztes Wort zum Abschluss:

Eine Bausatzform von 1996. Noch kein "richtiger" Oldtimer, aber auch nicht unbedingt ein Frischling. Ich habe genau das bekommen, was ich erwartet hatte: Ein Modell aus der Zeit, in der Revell für mich noch eher der "Budget-Hersteller" war. Der Brot-und-Butter-Anbieter, von dem man einigermaßen anständige Qualität zu fairen Preisen erwarten durfte - aber eben keine Raketentechnik.

Ja, ich hatte ein paar Bedenken hinsichtlich der Qualität, weil es sich bei der Alouette II doch um eine recht komplexe und fragile Apparatur handelt. Doch alles in allem ist dies bei diesem Bausatz wirklich anständig gelöst. Die Detaillierung ist aus heutiger Perspektive ein wenig mau, war 1996 aber sicher State of the Art. Von daher: Klarer Daumen hoch.

Und ganz wichtig: Das fertige Modell macht etwas her! Alleine durch seine Farbgebung ist die Alouette II ein richtiger kleiner Eyecatcher. Ich habe sie zwar nicht so richtig "erwachsen" hinbekommen, sodass man sie auf einem geschickt angefertigten Foto tatsächlich als das Original präsentieren könnte, aber mit seiner Kombination aus Oliv und Orange sieht sie wirklich schick aus.

Und nun, ganz am Ende, noch was zum Lachen:

Ich wollte den "magischen Radierer" in meinem Mobiltelefon (mit dem ich die Fotos geschossen habe) benutzen, um ein paar störende Elemente aus dem Bild zu entfernen. Blöderweise ist mir dabei die KI ausgeflippt und hat Scheiße gebaut. Das hier ist dabei herausgekommen:

KI-Ausrauster
Immer wieder lustig, wenn die KI bei der Bildbearbeitung durchknallt und aus einem Hubschrauber eine Art Kaulquappe macht.

That’s all, folks!

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