
Es sollte eigentlich ein blöder Gag werden: Ich wollte herausfinden, was passiert, wenn man sich einen Modellbausatz bei Temu bestellt. Dieser Jux hatte mit einem Flugzeugmodellbausatz, den ich bei Wish bestellt hatte, prima funktioniert. Das Unboxing-Video, das ich auf Youtube hochgeladen habe, ist wirklich zum Schießen, denn der Bausatz ist - wie es nicht anders zu erwarten war - totaler Trash.
Bei Temu suchte ich mir also einen der günstigsten und am Schrottigsten aussehenden Schiffsbausätze heraus - einen "109 Kai Feng Destroyer" im Maßstab 1/350:

Der Baukasten. Das Bild sieht schon einmal richtig scheiße aus. Mit dem Inhalt hatte ich allerdings nicht gerechnet.
Das Ding kostete gerade einmal ca. 20 Euro. Das war mir der Spaß natürlich wert. Ein Schiffsbausatz im Maßstab 1/350 für 20 Euro - das musste einfach Trash sein! Und dann auch noch irgendein No-Name-Scheißdreck. So etwas schreit buchstäblich nach einem Video-Verriss.
Als der Baukasten dann eintraf, staunte ich aber nicht schlecht, denn die Teile sahen gar nicht mal so übel aus. Bei der ersten Trockenpassung schienen Rumpf und Deck sogar ziemlich gut zusammenzupassen. Und dann sah ich die Prägung an der Rumpfinnenseite: Copyright 1998 by Trumpeter.
Upps!
Also alles andere als irgendein No-Name-Scheißdreck. Klar, Trumpeter kann auch billig und nicht allzu doll hinsichtlich der Qualität ... aber einen wirklich grottenschlechten Bausatz hatte ich bis dato von denen noch nicht in den Fingern. Auch auch dieser hier sah gar nicht so übel aus. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mein Gag-Video vorerst auf Eis zu legen. Stattdessen überlegte ich, ob man aus dem Teil vielleicht etwas richtig Hübsches machen könnte.
Als ich dann ein wenig auf die Suche ging, liefen mir recht bald zwei Ätzteilsätze über den Weg: Ein Detailsatz und ein Satz Relings. Beide sollten auch nicht die Welt kosten, also schlug ich beherzt zu.
Und nun bin ich gerade "leergelaufen", was aktuelle Bauprojekte betrifft. Ich habe zwar noch ein paar angefangene Bausätze in der Mache, aber auf die habe ich durchweg überhaupt keinen Bock. Deswegen dachte ich, ich könnte mich ja mal um den kleinen Chinesen kümmern. Und weil mein Baubericht über die Alouette II von Revell so fürchterlich hingerotzt war, möchte ich es jetzt besser machen. Deswegen starte ich hier dieses Bautagebuch und mache einen ständig wachsenden Bericht daraus. Wir werden dann sehen, wo das hinführt - in die Vitrine oder in die Mülltonne. In jedem Fall ziehe ich das jetzt konsequent bis zum (evtl. bitteren) Ende durch.
Fangen wir also am Anfang an und schauen mal, was der Bausatz so hergibt.

Ein erster Blick in den Baukasten (was übrigens gelogen ist - ich hatte vorher schon reingeguckt und die Ätzteile beigelegt).
Allzu aufgeräumt kam der Kasten nicht daher. Rumpf und Deck liegen lose in der Packung, der Rest befindet sich in einer Plastiktüte. Die Bauanleitung besteht aus einem beidseitig bedruckten A4-Blatt.
Hinweise zur Bemalung suchte ich anfangs übrigens vergeblich. Dann kam ich aber auf die Idee, die chinesischen Schriftzeichen auf der Anleitung einmal mit der Übersetzungsfunktion meines Handys zu scannen. Und siehe da: Es sind zumindest einfache Farbangaben vorhanden. Keine besonderen Farbcodes von bestimmten Herstellern, doch zumindest Angaben wie "Hellgrau" oder "Dunkelgrau". Damit lässt sich eigentlich ganz vernünftig arbeiten.
Jetzt allerdings noch eine Sache, die mir erst im Nachhinein aufgegangen war: Es gibt überhaupt keine Abziehbilder! Ok, allzu viel sollte es da ohnehin nicht geben, doch zumindest die Rumpfnummer wäre eigentlich ganz hübsch gewesen. Nun werde ich also in meinem Fundus übriggebliebener Abziehbilder schauen müssen, ob ich dort eventuell etwas Passendes finde. Wenn nicht, dann bleibt dieser Zerstörer mit hoher Wahrscheinlichkeit nummernlos.
Die "Beigabe" zu diesem Bausatz war dann eine echte Überraschung - und damit machte auch Sinn, weswegen der Rumpf aus einem Teil besteht: Es liegt ein Elektromotor bei. Man kann das Modell also tatsächlich schwimmfähig machen. Das ist sicherlich nett gedacht, aber ich werde darauf verzichten. Wenn ich dieses Modell in meiner Badewanne zu Wasser lassen würde, dann würde es binnen zwei Sekunden gegen den Rand dotzen. Und wenn ich es in einem größeren Gewässer loslasse, dann verschwindet es auf Nimmerwiedersehen am Horizont. Oder es säuft bei der kleinsten Welle ab. Also, das lassen wir dann besser mal bleiben.
Der Rumpf wird in jedem Fall keine allzu große Herausforderung werden - zumindest dann nicht, wenn ich ihn direkt so baue, wie er aus dem Kasten kommt. Falls ich Photoätzteile einsetze, wird das vielleicht eine andere Ansage ... aber dazu später mehr. In jedem Fall werde ich auf die vom Hersteller vorgesehenen Teile für den Antrieb verzichten, denn das Ganze soll später lediglich ein Standmodell werden.
In jedem Fall kann ich schon einmal ein klein wenig nacharbeiten, um die Details etwas zu betonen, indem ich die Bullaugen aufbohre. Und soweit ich sehe, ist auch ein Kiel vorgesehen, um dem Modell einen tieferen Schwerpunkt zu verleihen, damit es gerade im Wasser liegt, ohne zu kentern. Auf diesen Kiel, der beim Original in dieser Form selbstverständlich nicht vorhanden ist, werde ich ebenfalls verzichten.
Lustig übrigens: Das Eisengewicht, das hier eingesetzt werden soll, liegt dem Bausatz überhaupt nicht bei. Man müsste sich also etwas Entsprechendes in der richtigen Größe selbst zurechtferkeln. Aber das ist ohnehin Makulatur.
So ganz ohne Blessuren ging der Transport des Modells leider nicht über die Bühne, denn das an den Rumpf angegossene Sonar ist gerade dabei, sich zu verabschieden. Glücklicherweise ist es noch nicht komplett gebrochen und lässt sich wieder fixieren.
Das Deck sollte auch kein Problem darstellen. Ein einziges, durchgehendes Teil mit ein paar spärlichen Strukturen. Allerdings wird hier eine umlaufende Reling montiert, was einiges an Gefummel garantiert. Bleibt zuf hoffen, dass alle Strukturen so platziert sind, dass für die Photoätzteile genügend Platz bleibt. Das werde ich allerdings erst gegen Ende des Zusammenbaus feststellen, denn die Reling wird zu den letzten Teilen gehören, die ich montiere.
Wie ich bei einer Trockenpassung aber feststellte, wird es wahrscheinlich sinnvoller sein, die Reling an der Oberkante des Rumpfes zu montieren, denn das Deck wird buchstäblich in den Rumpf eingelassen. Platzprobleme sollte es also nicht geben.
Allzu strukturiert kommt das Deck nicht daher. Und wenn ich dem Bildmaterial, das ich über die Photoätzteile ergattern konnte, Glauben schenken kann, dann wird es da auch nicht viel mehr geben. Also gut, dann bleibt das Deck eben weitestgehend "nackisch".
Die restlichen Teile sind dann auf drei Gießäste verteilt:
Wie man sieht, sind hier schon etliche Klein- und Kleinstteile vorhanden. Etliche davon werden später aber durch Photoätzteile ersetzt bzw. mit diesen ergänzt.
Ein Teil purzelte übrigens einzeln im Kasten herum:
Die Schiffsschraube. Ja, richtig: Die einzige Schifsschraube, die montiert werden kann. Gleichzeitig auch die Schraube, die mit dem Motor verbunden wird und das Modell antreiben sollte, würde ich den Motor zum Einsatz bringen.Ich schätze, unter den gegebenen Umständen (und in Anbetracht der Beschädigung) werde ich wohl auf den Einsatz des Teils verzichten - was ich irgendwie schade finde, denn auf diese Weise fehlt dem Modell später etwas.
Wie man am ersten Gießast gut erkennen kann, sind durchaus noch zwei andere Schrauben vorhanden. Es gibt allerdings keine explizit in der Bauanleitung beschriebenen Wellen oder Montagepunkte am Heck, sodass mir nicht ganz klar ist, wie die Schrauben eventuell montiert werden könnten. Sollte mir hier noch eine Idee kommen, kann ich das ja noch umsetzen.
Aber kommmen wir jetzt zu einem Punkt, der es in sich hat:
Der ganze Detailsatz sollte sagenhafte 9,99 $ kosten - da schlug ich natürlich sofort zu. Dazu leistete ich mir noch eine Extrapackung mit Relingteilen, die ganz allgemein an Bausätzen im Maßstab 1/350 eingesetzt werden können. Hätte ich mir allerdins schenken können, denn die Relings sind bei den "regulären" Ätzteilen schon dabei.
Also, ohne Scheiß: Für 9,99 $ ist das ein ziemliches Brett. Doch als ich die Teile erstmals auspackte, ging mir siedend heiß auf: Da ist überhaupt keine Anleitung dabei!
Das ist natürlich eine gigantische Oberkacke, denn der ganze Wust ist alles andere als selbsterklärend. Aber gut, dann schuat man eben einfach nach dem Hersteller und fragt dort mal nett an, ob es eventuell etwas gibt.
Tja, Pustekuchen! Der Hersteller, ein chinesisches Unternehmen namens "LX", ist überhaupt nicht aufzutreiben. Keine Webseite, kein Kundenservice, nix. Blieb für mich nur noch der Weg über den Verkäufer. Und da war mein nächstes Problem: Wo, zum Donnerwetter hatte ich die Teile gekauft? War das auch bei Temu gewesen? Bei AliExpress? Über Ebay? Modellbau König? Fuck, ich wusste es nicht mehr!
Ich konnte allerdings nur einen einzigen Shop auftreiben, der diese Teile anbietet. Natürlich aus Chinesien. Glücklicherweise gibt es im Rahmen der Artikelbeschreibung in diesem Shop auch so eine Art Bauanleitung. Nicht sonderlich umfassend und auch nicht besonders komfortabel. Dazu noch in einem etwas zu kleinen Format. Aber wenn alle Stricke reißen, dann sollte diese Grafik ausreichen, um die meisten Teile unterzubringen.
Natürlich habe ich aber auch eine betont nette Mail an den Shop geschrieben und höflich darum gebeten, ob man mir nicht einen Scan in etwas besserer Qualität zur Verfügung stellen könne. Hoffen wir einmal, dass der Chinamann Nachsehen mit mir hat und mir meinen Wunsch erfüllt. Wenn nicht, dann kann es passieren, dass ich das eine oder andere Teil leider nicht unterbekomme. Aber gut, dann lasse ich eben hier und dort etwas im Originalzustand, was ich eigentlich aufhübschen könnte.
Wie schon zu Anfang angemerkt: Mit billigem China-Trash hat dieser Bausatz nichts zu tun. Kein Grund, sich darüber lustig zu machen. Im Gegenteil: Die erste Trockenpassung von Rumpf und Deck leistete sich keine Schwächen, die Passgenauigkeit ist gut. Die Detaillierung hängt hier und dort etwas durch, doch für einen Bausatz, der noch keine 20 Euro gekostet hat (ok, mit Fracht und Zoll waren es ca. 25 Euro) ist das wirklich respektabel.
Der Motor als Gimmick ist ganz nett, hätte aber wirklich nicht sein müssen. Ich hätte mich viel mehr über eine hübsch ausgearbeitete Schraubensektion gefreut. Aber gut, da hatte Trumpeter etwas andere Vorstellungen. Ich bin mir aber auch wirklich nicht darüber im Klaren, wie und wo man ein so kompaktes, nicht steuerbares Modell schwimmen lassen sollte. Bestenfalls in einem Kinderplanschbecken. Ohne Kinder. Und ohne Plansch.
Ich würde sagen: So weit, so gut. In den nächsten Tagen werde ich dann einmal die Grundlackierung des Rumpfs angehen und schauen, wohin die Reise geht.
Wenn wir schon dabei sind: Ich werde tatsächlich in der kommenden Woche für einige Tage verreisen, also wundert Euch nicht, wenn es nicht sofort in Riesenschritten losgeht. Aber ich bleibe dran und sorge dafür, dass dieser Baubericht wächst und gedeiht - wie immer er auch enden mag!
That’s all, folks!
Diese Webseite wurde realisiert mit
GRAV.
Alle Inhalte (c) 2026 by Niels Peter Henning.
Diese Seite verwendet keine Tracking-Cookies. Alle Cookies, die gesetzt werden, sind rein technischer Natur, für den Betrieb der Seite notwendig und werden beim Verlassen der Seite automatisch wieder gelöscht. Weitere Infos zum Datenschutz gibt es im Impressum und der Datenschutzerklärung