Neuzugang in meinem Setup: Roland P-6

Da hat mich wieder einmal der Algorithmus erwischt: Beim Doomscrollen in einem (a)sozialen Netzwerk stolperte ich über ein kurzes Video über den Roland P-6. Und mir war sofort klar: Das Ding muss ich haben! Was soll ich sagen? Jetzt habe ich es.

Ich habe immer noch eine Menge Spaß mit meinem Novation Circuit Tracks. Doch es gibt eine Sache, die mich an dem Gerät stört: Die eingeschränkten Möglichkeiten des Samplings. Ich missbrauche die vier Drum-Spuren des Geräts nämlich sehr gerne als Sampler-Ersatz. Durch die auf Drums spezialisierte Engine funktioniert das jedoch nur sehr eingeschränkt. Ich kann zwar eigene Samples importieren, diese aber lediglich als One-Shots triggern und auch in der Tonhöhe nicht ändern. Falls Letztgenanntes mein Ziel ist, dann muss ich mit Multisamples arbeiten und mehrere Speicherslots - also Pads - auf dem Circuit Tracks belegen. Das ist zwar praktikabel, aber denkbar unkomfortabel. Deswegen schielte ich schon die ganze Zeit über nach einem erschwinglichen Mini-Sampler, den ich gegebenenfalls über das Circuit Tracks ansteuern kann.

Nun eierte tatsächlich ein kurzes Video über den Roland P-6 über meinen Monitor. Eine kleine Jam-Session im Freien. Und Scheiße nochmal, das hörte sich richtig imposant an! Also fing ich an, ein wenig über dieses Gerät zu recherchieren. Das Ergebnis: Die Bestellung ging nur einen Tag später raus und nochmal zwei Tage später trudelte der Bursche auch schon bei mir ein.

Der Roland P-6
Wirkt auf dem Bild deutlich größer, als er in Wirklichkeit ist: Der Roland P-6.

Nun die Frage: Was ist das eigentlich?

Der P-6 aus der Aira-Compact-Serie von Roland ist ein winzig kleiner Sampler, der locker in die Beintasche einer Cargohose passt. Von der Größe her reiht er sich bei der Volca-Serie von Korg oder bei den Mini-Synthesizern von Behringer ein.

Als das Päckchen bei mir eintraf und ich es erstmals hochhob, dachte ich, Amazon hätte mir versehentlich einen leeren Karton geschickt. Aber nein, es hatte alles seine Richtigkeit. Das Gerät wiegt schlicht und ergreifend so gut wie nichts. Gerade einmal 305 Gramm bringt der P-6 auf die Waage. Das liegt sicherlich unter anderem an dem poppig gelben Gehäuse, das nicht aus Metall, sondern aus Plastik gefertigt ist (und dennoch kein bisschen billig oder minderwertig wirkt - ganz im Gegenteil!).

Und diese 305 Gramm haben es in sich, denn da stecken einige nette Features drin. Die wichtigsten Eckpunkte:

Obwohl ich nun zwei Tage lang wirklich sehr intensiv die Bedienungsanleitung studiert, mit dem Gerät gespielt und mit diversen KI-Modellen gefachsimpelt habe, habe ich noch längst nicht alle Möglichkeiten des P-6 bis ins Detail verinnerlicht. So ist das Granular-Sampling für mich noch ein Buch mit sieben Siegeln, über das ich mich in diesem Artikel weitgehend ausschweige. Nur so viel: Mit der Granularfunktion kann ich ein Sample in kleine, einzelne Teile zerlegen und diese Teile dann einzeln bearbeiten. Rückwärts abspielen, vertauschen, strecken, stauchen und was-auch-immer. Das kann man treiben, bis am Ende nur noch Klanggulasch herauskommt. An solchen Funktionen habe ich allerdings momentan wenig Interesse, weswegen ich mich nicht so sehr damit befassen. Genannt werden muss die Funktion aber, denn immerhin handelt es sich um eines der großen Features des P-6.

Der Kernbereich des P-6 sind aber natürlich die Sample-Pads und die chromatische Tastatur.

Die Sample-Pads
Die 5 großen Sample-Pads sind die zentralen Bedienelemente.

Diese Pads werden mit einzelnen Samples belegt, die anschließend maximal 16-stimmig polyphon gespielt werden können. Die Pads sind nicht anschlagdynamisch. Beim Druck auf ein Pad wird das zugehörige Sample abgespielt bzw. neu getriggert. Wie es abgespielt wird, kann jederzeit über verschiedene Einstellungen festgelegt werden.

Die Pads eignen sich im Grunde perfekt für One-Shot-Einspieler von Samples.

Die Abspiel-Parameter
Die Abspiel-Parameter der einzelnen Samples.

Für jedes einzelne Pad/Sample gibt es eine Reihe von Abspielparametern, die in einer Sektion des P-6 zusammengefasst sind. Hier können die einzelnen Samples zugeschnitten und in der Tonhöhe festgelegt werden. Außerdem wird hier eingestellt, wie das Sample wiedergegeben wird, wenn man ein Pad drückt: Als Loop, oder nur so lange, wie das Pad gedrückt wird. Vorwärts oder rückwärts, monophon oder polyphon. Außerdem kann in dieser Sektion ausgewählt werden, welcher Bank die Pads zugeordnet werden sollen. Acht Bänke stehen zur Verfügung, sodass man Zugriff auf insgesamt 48 Pads hat.

Und dann ist da noch die LO-Fi Taste. Hier kann die Qualität des Samples heruntergeschraubt werden, womit man einen schicken Retro-Effekt erzeugen kann.

Die Effekt-Sektion
Die Effekt-Sektion sieht auf den ersten Blick ganz harmlos aus, aber es steckt sehr viel mehr dahinter.

Für alle weiteren Effekte gibt es dann eine gesonderte Sektion. Hier kann einer von insgesamt 6 Effekten direkt gewählt (oder abgewählt) werden, wobei sich hinter der Taste "MFX" gleich 20 Effekte verbergen, von denen je einer ausgesucht und konfiguriert werden kann.

Der Unterschied zu den Abspielparametern ist, dass sich diese Effekte global auf alle Samples auswirken, die über den Effekt-Bus ausgegeben werden (der P-6 hat drei Busse, auf die Signale geroutet werden können. Bus A und B sind dabei "trocken", also ohne Effekt, werden aber separat abgemischt. Auf diese Weise lassen sich die Multieffekte bypassen.

Die Effekte sind dabei wirklich mächtig und kommen mit jeweils einer ganzen Reihe von Parametern daher, die sich einstellen lassen. So verbergen sich hinter der "MFX"-Taste beispielsweise eine Vinyl-Simulation, eine Audio-Kassetten-Simulation, ein Phaser, ein Flanger und noch 16 weitere Effekte. Beim Filter-Effekt handelt es sich um einen wählbaren Hoch-, Tief- oder Bandpassfilter, bei dem die Cutoff-Frequenz sowie die Filterresonanz einstellbar sind. Hinzu kommen noch ein einstellbarer Overdrive und ein Low-Gain-Effekt. Alleine mit diesem Ding lässt sich schon einiges an Dynamik erzeugen.

Der Scatter-Effekt lässt das Sample "stottern", wobei sich verschiedene Stotter-Effekte und Effekttiefen einstellen lassen, der Looper-Effekt spielt einen Ausschnitt eines Samples als Loop. Wirklich ausprobiert habe ich das noch nicht, aber alleine die Möglichkeiten sind schon absolut faszinierend.

Bearbeitungseffekte für Samples
Die Bearbeitungseffekte für einzelne Samples verstecken sich in den Steps des Sequenzers.

Die Samples selbst lassen sich ergänzend mit verschiedenen Effekten bearbeiten. Auch hier gibt es eine Vielzahl von Parametern, die eingestellt werden können. Da ist zum Beispiel eine Hüllkurve, mit der der Pitch des Samples beeinflusst werden kann. Außerdem steckt hier auch die Chop-Funktion, mit der Samples in mehrere gleich große Teile zerlegt werden können. Auf diese Weise lassen sich mit einem einzigen Sample ganze Drumsets erzeugen.

Der Sequenzer
Display, Haupteinstellregler und Sequenzer-Steuerung.

Ein besonderer Kracher ist bei diesem Gerät für mich der Sequenzer. Wie schon in den Daten genannt: Speicherplatz für 64 Patterns mit jeweils bis zu 64 Steps. Ich hatte schon befürchtet, die Programmierung könnte ähnlich frickelig sein wie beim Behringer Pro VS Mini oder beim Behringer JT Mini. Dort gleicht das Aufzeichnen der Sequenzer-Patterns eher einem Glücksspiel. Beim P-6 läuft das aber ganz anders - alleine schon deswegen, weil die einzelnen Step-Taster ein ganz anderes haptisches Feedback bieten als die Sensortasten der Behringer-Geräte. Und weil es die Möglichkeit gibt, jeden Step einzeln zu setzen, zu löschen und zu bearbeiten; ganz ohne Stress und ohne tickendes Metronom (was man aber natürlich auch haben kann, wenn man das möchte).

Reglerbewegungen lassen sich beim Aufzeichnen separat im Pattern speichern und bei Bedarf auch wieder löschen. Und auch wenn die Bedienung nicht wirklich intuitiv ist, so finde ich den Workflow beim Programmieren von Patterns wirklich durchdacht und komfortabel.

Das Display ist auch so eine Nummer für sich. Diese gerade mal vierstellige LED-Anzeige zeigt wirklich alles an Informationen, was man brauch. Ein paar Anzeigen sind vielleicht etwas kryptisch, doch wenn man sich einmal mit der Bedienungsanleitung vertraut gemacht hat, dann erschließt sich einem in der Regel, was das Gerät gerade mitteilen möchte.

Die Anschlüsse an der Oberseite
Die Anschlüsse an der Oberseite.

An der Oberseite befinden sich noch einige Anschlüsse. So haben wir hier zwei 3,5-mm-Buchsen für Sync in und out. Für den reibungslosen Betrieb sollte man hier darauf achten, ein 3,5-Millimeter-Mono-TS-Kabel zu benutzen. Laut Roland machen TRS-Stereokabel Probleme. Ich hab's noch nicht ausprobiert, aber wenn Roland schon explizit darauf hinweist, dann nehme ich das mal so als gegeben. Man kann den P-6 also sowohl von einem anderen Gerät aus ansteuern als auch als Taktgeber in einem Setup benutzen.

Daneben befindet sich ein Line-Eingang, über den direkt Soundsignale eingespielt und gesamplet werden können. Und dann natürlich der Ausgang, der gleichzeitig als Kopfhörerbuchse dient.

Die Anschlüsse an der Rückseite
Die Anschlüsse an der Rückseite.

An der Rückseite sitzen die beiden 3,5-mm-Buchsen für MIDI in und out, für die ein passendes TRS-MIDI-Kabel benötigt wird. Daneben dann der USB-C-Anschluss, über den das Gerät einerseits geladen wird, andererseits aber auch MIDI-Daten sowie Digitalsound mit einem Computer ausgetauscht werden können.

Allzu viele Erfahrungen konnte ich in der kurzen Zeit, die ich den P-6 nun mein Eigen nenne, noch nicht machen. Aber das, was ich bislang kennengelernt habe, hat es schon in sich und gefällt mir richtig gut.

Es wird nun sehr interessant, wie ich den P-6 im Zusammenspiel mit meinem Circuit Tracks nutzen kann. Auf den ersten Blick eignet sich der P-6 für mich beinahe schon als geniales Standalone-Gerät, mit dem sich ganze Songstrukturen aufbauen lassen. Auf der anderen Seite muss ich gestehen, dass die Bedienung des Circuit Tracks in mancherlei Hinsicht doch komfortabler verläuft. Eine Live-Performance stelle ich mir mit dem Circuit Tracks auch etwas stressfreier vor, weil ich dort mit ganzen Szenen arbeiten kann, anstatt zwischen einzelnen Patterns hin und her springen zu müssen.

Ob da Ansteuern des P-6 über MIDI vom Circuit Tracks aus nun das Optimum ist, wage ich ein wenig zu bezweifeln. Benutzt man das Circuit Tracks jedoch ausschließlich als Taktgeber, dann kann der Sequenzer des P-6 natürlich schön die Krallen ausfahren - wobei man dann wieder die Jonglage mit den einzelnen Patterns hat. Aber für das reine Einspielen von One-Shot-Effekten ist das Gerät eigentlich zu schade. Dann schaue ich lieber, wie man des Sequenzer dosiert einsetzen und gegebenenfalls pausieren kann, ohne sich in der Bedienung beider Geräte gleichzeitig zu verwursteln.

Das wird in jedem Fall eine Sache, die es auszuprobieren gilt, sobald ich mich noch etwas besser mit dem P-6 vertraut gemacht habe. In jedem Fall will ich das Gerät aber als meinen Standard-Sampler verwenden, auch für Ableton Live - einfach weil es einen Riesenspaß macht, damit herumzuficken und die ganzen schmutzigen Geheimnisse rauszufinden.

Natürlich ist nicht alles Gold, was weder glänzt noch aus Plastik ist. So gibt es auch beim P-6 einige Schmuddelpunkte. Zunächst einmal bin ich über das komplette Fehlen eines Equalizers gestolpert. Glücklicherweise kann man hier aber mit den Filterfunktionen bei den Sample-Effekten ein wenig Abhilfe schaffen. Auch sonst gibt es noch einige Limitierungen, die aber der kompakten und preisgünstigen Hardware geschuldet sind. Ich denke, hier muss man einfach die Kirche im Dorf lassen und die Erwartungen ein wenig der Realität anpassen.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die manchmal etwas fuddelige Bedienung. Bei zwei Tastenbetätigungen und einer Reglerbetätigung gleichzeitig wird's dann selbst für Modellbauerhände ein bisschen anspruchsvoll. Und so richtig intuitiv geht auch kaum etwas. Man stolpert relativ oft über irgendwelche Effekte (und damit meine ich nicht die MFX oder die Sample-Edit-Effekte!), bei denen man sich fragt: Warum? Was ist denn jetzt passiert? Und warum trifft es immer mich?

Aber hey, in solchen Fällen schaut man einfach kurz in die Anleitung oder fragt einfach die KI. Bis jetzt habe ich alle X-Akten, die ich wegen des P-6 eröffnen musste, auch wieder schließen können. Und den Rest kriege ich auch noch raus - sogar die Funktionsweise dieser vermaledeiten Granularfunktion!

Fazit:

Ich finde das Gerät supergeil!

Wirklich, einen solchen Spaß hatte ich zuletzt mit dem Circuit Tracks. Die 190 Euro, die ich hier investiert habe, haben sich echt gelohnt.

Wenn man sich einmal ein bisschen eingewöhnt hat, dann geht das Editieren der Samples, das Einsetzen der Effekte und die Bedienung des Sequenzers problemlos und komfortabel von der Hand.

Sobald ich es geschafft habe, etwas Vorzeig- bzw. Vorhörbares damit zu produzieren, dann lasse ich es Ech hier wissen!

That’s all, folks!

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